Die SPD hat lange unter der Popularität von Verteidigungsminister Guttenberg gelitten. Jetzt ist er wegen der Kundus-Affäre unter Beschuss geraten - und die Sozialdemokraten nutzen die Gunst der Stunde.
Am Tag danach ist die Wut unter den Sozialdemokraten noch immer groß. Der Abgeordnete Axel Schäfer zum Beispiel empört sich über "diese gegelte Arroganz von Menschen, die obendrein politisch noch nichts Nachhaltiges geleistet haben". Gemeint ist Karl-Theodor zu Guttenberg, der Verteidigungsminister, und Anstoß nimmt die SPD an dessen Auftritt im Bundestag am Mittwoch, der zeitweise zu tumultartigen Zuständen im Parlament geführt hatte.
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg verfolgt die Kundus-Debatte im Bundestag. (© Foto: Getty)
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Mit spöttischem Lächeln im Gesicht hatte Guttenberg der Opposition Klamauk vorgehalten, fehlenden Anstand moniert und sich selbst - dann mit ernstem Gesicht - zum Schutzherren der Soldaten im Feld gegen die Angriffe aus der Heimat stilisiert. "Das ist deutscher Korpsgeist", war ihm daraufhin aus den Reihen der SPD zugerufen worden.
Exorbitante Popularitätswerte
Guttenberg konnten sie noch nie leiden. Schon der einfache CSU-Abgeordnete Guttenberg und der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier sollen sich im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags nicht immer freundlich behandelt haben. Als Wirtschaftsminister zog sich Guttenberg vor allem mit seiner Insolvenz-Linie im Fall Opel sozialdemokratischen Zorn zu.
Angriffe im Wahlkampf unterblieben dann allerdings sehr schnell, weil sie die exorbitanten Popularitätswerte des politischen Konkurrenten eher noch weiter in die Höhe trieben. Außerdem lenkten sie den Blick darauf, dass die SPD nach Jahren an der Regierung nur ausgelaugte Minister und ein farbloses Kompetenzteam anzubieten hatte, die Union aber immerhin ein frisches Gesicht.
Nun aber erfreuen sich die Sozialdemokraten an der oppositionellen Freiheit zur Attacke. Am verwundbarsten erscheint ihnen der Minister dabei zum einen bei seinem bis heute nicht begründeten Meinungswandel über den Angriff auf die Taliban in Kundus am 4. September. Zum anderen drängen sie auf Klärung der Umstände, unter denen er Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan aus dem Amt drängte.
SPD-Chef Sigmar Gabriel hielt dem früheren Kabinettskollegen vor, er habe, "nur weil er in der Öffentlichkeit gut dastehen will, einen hochverdienten General einfach" rausgeworfen und dazu "die Unwahrheit" gesagt. Fraktionschef Steinmeier warf dem Verteidigungsminister Ablenkungsmanöver vor. Im Kern gehe es um die Frage, ob Guttenberg die Öffentlichkeit und das Parlament richtig informiert habe.
So vehement sind die Angriffe, dass regierungsseitig manch einer vor allem ein Ablenkungsmanöver der SPD vermutet, die zum Zeitpunkt des Angriffs noch mit in der Regierung saß. Bislang ist aus dem Auswärtigen Amt, wo mittlerweile Guido Westerwelle das Sagen hat, noch kein Dokument aufgetaucht, das dessen Vorgänger behelligen würde. Steinmeier selbst hat wiederholt sehr selbstbewusst erklärt, gegen ihn werde nichts Vorwerfbares zu finden sein. Das aber ist manchmal keine Frage der Fakten, sondern nur der geschickten Platzierung.
"Nichts anderes als eine Verleumdung"
Einstweilen knöpft sich die schwarz-gelbe Koalition Rainer Arnold vor, den verteidigungspolitischen Sprecher der SPD. Auswendig können Koalitionäre die Daten von Zeitungsberichten runterbeten, in denen Arnold sich für eine Klarstellung der Regeln für deutsche Soldaten in Afghanistan eingesetzt und dabei auch den präventiven Gebrauch von Schusswaffen gefordert habe.
"Die Situation ist, wie sie ist, und dann wird man doch Terroristen, wenn man sie erkannt hat, nicht einfach laufen lassen", sagte Arnold am 1. Juli. Allerdings bezog er sich dabei auf eine unmittelbare Bedrohung zum Beispiel durch Attentäter, die im Straßengraben auf ihre Opfer lauerten.
