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Mike Pence bei Hamilton:Trumps Vize Mike Pence im Musical belehrt und ausgebuht

  • Schauspieler des Broadway-Musicals Hamilton wenden sich nach der Vorstellung an den künftigen Vizepräsidenten Mike Pence, der im Publikum sitzt.
  • Das "vielfältige Amerika" habe Angst, dass Präsident Trump und Pence die "amerikanischen Werte" nicht verteidigen würden.
  • Trump verlangt von den Darstellern eine Entschuldigung.

Von Lea Kramer

Selten hat ein Theaterstück in den USA einen solchen Hype ausgelöst wie Hamilton. Auf der Besetzungsliste stehen keine berühmten Schauspieler, auch die Showeffekte halten sich im Rahmen. Und doch ist das Hip-Hop-Musical am New Yorker Broadway, benannt nach Alexander Hamilton, dem ersten Finanzminister der Vereinigten Staaten, ein Riesenerfolg.

Das Stück gewann elf "Tony"-Musicalpreise, einen Pulitzerpreis und spielt US-Medien zufolge mehr als 1,5 Millionen Dollar ein - pro Woche. Die Ausstellungen sind Monate im Voraus ausverkauft - wer dennoch hinein möchte, muss mit Ticketpreisen von 1000 Dollar und mehr rechnen. Kritiker wie Ben Brantley von der New York Times sagen: "Ja, es ist tatsächlich so gut."

Hamilton wird sogar zugetraut, die politischen Lager in den USA zu versöhnen - was sie nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten dringend nötig hätten. Dick Cheney, ehemaliger Vizepräsident von George W. Bush, war nach seinem Besuch ebenso begeistert wie Noch-Präsident Barack Obama, der scherzte: "Hamilton, da bin ich mir sicher, ist das Einzige, worauf ich mich mit Dick Cheney einigen kann."

Ob Mike Pence in das Lob mit einstimmen würde? Der erzkonservative ehemalige Gouverneur von Indiana wird als Trumps Vizepräsident ins Weiße Haus einziehen (ein Porträt von ihm lesen Sie hier). Als er am Freitagabend das Musical besuchte, wurde er zunächst ausgebuht. Nach dem Ende der Vorstellung bekam er eine kleine Extra-Einlage der schwarzen Schauspieler dargeboten, die ihn veranlasste, sofort den Saal zu verlassen. Mitarbeiter des Theaters wollen jedoch gesehen haben, wie Pence auf den Fluren verfolgte, was ihm auf der Bühne mitgeteilt wurde.

Brandon Victor Dixon, der einen der Hauptcharaktere spricht, richtete das Wort an Pence: "Wir sind das vielfältige Amerika, jene, die beunruhigt und ängstlich sind, dass Ihre neue Regierung uns, unseren Planeten, unsere Kinder und unsere Eltern nicht beschützen wird, uns nicht verteidigen wird und unsere unabänderlichen Rechte nicht aufrechterhalten wird." Er fuhr fort: "Wir hoffen, dass diese Aufführung Sie dazu inspiriert hat, unsere amerikanischen Werte aufrechtzuerhalten und für uns alle zu arbeiten."

Unter "amerikanischen Werten" versteht Pence etwas anderes als die Schauspielerkompanie, deren Hauptdarsteller Javier Muñoz homosexuell ist und offen mit seiner HIV-Infektion umgeht. Der künftige Vizepräsident hat in seinem Bundesstaat die mit Abstand strengsten Abtreibungsregeln eingeführt. Homosexualität ist für ihn eine Sünde, folglich ist er gegen die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren. Steigenden HIV-Infektionen in Indiana begegnete Pence einst mit Warten und Beten, weshalb Forscher befürchten, dass die USA die Finanzierung von HIV-Behandlungen drosseln könnten.

Donald Trump sieht in Pence einen "sehr guten Mann", was er nach dem Vorfall im Musical bekräftigte: Der "wundervolle künftige Vizepräsident" sei im Theater "belästigt" worden, schrieb er auf Twitter. Die Schauspieler seien "sehr unhöflich zu ihm gewesen" und sollten sich dafür entschuldigen.

Immerhin mit einer Aussage dürfte Trump die Zustimmung der Hamilton-Crew finden: "Das Theater muss ein sicherer und besonderer Ort bleiben."

© Sz.de/mikö/ghe

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