Menschenrechte Ersatzdrogen als Chance

Bayern sollte seinen Umgang mit süchtigen Gefangenen überdenken.

Kommentar von Ruth Eisenreich

Ist ein Heroinsüchtiger krank - oder einfach nur willensschwach? Für Experten ist dieser Streit schon lange entschieden. Sie bewerten die Sucht als chronische Krankheit und die Substitution mit Mitteln wie Methadon in vielen Fällen als sinnvolle Therapie. Auch dann, wenn der Süchtige im Gefängnis sitzt.

In Bayern haben süchtige Häftlinge trotzdem kaum eine Chance, in der Haft mit Ersatzdrogen behandelt zu werden. Am Geld kann das nicht liegen, denn die Mittel sind nicht teuer. Es hat eher damit zu tun, dass Bayern noch der alten Ideologie anhängt, der Süchtige sei kein kranker, sondern ein charakterschwacher Mensch. Das Gefängnis, so lautet die Argumentation, biete Junkies eine einmalige Chance, clean zu werden. Und die sollten sie gefälligst nutzen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diese Praxis nun in einem Einzelfall als Verletzung der Menschenrechte verurteilt. Die bayerische Justiz sollte dieses Urteil zum Anlass für ein Umdenken nehmen. Die Substitution ist nicht für jeden Heroinsüchtigen die richtige Therapie - für sehr viele aber sehr wohl. Würde auch die bayerische Justiz das akzeptieren, wäre das nicht nur gut für die Häftlinge, sondern auch für die Gesellschaft, die sie wieder aufnehmen soll. Denn ein substituierter Süchtiger ist nicht mehr ständig auf der Suche nach Stoff, kann eher arbeiten gehen - und wird nicht so leicht wieder straffällig.

Bayern verwehrt drogensüchtigen Häftlingen Therapie

Das schadet nicht nur den Insassen - sondern bedeutet auch ein Risiko für die Gesellschaft. Von Ruth Eisenreich mehr...