Verteidigungsminister Guttenberg spickte seine Rede am Mittwoch mit Andeutungen, Arnold habe schon am 8. September, also vier Tage nach dem Bombardement, im Verteidigungsausschuss die Taliban als legitimes Ziel bezeichnet. Arnold forderte den Minister später auf, diesen Vorwurf zurückzunehmen. "Das ist nichts anderes als eine Verleumdung, wenn Sie das so stehen lassen", sagte er. Ab Januar treffen sich dann alle wieder im Untersuchungsausschuss.
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(SZ vom 18.12.2009/aho)
An nh100:@, Es stimmt,wie in der Sueddeutschen beschrieben wurde,es geht darum einen Minister zu demoralisieren und zu beschaedigen,weil in der SPD niemand da ist, der ihm das Wasser reichen kann. Es ist traurig das er fuer das gerade stehen muss was rot-gruen in Auftrag gegeben hat und ein anderer CDU Minister verbockte. Nun da niemand ueber den Kopf der groessten,aller Deutschen Kanzlerinnen erheben darf,ist sie froh wenn er demontiert wird. Die Entlassung des G. Inspeckteurs und des Staatssekritaers,haette es auch unter dem SPD Minister Struck gegeben,nur das will niemand wahr haben. Auch der Herr Tritin haengt sich stark in das Zeug,er war immer schon ein grosser Zyniker gewesen,die Maoistische Schule aus Bremen laesst gruessen. Wenn man bei uns so weitermacht und Politiker so demontiert,wie auch F. Merz,dann wird es nur noch solche Politiker geben,vom Schlage des Lesers eulenspiegen,oder coffeshop und dylan u. s.w.. Da wuensche ich dann allen wiel Vergnuegen.
"Zu Guttenberg braucht jetzt nur noch stehen zu bleiben. Das Schlimmste ist überstanden. Und bitte bedenken: Er hat die Einrichtung eines Untersuchungsausschusses angeregt, dadurch hat er Gelegenheit mal so richtig im Ministerium aufzuräumen. Die SPD und die Grünen werden ihren Angriff noch verwünschen!"
Sehr schön gesagt. So ist es.
18.12.2009 14:41:18
Egeus
Ihr Beitrag verdient alle Beachtung!
Gruss
cc.
Bei etwas differenzierter Betrachtungsweise findet man mindestens 4 Fraktionen:
1. Die jenigen die Guttenberg schon bei der Kongregation für die Heiligsprechungen angemeldet haben und jede Kritik als Sakrileg empfinden
2. Diejenigen, die seine Popularität völlig aus dem seelischen Gleichgewicht bringt, nur noch Belastendes und nicht Entlastendes mehr wahrhaben wollen und ihne gerne auf dem Scheiterhaufen brennen sehen würden.
Fraktionen 1 und 2 bekämpfen sich - auch mit entsprechender Wortwahl - bis aus Messer.
Fraktion 3 sind die (Selbst-)Gerechten mit der Einstellung "Gott Sei Dank, daß ich nicht so bin wie jene" und voller Ekel auf alle herabsehen, die ihr Bild von einer idealen Welt zu beinträchtigen scheinen. Ihr Leben ist ohne Fehl und Tadel, voller Tugend und bester Absichten. Sie haben nie gelogen, nie jemandem Unrecht getan und wären die eigentlichen Kandidaten für die Aktivitäten von Fraktion 1 im Vatikan.
Die 4. Fraktion ist ein Haufen nüchterner Realisten, die durchaus keine preußischen Haudrauf-Militaristen sind, die Obama-Rede neulich in Oslo z.B. ganz nachdenkenswert finden. Sie beziehen bei der Bewertung der Aussagen der handelnden Politiker, Soldaten und Journalisten auch deren mögliche parteipolitischen Beweggründe ein. Und sie glauben einfach nicht and die moralische Äquivalenz von ISAF und Taliban.
Und noch das:
Es ist ein bisserl schwierig für Sie, anzuerkennen, dass nicht nur der 11.9.01 (sog. von aussen inszenierter Anschlag auf die Babel-Türme von N.Y. mit anschließender Aushebelung der Grundrechte im gesamten Westen), sondern auch das Finanzdesaster im Westen, insbesondere in der B-Republik Deutschland, außerdem die Klimakatastrophe vorausbeschrieben wurde - so ganz einfach und locker von 1980 an (Zeitp. der jeweiligen Veröffentlichungen).
Ursache in all diesen Fällen: das Schalten und Walten von Plündercliquen.
Auch die Afghanistansache ist so eines ihrer Werke. Vom Irakkrieg und von den Inszenierungen auf dem Balkan ganz abgesehen.
Ganz klar, wir sehen nicht weit voraus.
Aber immerhin befinden wir uns in einem der Stockwerke, wo man etwas besser sieht.
ca-canaris fm-tv.net
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