Anne Will über die Steueroase Luxemburg "Wir haben keinen Platz für Häuser, nur für Briefkästen"

Jean Asselborn (Mitte), Außenminister von Luxemburg, wehrt sich bei Anne Will gegen Kritik an der Steueroase Luxemburg

(Foto: NDR/Wolfgang Borrs)

Bei Anne Will wehrt sich Luxemburgs Außenminister Asselborn gegen die Kritik. Er versucht mit Humor zu erklären, warum das Großherzogtum keine Steueroase sei.

Von Christoph Giesen

Seit zehn Jahren ist er nun der Außenminister, doch im Fernsehen war er noch nicht oft, zu groß war der Schatten seines langjährigen Premierministers Jean-Claude Juncker. Inzwischen ist Juncker Präsident der Europäischen Kommission, und Luxemburg hat ein neues Gesicht: Jean Asselborn, ein Mann mit Schnurrbart, der sein Land jovial verteidigt.

Seit einer Woche steht das kleine Land in der Mitte Europas mächtig unter Druck. Medien aus der ganzen Welt, darunter auch die Süddeutsche Zeitung, haben Dokumente der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) ausgewertet. Aus den Akten geht so detailliert wie noch nie hervor, wie Hunderte Konzerne in Luxemburg Steuern sparen. Amazon, Ikea, Pepsi, Eon oder die Deutsche Bank, sie alle nutzen das Großherzogtum als Drehscheibe für ihre Geschäfte. Mal wird über intern verrechnete Lizenzgebühren die Steuerlast gesenkt, mal werden mit aufwendigen Zinskonstruktionen Gewinne verschoben.

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Hauptdarsteller bei Anne Will ist Asselborn

Am Mittwoch stellte sich Kommissionspräsident Juncker nach Tagen des Schweigens zum ersten Mal der Presse, danach wurde er im Europäischen Parlament von den Abgeordneten befragt. Am Abend dann ist Asselborn dran. Im deutschen Fernsehen bei Anne Will. Die Redaktion hatte viele der Konzerne angefragt, alle sagten sie ab. Am Ende sitzen neben Asselborn noch Sahra Wagenknecht von der Linkspartei, der Wirtschaftswissenschaftler Michael Hüther und der Journalist Christoph Lütgert. Er hat für die NDR-Sendung Panorama einen Film über Luxemburg gedreht.

Doch der Hauptdarsteller, das ist Außenminister Asselborn. "Ich bin der einzige der Firmen, die gekommen ist", kokettiert er und fügt ernst hinzu: "Der Ruf Luxemburgs wurde durch diese Attacke schwer geschädigt."

Und um diesen Ruf wenigstens ein bisschen zu verbessern, dazu ist Asselborn hier. Immer wieder versucht er es mit Witz: "Wir haben keinen Platz für Häuser, nur für Briefkästen", scherzt er. Doch neben den Kalauern hat Asselborn auch eine echte Botschaft mitgebracht, die er vermitteln möchte und immer wieder einstreut: Luxemburg sei winzig und könne die Situation ohnehin nicht alleine ändern. Immerhin, sagt er, dass etwas passieren müsse, und damit zeigt sich Asselborn offener als sein Kabinettskollege, Finanzminister Pierre Gramegna. Im SZ-Interview hatte der noch betont: "Wir werden jetzt nichts ändern."

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So verschlossen ist Asselborn nicht, ihm ist allerdings wichtig zu betonen, dass auch andere Staaten in Europa im Steuerwettbewerb mitmischen: die Briten, die Niederländer und auch die Belgier. "Die reichen Franzosen leben in Belgien, doch nicht weil sie das Manneken Pis so sehr mögen oder die Pommes frites", sagt er. Zweifelsohne ein Punkt, an dem Asselborn nicht unrecht hat. Doch gegen eine Verniedlichung Luxemburgs sprechen die Zahlen. Das Land ist zwar ziemlich exakt so klein wie das Saarland, doch als Finanzstandort ist Luxemburg eine Wucht. Etwa 3000 Milliarden Euro an Vermögen werden von dort aus gesteuert, nur in den USA wird mehr Kapital verwaltet.