Die Trumps im Weißen Haus Der CEO der Vereinigten Staaten

Präsidententochter Ivanka Trump und ihr Mann Jared Kushner. Sie sind das wohl mächtigste Paar im Weißen Haus.

(Foto: REUTERS)

Jared Kushner war als Trumps Schwiegersohn und Berater schon bisher nicht unbedeutend. Jetzt soll er das Weiße Haus auf Business-Regeln trimmen. Seine Kontakte zu Russland stören da offenbar nicht.

Analyse von Thorsten Denkler, New York

Jared Kushner hat eine Menge zu tun im Weißen Haus. Noch vor einem Jahr machte der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump in Immobilien und Medien. Jetzt kümmert er sich als ein hochrangiger Berater Trumps um innen- und außenpolitische Angelegenheiten, ist an der Personalauswahl der Regierung beteiligt und dazu noch Schattendiplomat im Auftrag des Präsidenten. Mit Spezialaufträgen in China, Mexiko, Kanada. Im Nahen Osten soll er nicht weniger als den Frieden bringen.

Nun kommt noch ein neuer Job dazu: Kushner soll das Management der kompletten US-Regierung auf Business-Regeln trimmen. Er darf künftig also den Stil, den Benimm und die Ziele eines Chief Executive Officers (CEO) im Weißen Haus zum Alltag machen. Dafür bekommt er im Weißen Haus eine eigene Abteilung. Swat-Team wird diese etwas spöttisch genannt. Swat, das steht für "Special Weapons and Tactics", ein polizeiliches Spezialeinsatzkommando mit militärischen Fähigkeiten, wie sie etwa das FBI unterhält.

Kushner soll helfen, der Politik und den Behörden Methoden aus Trumps vertrauter Geschäftswelt einzuimpfen. Dazu gehört etwa die Reform staatlicher Aufgaben wie die Hilfe für Kriegsveteranen oder der Kampf gegen Drogenmissbrauch. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, den Staat so weit wie möglich zurückzudrängen, um Platz für privates Engagement zu schaffen. Kushners neuestes Projekt zielt in diese Richtung.

Ivanka Trump hat ein Büro im Weißen Haus, bekommt aber kein Gehalt

Jared Kushners Rolle ist noch relativ klar umrissen. Seine Frau Ivanka Trump arbeitet dagegen lieber im Verborgenen. Was genau sie im Weißen Haus macht, darüber wird ausgiebig gerätselt. Sie ist nicht mehr in die Geschäfte ihres Mode- und Schmuck-Labels eingebunden. Sie arbeitet anders als ihre Geschwister auch nicht für die "Trump Organization". Sie hat keinen Arbeitsvertrag mit dem Weißen Haus. Bekommt also auch kein Gehalt.

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Seit vergangener Woche hat sie nun ein eigenes Büro im Westflügel, der Schaltzentrale des Weißen Hauses. Seit ihrer Freigabe zur Geheimnisträgerin darf sie auch streng geheime Akten lesen. Alles ganz normal, heißt es aus dem Weißen Haus. Aber was ist schon normal in diesen Zeiten.

Jared Kushner und Ivanka Trump sind das wohl mächtigste Ehepaar im Weißen Haus. Was allerdings auch daran liegt, dass sich Donald Trumps Ehefrau Melania weitgehend aus der Politik heraushält.

Ivanka Trump sitzt in wichtigen Meetings mit am Tisch. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel Mitte März zu Besuch in Washington war, fand sie sich bei einem Treffen mit Trump und Wirtschaftsbossen aus den USA und Deutschland an der Seite von Trumps Tochter wieder.

Jared Kushner dagegen hat einen echten Job im Weißen Haus: "Senior Advisor", also hochrangiger Berater des Präsidenten. Er soll ein gutes Gespür haben. Trump habe er schon früh nahegelegt, nicht sofort das hochkomplexe Krankenversicherungssystem Obamacare zu ersetzen. Trump folgte jedoch lieber seinem Bauchgefühl. Vergangenen Freitag bekam der Präsident dafür die Quittung. Sein großes Wahlkampfversprechen ging im Streit unter. Gut möglich, dass Trump jetzt noch stärker auf seinen Schwiegersohn hört.

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Außenpolitisch spielt Kushner in der ersten Reihe. Er scheint deutlich einflussreicher als Außenminister Rex Tillerson zu sein. Tillerson nennen manche auch T-Rex. Seine neuen Untergebenen im US-Außenministerium meinen das aber nicht sonderlich respektvoll, wenn sie so von ihm sprechen. Tillerson macht sich und damit das stolze State Department klein: Auf seine Dienstflüge nimmt er die heimische Presse nicht mit, was dazu führt, dass aus einem blassen Minister ein nahezu unsichtbarer geworden ist.

Wenn, dann ist es Kushner, der vorprescht. Als sein Chef und Schwiegervater den mexikanischen Präsidenten via Twitter auslädt, sondierte Kushner gerade mit mexikanischen Diplomaten im Weißen Haus die Lage. Kushner riet Trump, nicht zu hart mit den Mexikanern umzugehen. Was der Schwiegervater zunächst missachtete. Mexiko soll schließlich für die Mauer bezahlen, die Trump seinen Wählern versprochen hat. Inzwischen nimmt Trump den Mund nicht mehr so voll. Er hat womöglich verstanden, dass Mexiko nicht zahlen wird.