Dortmund-Trainer Klopp im Hörsaal Kabarettist im Kapuzenpulli

Unterhaltsame Mischung aus Fachvortrag und Motivationskurs: Meister-Trainer Jürgen Klopp erklärt Studierenden der Sporthochschule Köln, wie er Dortmund zum Erfolg gebracht hat - und warum der 1. FC Köln nur hinterherrennt.

Von Ulrich Hartmann, Köln

Der Mann, der da mit dem Siegerlächeln eines wiedergewählten Kanzlers den überfüllten Hörsaal betritt und den Jubel der Studierenden gestenreich aufsaugt, hat einige seiner schwersten Niederlagen an einer Universität erlebt. "Da kommen Erinnerungen hoch", sagt Jürgen Klopp und grinst sein breitestes Grinsen.

Als Christoph Daum hier sprach, war der Eintritt frei. Für Jürgen Klopp zahlen die Zuhörer zwei Euro.

(Foto: dpa)

Klopp ist Trainer des deutschen Fußball-Meisters Borussia Dortmund und sagt gerne offen, dass das Schicksal es bisher gut mit ihm meint. "Hier steht die fleischgewordene Zuversicht", ruft er den Studierenden der Sporthochschule Köln zu und eröffnet einen Gastvortrag, der sich zu einer Mixtur aus Motivationskurs und dem angekündigten Fachreferat über Trainingslehre entwickelt.

Klopp hat in Frankfurt einst selbst Sport studiert. Dort, erzählt er, sei er nach manchem Referat übel zerrissen worden und peinlicherweise als einziger durch die Gymnastikprüfung gefallen. Das Thema seiner Diplomarbeit im Jahr 1995: "Walking - Bestandsaufnahme und Evaluationsstudie einer Sportart für alle".

Aus dem einstigen Studenten Klopp ist längst ein erfolgreicher Dozent geworden. "Man könnte ihn von jetzt auf gleich in einen Raum mit 500 Leuten stecken, und er würde alle bestens unterhalten", hat sein früherer Spieler Nuri Sahin einmal über Klopp gesagt. Das stimmt, wie der Gastvortrag in Köln zeigt. Klopp, 45, plaudert im gelben Kapuzenpulli ohne Konzept und Stichwortkarten, streut Pointen und Running Gags ein, wechselt zwischen Ernsthaftigkeit und Albernheit.

Der gebürtige Stuttgarter, der früher Filmspulen fürs Kino geschleppt und andere Nebenjobs übernommen hat, doziert auf Einladung des "Instituts für Kognitions- und Sportspielforschung", aber die Nüchternheit des Anlasses und des Hörsaals hindern ihn nicht daran, sein Talent als Entertainer extrovertiert auszuleben.

Klopp genießt das genauso wie das Publikum. 500 Studierende sitzen für zwei Euro Eintritt im großen Hörsaal, 200 weitere für einen Euro in den benachbarten kleineren Hörsälen, in die das Programm übertragen wird. Einige Zuhörer haben sich ein Dortmund-Trikot angezogen, einer streckt eine Meisterschale aus Pappe in die Höhe. Als Christoph Daum oder Thomas Tuchel an selber Stelle sprachen, war der Eintritt frei. Klopp kostet, denn er ist unterhaltsamer als mancher Kabarettist. "Wer ist heute wirklich wegen der Themen gekommen?", fragt Klopp gleich am Anfang. Vereinzelte Studierende melden sich. "Ihr könnt gehen!", blafft Klopp. Der Hörsaal brüllt. So geht das fast zwei Stunden.