Guttenberg-Affäre Schavan: Plagiatsaffäre ist keine Lappalie

Lange hat sie geschwiegen, jetzt äußert sich die Forschungsministerin in der SZ: Schavan schämt sich "nicht nur heimlich" für ihren Kabinettskollegen, fordert aber eine zweite Chance für Guttenberg.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) hat großes Verständnis für den Unmut, den die Plagiatsaffäre um die Dissertation von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg unter Wissenschaftlern ausgelöst hat. Schavan sagte der Süddeutschen Zeitung, dass sie den Entzug des Doktortitels durch die Universität Bayreuth für richtig und den ganzen Vorgang nicht für eine Lappalie halte. "Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Und der Schutz geistigen Eigentums ist ein hohes Gut", sagte die Ministerin.

Schavan räumte ein, dass sie sich als Wissenschaftlerin, die vor dreißig Jahren selbst promoviert habe, "nicht nur heimlich schäme" für das, was da passiert sei. Zugleich aber betonte sie, dass für Guttenberg das Gleiche wie für jeden Menschen gelte und er deshalb eine zweite Chance verdient habe. "Wir wissen, dass das nicht der erste Fall ist, in dem jemand gute politische Arbeit leistet und zugleich in einem anderen Bereich seines Lebens Schuld auf sich genommen hat", betonte die CDU-Politikerin.

Scharfe Kritik übte sie an der "Maßlosigkeit", die aus ihrer Sicht die politische Debatte geprägt habe. Der Opposition sei es vor allem darum gegangen, "den Kopf des Ministers als Trophäe aus der Debatte zu tragen". Andere wiederum hätten den Eindruck erweckt, man müsse das alles nicht so ernst nehmen. Beides sei unangemessen gewesen, betonte Schavan.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) zweifelte, dass Guttenberg die Affäre auf Dauer unbeschadet überstehen werde. Böhmer sagten dem Tagesspiegel, es werde immer Menschen geben, die ihm diese Fehler vorwerfen: "Ich weiß nicht, wie lange er das erträgt und aushalten kann."

SPD-Chef Sigmar Gabriel attackierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Durch ihr Verhalten in der Plagiatsaffäre schade sie der Demokratie, sagte Gabriel der Bild am Sonntag. "Frau Merkel ist die erste, die in Deutschland behauptet, dass jemand in seinem ,Privatleben' geistiges Eigentum stehlen und betrügen darf und trotzdem in seinem ,Beruf' Minister bleiben kann", sagte Gabriel. Die Kanzlerin dürfe niemanden, und sei er noch so populär, über das Gesetz stellen.

Guttenbergs Doktorvater ist verzweifelt

Doktoranden der Universität Konstanz starteten eine Unterschriftenaktion und verfassten einen offenen Brief an die Bundeskanzlerin. Darin heißt es, Merkels Hinweis, sie habe Guttenberg nicht als Wissenschaftler eingestellt, sei eine "Verhöhnung" aller Doktoranden, die auf ehrliche Weise arbeiteten. Bereits 15.000 Promovierte, Doktoranden und Studenten hätten unterzeichnet.

Das Vergehen Guttenbergs werde in der Wissenschaft "nie vergessen", sagte der international renommierte Biochemiker und frühere DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker im Spiegel. "In der Wissenschaft ist ein solches Fehlverhalten unauslöschlich." Diejenigen, die sich nun parteitaktisch verhielten, "werden ihr Urteil überprüfen müssen", sagte Winnacker. "Wir dürfen nicht zulassen, dass durch ein schlechtes Vorbild illegales Kopieren noch hoffähiger gemacht wird", sagte der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, am Sonntag in Berlin.

Guttenbergs Doktorvater, der angesehene Verfassungsrechtler Peter Häberle, ist nach Informationen der Süddeutschen Zeitung über die Arbeit seines Schülers regelrecht verzweifelt, er schottet sich ab und telefoniert nur noch mit wenigen Freunden.

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