YouGov Deutsche neigen in der EU am wenigsten zu Populismus

Zwei Populisten vereint: Brexit-Anführer Nigel Farage (rechts) und der designierte US-Präsident Donald Trump.

(Foto: Twitter Screeshot)
  • 18 Prozent der deutschen Wähler teilen Überzeugungen, die von Parteien wie der AfD bedient werden.
  • Das ist im EU-Vergleich ein niedriger Wert, wie eine Studie des britischen Instituts YouGov belegt.
  • Einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge teilt mehr als ein Viertel der Deutschen sogenannte "neurechte" Einstellungen. Besonders auffällig sind die Einstellungen von AfD-Mitgliedern.

Donald Trumps Wahlsieg, der stetige Aufstieg der AfD, der Brexit-Triumph der Ukip: Der Populismus scheint auf einem Siegeszug. Eine neue Studie des britischen Instituts YouGov belegt diesen Trend nun mit Zahlen. Demnach würden in acht von zwölf abgefragten europäischen Ländern die Hälfte oder mehr der Wähler mit populistischem Gedankengut sympathisieren.

Eine große Ausnahme stellt Deutschland dar: In keinem der großen EU-Staaten sind der Studie zufolge die Menschen weniger empfänglich für solche Politik als hierzulande. Lediglich 18 Prozent der deutschen Wähler teilen demnach politische Überzeugungen, die von populistischen Parteien - beispielsweise der AfD - bedient werden. In Polen hingegen sind es 78 Prozent, in Frankreich 63 Prozent und in den Niederlanden 55 Prozent.

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Das Alter spiele dabei eine wichtige Rolle: Je älter die deutschen Wähler sind, umso größer sei ihre potenzielle Sympathie. Populistische Ideen seien in Deutschland eher für Menschen mit einem mittleren Bildungsniveau attraktiv als für weniger gebildete. Auch neigten weitaus mehr Männer dem Populismus zu als Frauen - 65 Prozent verglichen mit 35 Prozent.

Deutsche Populismus-Befürworter gehören großteils rechtem Rand an

Als empfänglich für populistische Positionen definiert die Studie jene Menschen, die bestimmte Grundüberzeugungen teilen: eine ablehnende Haltung zur EU, generelle Vorbehalte gegen Einwanderung in ihr Land, eine kritische Haltung gegenüber der gängigen Formulierung der Menschenrechte sowie eine Präferenz für eine robuste, auf nationale Interessen fokussierte Außenpolitik. Mit diesen Kriterien können sowohl rechts- als auch linkspopulistische Tendenzen erfasst werden. Anders als in anderen Ländern, in denen Linkspopulismus verbreitet ist, gehören die deutschen Wähler, die populistischen Parteien ihre Stimme geben könnten, der Studie zufolge fast ausschließlich dem rechten Rand an.

"Während wir in anderen EU-Ländern, vor allem in Frankreich, starke Tendenzen hin zu einem autoritären Populismus sehen, stellt sich Deutschland als das widerstandsfähigste Land heraus", sagte Joe Twyman, Forschungsdirektor von YouGov, der Welt. Für etliche EU-Länder sehen die Demoskopen ein wachsendes Wählerpotenzial, aus dem Parteien wie die Anti-EU-Partei Ukip in Großbritannien oder der Front National in Frankreich schöpfen könnten.

Mehr als jeder Vierte teilt "neurechte" Einstellungen

Mit einer ähnlichen Thematik beschäftigt sich auch eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde (zum Download). Mehr als ein Viertel der Deutschen teilt demnach sogenannte "neurechte" Einstellungen - ein Einstellungsmuster, das etwa eine vermeintliche Unterwanderung durch den Islam umfasst, ein "Meinungsdiktat" behauptet und eine nationale Rückbesinnung gegen die EU fordert. 84 Prozent der AfD-Wähler teilen solche Meinungen. Überhaupt sind die Anhänger der Partei im Vergleich zu 2014 deutlich nach rechts gerückt. Besonders gegenüber Flüchtlingen, Migranten und Muslimen sind sie der Studie zufolge menschenfeindlich eingesellt.

Positiver als unterstellt ist dagegen den Daten zufolge die Einstellung der Deutschen zur Flüchtlingsaufnahme. Mehr als die Hälfte der Befragten (56 Prozent) findet die Aufnahme "gut", weitere 24 Prozent "teils, teils" gut. Nur 20 Prozent finden es "eher nicht" oder "überhaupt nicht" gut, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Die FES verweist in ihrer Studie darauf, dass die Einstellung gegenüber Geflüchteten nicht vom Einkommen oder anderen soziodemographischen Einstellungen abhängt, sondern vielmehr von der politischen Grundeinstellung. so neigen AfD-wähler auch in diesem Bereich zu größerer Ablehnung.

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