"Wetten, dass..?" mit Markus Lanz Wenn nichts mehr hilft, hilft Cindy

Markus Lanz dankt Ilke Bessin: Dank Cindy aus Marzahn wirkt der "Wetten, dass..?"-Moderator etwas entspannter.

(Foto: dpa)

In seiner vierten "Wetten, dass..?"-Show hangelt sich Markus Lanz immer noch angestrengt von Wette zu Wette und von Gast zu Gast. Trotzdem wirkt er lockerer - was wohl an Cindy aus Marzahn liegt.

Eine TV-Kritik von Carolin Gasteiger

Eines vorweg: Die vierte "Wetten, dass..?"-Sendung mit Markus Lanz ist eine einzige Sensation. Zumindest, wenn es nach dem Gastgeber geht. Wette gewonnen? "Sensation!" Denzel Washington verteilt in einem Offenburger Kino Brezen, obwohl er seine Wette gewonnen hat? "Sensation." Matthias Schweighöfer zeigt in jedem seiner Filme seinen Allerwertesten? "Sensation." Der Ausdruck ist über zweieinhalb Stunden hinweg der Standardkommentar des Moderators.

Dabei wäre der Begriff höchstens für die Auftritte von Ilka Bessin, besser bekannt als Cindy aus Marzahn, gerechtfertigt. Jedenfalls sind es die Momente mit Cindy, die Schwung in die Show bringen. Als sie mit US-Star Washington scherzt, ihn vor lauter Begeisterung gar nicht mehr loslassen will, taut der Schauspieler zum ersten Mal auf und lacht herzlich. Wenn Schweighöfer sich ob Cindys rotzfrecher Art auf der Couch kaum mehr einkriegt und immer wieder losprusten muss. Auch Lanz scheint sich über seine neue Assistentin aufrichtig zu freuen.

Immerhin haben Moderator und ZDF rechtzeitig begriffen, dass sie auf die Dienste von Cindy künftig besser nicht verzichten sollten. "Bevor Hollywood Dich mir vor der Nase wegschnappt, mach ich's lieber selber", sagt Lanz. Cindy tut Lanz gut. Er wirkt gelassener als in den vorangegangenen Sendungen.

Doch auch Cindy kann nicht verhindern, dass sich Lanz weiter recht umständlich durch die Sendung hangelt: Beim Couchtalk will dem Südtiroler das lockere Plaudern einfach nicht gelingen (Einstiegsfrage: "Was habt Ihr zu Weihnachten bekommen?", gähn), die Spannung bei den Wetten unterbricht er durch unnötige Kommentare (ob der letzte Kandidat vielleicht sogar gewonnen hätte, wären Lanz und Wettpate Ralf Schmitz still gewesen?). Zuweilen scheint es sogar, als wolle Lanz die Stimmung durch übertrieben lautes Lachen über nicht witzige Aussagen auflockern und die Couch so zum Mitlachen animieren.

Auf dieser saßen in Offenburg neben Schweighöfer und Washington die Schauspielerin Christiane Hörbiger, Comedian Ralf Schmitz, Ex-Biathletin Magdalena Neuner und Diskus-Olympiasieger Robert Hartung als Sportler des Jahres (ach, deswegen waren sie da). Anfangs noch eher steif und befangen, lockert sich die Stimmung aber auf. Als Wettkandidat Steve Brauer seine Wette, Massageöle an der Konsistenz zu erkennen, auf ebenso überzeugte wie peinliche Art kommentiert, hört man Schmitz noch sekundenlang im Hintergrund kichern. Lanz' Ausspruch "Wer viel zu sagen hat, muss schneller sprechen" sollte sich bei Schmitz' Redefluss bewahrheiten.

Auffallend sympathisch erscheint Denzel Washington. Er bleibt die ganze Sendung und lässt die Hoffnung aufkommen, dass Hollywood sich mit "Wetten, dass..?" versöhnt. Mit Ralf Schmitz tauscht er Weihnachtsgeschenke, Anglerhose gegen Lesebrille. Dann fiebert er mit seinem Wettpatenkind mit, der den Inhalt von Flaschen durch sein absolutes Gehör erkennt und nur verdient Wettkönig wird. Und schließlich kredenzt Washington nach seiner Rückkehr aus dem Kino so selbstverständlich auf der Bühne Popcorn, als hätte er nie etwas anderes getan.

Von dieser Lässigkeit ist Lanz noch weit entfernt. Erst als er am Ende mit Ralf Schmitz zu Schwanensee tanzt und den Comedian zum Spagat animiert, wirkt er gelöst, fast erleichtert. Vielleicht ist er einfach nur froh, dass er eine weitere Ausgabe "Wetten, dass..?" heil überstanden hat. Auch dank seiner neuen Assistentin.

Wenn er künftig nicht entspannter wird, wäre ein Rollentausch vielleicht besser. Lanz als Assistent von Cindy aus Marzahn. Das wäre eine Sensation.