Parallel zur zunehmenden Freiheit der Wahl sind aber auch unsere Ansprüche gestiegen. Und auch hier reagieren die Gefühle dem ersten Anschein nach paradox. Beispielsweise stellten Wissenschaftler an der Universität von Virginia in Charlottsville vor ein paar Jahren fest, dass sich Frauen, die feministische Ideale haben, mit dem Glücklichsein in der Ehe schwerer tun als verheiratete traditionellere Frauen. Nicht, weil die Ehen an sich schlechter laufen würden. Sondern weil diese Frauen mehr Ansprüche haben, weil sie viel mehr in Frage stellen (auch sich selbst) und weil sie jeden Rückschlag genau registrieren, den traditionell eingestellte Ehefrauen gar nicht bemerken würden, die an ihrer Rolle an sich nichts auszusetzen haben.

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Frauen aus der feministischen Generation sind also vielleicht auch deshalb unglücklicher, weil sie anspruchsvoller geworden sind und weil sie zwischen mehr Möglichkeiten wählen können.

Das ist an sich keinesfalls negativ, es bedeutet nur, dass Freiheit und Glück einander nicht bedingen - und dass ein Recht auf Glück selbst in der besten feministischen Utopie nicht garantiert ist. Aber keinesfalls heißt es, dass man die Zeit zurückdrehen sollte in die ach so zufriedenen fünfziger Jahre (mitsamt der verbreiteten Valiumabhängigkeit unter Frauen) - nur wenige unter ihnen wollten heute allein diese Rolle ausfüllen. Es heißt auch nicht, dass es den täglichen Balanceakt nicht mehr gibt oder die versteckten Diskriminierungen, den schwierigen Wiedereinstieg nach der Babypause oder die oft harte Entscheidung gegen oder für Kinder.

Frauen scheitern immer noch zu oft an Strukturen, die immer noch zu sehr an männlichen Bedürfnissen orientiert sind. Und Frauen sind, das weiß man, härter gegen sich selbst, zweifeln eher an sich - und könnten damit die Abwärtsspirale noch einmal beschleunigen. Die wachsende Zufriedenheit von Männern ist dagegen relativ einfach zu definieren; sie hat vor allem mit wachsendem Wohlstand zu tun. Ihr Rollenverständnis hat sich im Lauf der Geschlechterdiskussion zwar ein wenig geändert - aber es ist bei weitem nicht so erschüttert wie das der Frauen.

"Was um Himmels willen ist da los?", fragte zuletzt auch Arianna Huffington, Gründerin der einflussreichen Internet-Zeitung Huffington Post. Aber sie befasste sich nicht mit Ursachenforschung, sondern packte das Problem pragmatisch von der anderen Seite und beauftragte einen bekannten Motivationstrainer und Coach, verzweifelten Frauen ein paar Tipps zu geben, wie sie sich aus dieser Misere befreien könnten. Konzentriert euch auf positive Momente, nicht auf Pläne oder Träume, empfahl er, akzeptiert, was ihr findet, ohne zu resignieren, und hört auf, ständig den Ausgleich zu suchen.

Vielleicht wird der Anspruch auf Glück schlicht überbewertet. Vielleicht genügt es, einen Sinn zu finden. Jahrhundertelang war Unglücklichsein der Normalzustand. "Glück", meinte der amerikanische Schriftsteller William S. Burroughs, "ist ein Abfallprodukt von Zweck, Sinn und Konflikt; diejenigen, die Glück wegen seiner selbst suchen, suchen einen Sieg ohne Krieg."

Er war allerdings ein Mann.

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(SZ vom 10.10.2009/bre)