Schmittenhöhe bei Zell am See Die Bar ist seine Bühne

Der Schnapshans mit Helm, Säbel und Schampus auf der Schmittenhöhe.

(Foto: Ralf Tögel)

In seiner Bar auf der Schmittenhöhe macht sich der Schnapshans "zum Dodel", damit die Leute auf der Theke tanzen. Doch er lacht als Letzter - und am besten. Ein Besuch beim Meister des Après-Ski.

Von Ralf Tögel, Zell am See

Schnell, der Schnapshans braucht seinen Helm. Und den Säbel. Die Flasche Champagner - Moët & Chandon Rosé für 135 Euro - steht schon auf der Bar vor dem wartenden Pärchen. Er: graue Mähne, weißer Bogner-Parka, trägt seine gute Laune zur Schau, Typ Entscheider. Sie: schwarze Jacke mit Fellkapuze, Gucci-Sonnenbrille mit Goldapplikationen, gelangweilter Blick, Typ Entscheider-Gattin. Jetzt kommt der Schnapshans: Einen Kopf kleiner als der Entscheider, etwa 1,70 Meter groß, blauer Faserpelzpulli, grüne Eierschale auf dem Kopf, Typ Energiebündel. Sein Säbel gleitet über die Flasche, einmal, zweimal, plopp, und es schäumt über. Natürlich muss der Schnapshans mit anstoßen.

Das Flaschenköpfen ist im Preis inbegriffen, die fantastische Kulisse gibt es gratis dazu: schneebedeckte Gipfel der Hohen Tauern mit ihren 30 Dreitausendern, das Steinerne Meer, was für ein Postkartenidyll. Die Schmittenhöhe bei Zell am See könnte sich durchaus für den Titel "schönster Aussichtsberg Österreichs" bewerben - die große Bar vor dem Berghotel ist nicht der schlechteste Arbeitsplatz.

Zurück am DJ-Pult gibt der Schnapshans noch eine Anweisung ans Personal, dass die Herrschaften auch oben auf der Sonnenterrasse ein "schönes Tischerl" bekommen, dann das nächste Lied ansteuern, ein bisschen Schmäh für die Gäste. Er sagt: "Wenn's lafft, dann lafft's."

Animations-Clown? Geschäftsmann!

Und es läuft für ihn: Nicht Hans, sondern Herwig Schiefer heißt der Mann, der immer in Bewegung ist und nur hochtourig zu laufen scheint. Seine 62 Jahre sieht man ihm nicht an, der Job hält offenbar jung.

Der Schnapshans mag auf den ersten Blick als Animations-Clown in eigener Sache wirken und es ist kein Problem für ihn, "sich zum Dodel zu machen", wie er sagt, beim Flaschenkillen mit Helm und Säbel. Denn zuletzt lacht der Schnapshans, und er lacht am besten.

Schiefer ist nicht nur der kauzige Skibar-Moderator, er ist auch erfolgreicher Hotelier auf 2000 Meter Höhe. Vier Sterne bietet sein Berghotel Schmittenhöhe, 130 Betten, zwei Restaurants. Vor 30 Jahren, so erzählt er, "war das eine Ruine, die keiner haben wollte". Schiefer kommt von ganz unten, das betont er immer wieder. Gelernt hat er Bilanzbuchhalter, mit Zahlen konnte er immer umgehen, aber auch mit Menschen?

Erfahrung im gastronomischen Bereich sammelte er im Tal, er war in Zell am See Pächter einer Diskothek, betrieb mehrere Lokale. Dann wollte er höher hinaus, 1987 kaufte er das Berghotel. Die Bar war von Anfang an ein wichtiger Bestandteil in seinem Konzept: flotte Sprüche, flotte Bedienungen, flottes Geld.

"Es geht um den Spaß", sagt Schiefer, "die Leute stehen da und können wenig mit sich anfangen." Dafür gibt es ihn, "zum Gaudi machen". Der Schnapshans spricht die Leute an, reißt Witze, ist charmant, frech, manchmal derb. Das kommt an. Aber es ist harte Arbeit, sagt Schiefer, vor allem am Vormittag. Später, ab drei, halb vier, läuft es von selbst: "Dann sind sie wie Marionetten: Auf Kommando rauf auf die Theke, runter, Arme hoch, tanzen", dann hat er sie.

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Früher, in den Anfangszeiten, war es eine kleine, runde Bar. Im Lauf der Jahre wurde sie immer größer und eckig. Dazu kommt die Schnapshans-Alm im ersten Stock des Berghotels, die sein Sohn Denis leitet. Und Parterre ist das Marktrestaurant, die Massenabfertigung für den hungrigen Skitouristen, "bis zu 3500 Essen gehen da raus", sagt Schiefer - am Tag. "Mein Kunstwerk", nennt er das Gesamtensemble.

Langsam wird es voll an der Theke, jetzt ist der Schnapshans in seinem Element. Schiefer selbst sucht die Musik aus, das kann schon mal Klassik oder Volksmusik sein. Gerade läuft Haindling, der Schnapshans singt übers Mikro laut mit: " ... das einzige was für mich zählt auf derer Welt, ist EUER Geld...", er lacht. Dann sagt er: "Und ich werde es euch abnehmen, ja, ja, denn keiner kann mit eurem Geld so gut umgehen wie der Schnapshansi." Mit dieser Chuzpe geht Schiefer durch sein Leben auf dem Berg. Manche werden das dreist nennen, aber es ist auch: brutal ehrlich. Und es scheint niemanden wirklich zu stören.