Erstaufnahme von Flüchtlingen Münchner Zeltstadt wächst weiter

Im Zeltlager "The Tent" im Kapuzinerhölzl kommen momentan bis zu 230 Flüchtlinge unter.

(Foto: Stephan Rumpf)

In der Nacht zum Samstag stellte das THW weitere Zelte im Kapuzinerhölzl auf, inzwischen sind dort rund 230 Menschen untergekommen. Ob das Ausweichquartier nur für wenige Tage bleibt, ist sehr fraglich.

Von Bernd Kastner

In München sind in der Nacht zum Samstag weitere Zelte für Flüchtlinge aufgebaut worden. Das Technische Hilfswerk hat im Kapuzinerhölzl bis Mitternacht drei Zelte mit einer Kapazität von zusammen etwa 50 Plätzen errichtet. Damit wächst die Zahl der Betten auf dem Gelände des Jugendcamps "The Tent" auf rund 230, sie wurden noch in der Nacht voll belegt.

Verantwortlich für die Unterbringung ist die Regierung von Oberbayern. Das Areal wiederum gehört der Stadt München, betrieben wird "The Tent" vom Kreisjugendring, dessen Mitarbeiter sich nun um die Flüchtlinge kümmern. Helfer von Bayerischem Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst breitete sich in der Nacht darauf vor, die neu ankommenden Flüchtlinge medizinisch zu untersuchen und mit Essen zu versorgen.

Zeltstadt als neue Notunterkunft

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In der Nacht zuvor, von Donnerstag auf Freitag, hatte die Regierung ins Kapuzinerhölzl nördlich des Botanischen Gartens die ersten 120 Asylsuchenden aus der völlig überfüllten Erstaufnahmezentrale in der Bayernkaserne bringen lassen. Zuvor hatten Dutzende Flüchtlinge gegen die für sie kaum erträgliche Situation in der Kaserne protestiert und die Heidemannstraße besetzt.

Um ein Uhr nachts am Freitag bezogen die ersten Asylsuchenden im Kapuzinerhölzl zwei Zelte, etwa 600 und 150 Quadratmeter groß, in denen in der warmen Jahreszeit junge Touristen kostengünstig übernachten. Eigentlich sollte "The Tent", wie jedes Jahr, unmittelbar nach Ende des Oktoberfestes abgebaut werden. Die Stadt aber bot es der Regierung als "Not-Not-Not-Kapazität" für neu angekommene Asylsuchende an, wie es ein Sprecher formulierte.

Die Erstaufnahmeeinrichtung ist hoffnungslos überfüllt

In der gesamten Erstaufnahmeeinrichtung mit ihren diversen Dependancen in halb Oberbayern waren am Wochenende mehr als 4000 Menschen einquartiert. In der Bayernkaserne in München-Freimann leben zur Zeit mehr als 2300 Flüchtlinge, Hunderte von ihnen in alten Garagen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zeigte sich am Freitag bei einem Besuch des ehemaligen Militärareals und angesichts der Verzweiflung vieler Flüchtlinge sehr verärgert über die Unterbringungspolitik der bayerischen Staatsregierung. In einem Brief forderte er Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) auf, endlich seiner Verpflichtung nahzukommen, und für eine geordnete und menschenwürdige Unterbringung zu sorgen. Es dürften nicht ständig neue Notlösungen für begrenzte Zeit geschaffen werden, Seehofer müsse einen bayernweiter Krisenstab einrichten.

Regierungsvizepräsidentin Maria Els hatte am Freitag angekündigt, das Zeltlager im Kapuzinerhölzl nur für wenige Tage nutzen zu wollen. Der KJR bereitet sich auf einen endgültigen Abbau am kommenden Donnerstag vor. Insider halten diese Planung aber für zumindest fraglich: Zu viele Flüchtlinge erreichen jeden Tag Oberbayern, an manchen Tagen sind es 300 oder noch mehr.

Weil die Zelte im Kapuzinerhölzl auch voll belegt sind, schickt die Regierung neu ankommende Flüchtlinge nun in ein Altenheim des Bayerischen Roten Kreuzes im Kieferngarten, in der Nachbarschaft der Bayernkaserne. Dort schlafen die Asylsuchenden, wie schon einmal vor Wochen, im Konzert- und Theatersaal. Andere bereits bestehende Dependancen werden laut einem Sprecher der Regierung derzeit noch stärker belegt.

Linktipp:

An diesem Samstag (12 bis 18 Uhr) und Sonntag (10 bis 15 Uhr) sammelt das Münchner Forum für Islam e.V. in der Altstadt-Moschee (Hotterstraße 16) Kleidung, Babynahrung, Medikamente und Decken. Auch die Münchner Glockenbachwerkstatt unternimmt eine Hilfsaktion für Flüchtlinge (Details finden Sie hier).