Freizeitsport Vogelkundler: Mountainbiker bedrohen Arten an der Isar

Amphibien und Reptilien werden unter den Rädern von Moutainbikes einfach zerquetscht. Vögel, die in Bodennähe brüten werden vertrieben.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Ornithologe Manfred Siering kämpft für die Vielfalt im Isartal. Die sieht er durch immer neue Wege für Mountainbiker bedroht.

Von Konstantin Kaip, Königsdorf

Mit seinem naturbelassenen, von Inseln durchbrochenen Flusslauf, seinen funktionierenden Auwäldern und den Nagelflu-Felsen am Hang ist das Isartal ein wertvoller Lebensraum für zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten: Uhu und Kolkrabe, Raufuß- und Sperlingskauz, Schlingnatter und Kreuzotter sind dort zu Hause, am Ufer und in den Wäldern wachsen Pfingstrosen, der eisenhutblättrige Hahnenfuß und Orchideen wie das Rote Waldvögelein. In den vergangenen Jahren aber hat sich vor allem eine Art dort ausgebreitet: der Freizeitmensch. Und der stellt, weil er in steigender Zahl auf zwei Rädern querfeldein unterwegs ist, eine ernsthafte Bedrohung der geschützten Flora und Fauna im FFH-Gebiet Isartal dar.

"Zum Beispiel die Waldschnepfe", sagt Manfred Siering, der Vorsitzende der Ornithologischen Gesellschaft in Bayern. Als Wintergast aus Russland und Skandinavien findet sie im feuchten Boden unter dem dichten Laub der Auwälder auch jetzt die Würmer, die sie zum Überleben braucht. Früher, erläutert der 69-Jährige, der seit seinem vierten Lebensjahr in Grünwald lebt, habe er sie häufig beobachten können. Nun sieht er sie nur noch selten. Denn der Waldboden, berichtet Siering, sei vor allem zwischen Marienklause und Schäftlarn inzwischen von einem immer dichter werdenden Netz so genannter "Trails" durchzogen: furchiger Pfade, die Mountainbiker abseits der befestigten Wege hinterlassen. Der Trendsport breite sich immer mehr aus, auch wegen des Klimawandels, der Skifahren mehr und mehr unmöglich mache. Die vielen Mountainbiker bedrohten nicht nur Reptilien und Amphibien, die er immer wieder von Reifen zermalmt vorfinde, klagt Siering. Das Wegenetz vertreibe mit seiner "Zangenwirkung" auch Vögel wie den Fitis und den Zaunkönig, die am Boden oder in niedriger Höhe nisten und dafür größere ungestörte Flächen brauchen.

Manfred Siering setzt sich für die Artenvielfalt an der Isar ein.

(Foto: Claus Schunk)

Welche Naturschätze das Isartal birgt, davon erzählt Siering an diesem Mittwoch, 3. Februar, im Gasthof "zur Post" in Königsdorf. "Faszination Isartal", heißt sein Vortrag, den er auf Einladung der Kreisgruppe des Landesbund für Vogelschutz (LBV) hält. Er wolle vor allem die Schönheit des FFH-Gebietes zeigen, sagt Siering. So werde er von den Baumfalken berichten, die man von Mai an am Georgenstein beobachten kann, von der zweigestreiften Quelljungfer, einer seltenen Libellenart, und von der bayerischen Quellschnecke, die als Garant für hohe Wasserqualität gilt. Dochder Experte wird auch den enormen Freizeitdruck ansprechen, der dem Isartal "große Probleme" bereitet, wie er sagt. Belegen will er das mit Vorher-Nachher-Bildern, die die Auswirkungen der Trails zeigen.

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Mit dem Konflikt zwischen Artenschutz und Freizeitsport befassen sich Vertreter aus Stadt, Landkreis und Anrainerkommunen, Behörden, Naturschutz- und Sportverbänden seit mehr als fünf Jahren. Nach einem Gutachten, zwei Workshops und etlichen Besichtigungen soll nun versucht werden, Trails für die Mountainbiker im Isartal zwischen München und Schäftlarn vorzuschlagen. Siering, der dem Gremium angehört, hält davon jedoch wenig. "Unser Bestreben ist nur ein Weg auf jeder Uferseite, den sie sich mit Fußgängern teilen müssen", erklärt er. Denn jeder neu ausgewiesene Weg müsse auch gesichert werden, auf Kosten des Totholzes und der porösen Felswände, die doch eine "Schatzkammer der Artenvielfalt" seien. Zudem glaubt er nicht, dass sich die Mountainbiker mit einzelnen, viel befahrenen Wegen zufrieden geben. Die zunehmenden illegalen Querfeldeinfahrten könnten nur Polizei und Naturschutzwacht eindämmen - "mit Bußgeldern in erheblicher Höhe".

Das Isartal als zusammenhängender intakter Lebensraum sei für den genetischen Austausch zwischen Alpen- und Donauraum essenziell, sagt Manfred Siering. Es dürfe daher nicht "zum Parkour gemacht" werden. Er wolle den Reichtum der einzigartigen Landschaft begreifbar machen, "damit die Artenvielfalt nicht unter die Räder kommt."

Manfred Siering, "Fazination Isartal: ein Juwel vor den Toren der Stadt München", Mittwoch, 3. Februar, Gasthof Hofherr "Zur Post", Hauptstraße 31, Königsdorf. Beginn: 19.30 Uhr.