Reaktionen "Es liegt nun an uns, sein Vermächtnis fortzuführen"

Seit mehr als 30 Jahren führte ​Max Mannheimer Zeitzeugengespräche, klärte Schüler und Erwachsene über den Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus auf.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer war eine der wichtigsten Stimmen für die im Nationalsozialismus ermordeten Juden. Seine Mahnung, nicht zu vergessen, bleibe unser Auftrag, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.

Bis zuletzt war Max Mannheimer als Mahner und Erinnerer in Deutschland unterwegs. Er war in den letzten Jahrzehnten zu einer gewichtigen Stimme für die sechs Millionen Juden geworden, die von den Nationalsozialisten und ihren Kollaborateuren ermordet oder in die Vernichtungslager deportiert wurden. Seit mehr als 30 Jahren führte er Zeitzeugengespräche, klärte Schüler und Erwachsene über den Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus auf. Am Freitag ist Max Mannheimer im Alter von 96 Jahren verstorben, wie seine Vertraute, Schwester Elia vom Karmel-Kloster Dachau der Süddeutschen Zeitung bestätigte.

"Von Max Mannheimer stammt der Satz: 'Ihr seid nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dass es nicht wieder geschieht, dafür schon.' Dieser Satz Max Mannheimers bleibt unser Auftrag heute und in Zukunft. Das ist unsere Verantwortung", sagte der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU).

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"Mit seinem Tod hinterlässt er ein großes Vakuum in der Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit", sagte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). "Er hat Schülern von seinen Erfahrungen mit dem menschenverachtenden Unrechtsregime berichtet. Sein Leben steht für ein großartiges Engagement."

"Der Tod von Max Mannheimer ist ein großer Verlust für unsere Gesellschaft und insbesondere für die Stadt München. Ich habe ihn und sein großes Engagement sehr geschätzt", erklärte Oberbürgermeister Dieter Reiter. "Sein Motto war, wie es das Motto von uns allen sein muss: Wir dürfen nicht vergessen. Max Mannheimer wird uns fehlen."

Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag sagte: "Es liegt nun an uns allen, sein Vermächtnis fortzuführen und dafür zu sorgen, dass Antisemitismus und Rassismus nie wieder einen Platz in Deutschland haben."

"Seine liebenswerte und doch auch hartnäckige Art"

"Er wird uns fehlen. Wir schulden ihm großen Dank für seine unermüdliche Erinnerungsarbeit und unseren tiefen Respekt", sagte Natascha Kohnen, Generalsekretärin der Bayern-SPD.

"Seine Bemühungen um die KZ-Gedenkstätte Dachau und seine liebenswerte und doch auch hartnäckige Art, mit der es ihm gelang, seine Vorhaben durchzusetzen, werden uns immer in Erinnerung bleiben", sagte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann.

Karl Freller, Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, sprach von einem "unersetzlichen Verlust": "Max Mannheimer hat Großartiges für Frieden, Versöhnung und die Demokratie geleistet."

Geboren wurde Mannheimer 1920 in der nordmährischen Stadt Neutitschein, als Kind deutsch-jüdischer Kaufleute in der tschechisch-polnischen Grenzregion. Als Flüchtling vor den Nazis in Ungarn, als Häftling in den Konzentrationslagern Theresienstadt, Auschwitz, Warschau und Dachau, als Hinterbliebener einer schon kurz nach der Ankunft in Birkenau ausgelöschten Familie und als verhungernder, typhuskranker Arbeitssklave in Karlsfeld und Mühldorf hat er alle Kreise der Hölle durchschritten.

Die unvorstellbaren Details seiner Leidensgeschichte, aber auch die glücklichen Wendungen, die sein Leben nach der Befreiung durch die Amerikaner, nach seiner Begegnung mit einer Deutschen aus dem Widerstand, nach seiner Heirat und der Übersiedlung nach München nahm, sind in Büchern eindrücklich zusammengefasst. Sein "Spätes Tagebuch" (Piper Verlag) wird durch die niedergeschriebenen Erinnerungen "Drei Leben" ergänzt. In der Videoserie "Dachauer Dialoge", entstanden im vergangenen Herbst, unterhalten sich Max Mannheimer und Schwester Elia über den Holocaust. Alle Folgen der Serie finden Sie hier.

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