Kratzers WortschatzZwiefe aufm Braten, Gas im Bauch

In den Raunächten, die am Thomastag begonnen haben, spielte auch die Zwiebel - oder bairisch Zwiefe - eine wichtige Rolle.

Zwiefe

Am Thomastag (21. Dezember) haben die zwölf Raunächte begonnen, in denen früher keiner freiwillig das Haus verlassen hätte. Die Menschen hatten einen Heidenrespekt vor der sogenannten wilden Jagd, also vor den Unholden und Dämonen, die in diesen Nächten der Sage nach ihr Unwesen treiben. Manche Raunacht galt als Losnacht, das heißt, man bildete sich ein, einen Blick in die Zukunft werfen zu können. In der Thomasnacht wollten Neugierige sogar erfahren, wen sie heiraten werden oder wer als nächstes sterben muss. Der Aberglaube war übermächtig.

Auch die Zwiebel spielte dabei eine Rolle. In Altbayern heißt die Pflanze Zwiefe (Plural: d'Zwiefen). Abgeleitet ist das Wort vom althochdeutschen zwibolla (bolla = Geschwollenes). Der Lautwandel von b zu f ist nicht ungewöhnlich. In Ilmbergers Fibel war vor Jahrzehnten nachzulesen, "zwölf Zwiefeschoin" (Zwiebelschalen) in den Raunächten nebeneinander gelegt, zeigten an, ob das Wetter in den nächsten Monaten feucht oder trocken wird. Im Übrigen gilt die Zwiebel (der Zwiefe) als Heilmittel, auch wenn sie nicht jeder gut verdauen kann. Es kommt zu verstärkter Gasentwicklung, wie es die Apotheken-Umschau formulierte. Trotzdem wird der Zwiebelrostbraten gerne gegessen. Neulich fragte in einer niederbayerischen Wirtschaft eine Bedienung einen vor seinem Braten sitzenden Gast dialektal versiert: "Ja Sepp, hams dir koan Zwiefe ned auffedo, mogst no oan omad?"

Bild: Robert Haas 27. Dezember 2017, 08:352017-12-27 08:35:58 © SZ vom 23.05.2017/vewo/bhi/axi/imei