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Populismus:Donald Trump - ein gefährliches Vorbild

U.S. President-elect Donald Trump speaks at election night rally in Manhattan

Radikale Machtwechsel gehören in der amerikanischen Politik zur Regel

(Foto: REUTERS)

Die USA sind schocktolerant - die EU aber nicht. Populisten werden Trumps Erfolg in Europa kopieren wollen.

Übergangszeiten stecken gelegentlich voller Zauber, aber immer voller Risiken. In der amerikanischen Politik ist der Übergang heute geradezu gefährlich, weil das durch die Machtübergabe erzeugte Vakuum Gefahren schafft. Es ist der ideologische Bruch zwischen der Obama-Präsidentschaft und der Trump-Präsidentschaft, der für heftige Turbulenzen sorgt. Die Luftfahrt kennt die Angst vor den Schleppwirbeln, die ein großer Düsenjet hinter sich herzieht. Die Vereinigten Staaten werden gerade von Turbulenzen durchgewirbelt, die zwei Klingonen-Kreuzer erzeugen: Donald Trump und Barack Obama sind Repräsentanten derart feindseliger Welten, dass es noch immer an ein Wunder grenzt, wie es die beiden mehr als eine Stunde lang im selben Raum ausgehalten haben.

Prinzipiell ist die Erwartung falsch, eine Machtübernahme müsse friedlich und geordnet verlaufen. Die Geschichte kennt vermutlich mehr Beispiele für das Gegenteil: Machtwechsel sind Zeiten der Abrechnung und der Maßlosigkeit. Der euphorisierte Sieger triumphiert über seinen gedemütigten Gegner, die alte Macht muss sich verabschieden von ihren Privilegien. Der Verlust von Autorität und Einfluss hat schon manche Politiker-Persönlichkeit zerstört.

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Radikale Machtwechsel gehören in der amerikanischen Politik zur Regel, nicht zur Ausnahme. Man hätte Donald Trump schon alleine deshalb mehr Chancen einräumen müssen, weil die Wähler in den USA mit großer Zuverlässigkeit spätestens alle acht Jahre den radikalen Pendelschlag wollen. Hillary Clinton unterlag schon 2008 als irgendwie geartete Fortsetzung von George W. Bush gegen den Radikalentwurf Barack Obama in der Vorwahl der Demokraten. Nun verlor sie wieder, weil sie erneut die irgendwie geartete Fortsetzung einer in die Tage gekommenen Präsidentschaft versprach. Freilich gilt auch: So radikal wie jetzt war der Wechsel selten, so unberechenbar, so vulgär, so systemverachtend, so potenziell gefährlich.

Als Bill Clinton 1992 zum Präsidenten gewählt wurde, brauchte er geschlagene sechs Wochen für die erste Personalentscheidung. Konkurrierende ideologische Lager kämpften zwischen Little Rock und Washington um Gunst und Stimme. Dieses Spektakel bietet Donald Trump auch. Seine aufgehende Präsidentschaft flößt aber deswegen so viel Furcht ein, weil es keine Gewissheiten gibt. Trump fehlt es an Personal, es fehlt ihm an Erfahrung, es fehlt ihm an Charakter, und es fehlt ihm an einer politischen Linie. Die Staatengemeinschaft beobachtet den Blindflug ihres wichtigsten Mitglieds.

Die Zeit des Übergangs zu Trump fesselt die Welt deshalb so sehr, weil in einer magischen (und sehr langen) Sekunde die Gesetze der Politik außer Kraft gesetzt werden. Alles scheint möglich zu sein. Die USA mögen ihren hegemonialen Augenblick längst hinter sich haben. Ihr Präsident verfügt aber noch immer über eine unvorstellbare Kraft, mit Worten, Gesten und Fingerzeigen ganze Weltregionen zu destabilisieren - von der militärischen Macht ganz zu schweigen.

Über Trumps potenzielle Politik wird viel zu viel spekuliert. Sein Wahlkampf-Getöse steht im deutlichen Gegensatz zu den wenigen Sätzen, die er seit dem 8. November öffentlich sagte. Nun relativiert er, deeskaliert, feilt die Ecken und Kanten. Das ist ein gutes Zeichen. Andererseits wird es auf Wochen, gar Monate, unmöglich sein, die wahren Absichten dieses Mannes zu verstehen. Offenbar kennt sie nicht mal der künftige Präsident selbst.