Historische Kriminalfälle Alles spricht für Mord

Die Hinrichtung des Bayerischen Hiasls im Jahr 1776.

(Foto: Süddeutsche Zeitung Photo)

Um den Tod von König Ludwig II. ranken sich viele Verschwörungstheorien. Aber in Bayern gab es noch ganz andere spektakuläre Kriminalfälle.

Von Hans Kratzer

Der am Abend des 13. Juni 1886 im Starnberger See erfolgte Tod des Königs Ludwig II. war Jahrzehnte lang Gegenstand unzähliger Untersuchungen. Dennoch gilt dieser Exitus als eines der großen Rätsel der bayerischen Kriminalgeschichte. Leider sind die Hintergründe nie befriedigend aufgeklärt worden. Da aber alle verfügbaren Akten und Berichte ausgewertet sind, wird dieser Todesfall wohl noch lange mysteriös bleiben, zumindest für Kreise, die Verschwörungstheorien pflegen.

Offiziell heißt es, der König sei in suizidaler Absicht ertrunken. Bis heute kursieren aber Gerüchte, er sei ermordet worden. Franz Herzog von Bayern, der Chef des Hauses Wittelsbach, sagt, er habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass Ludwig II. getötet worden sei. Dass sich im Archiv des Hauses Wittelsbach Akten befänden, die den Mord belegten, sei eine Legende.

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Tatsächlich war schon einen Tag nach Ludwigs Tod von Mord die Rede. Ein Fischer namens Lidl dient als Hauptzeuge der Mordtheoretiker, er soll das Geschehen beobachtet haben. Allerdings ist das Heft mit den Aufzeichnungen des Augenzeugen Lidl verschollen. Trotzdem hält der Autor Manfred Böckl in seinem neuen Buch an der Mord-Theorie fest. Seiner Meinung nach deutet vieles auf ein vertuschtes Kapitalverbrechen hin, in das höchste Regierungskreise verwickelt waren.

Neben Lidl beruft sich Böckl etwa auf den Arzt Rudolf Magg, der den Leichnam des Königs untersucht hatte. Auf dem Sterbebett soll er seiner Tochter anvertraut haben, Ludwig II. sei durch Mörderhand ums Leben gekommen. Auch Indizien wie die etwas obskur verlaufene Obduktion des Leichnams verleiten Böckl zur gewagten These, eine bayerische Ministeroligarchie habe den König auf dem Gewissen.

Manfred Böckl hat in den vergangenen Jahrzehnten eine lange Reihe von Romanen zur bayerischen Geschichte geschrieben. Außerdem hat er zahlreiche Sachbücher verfasst. Die Gesamtauflage von Böckls Werk beläuft sich auf eine Million Exemplare. Das populärwissenschaftliche Handwerk mit einem Hang zu zugespitzten Thesen beherrscht der gebürtige Niederbayer durchaus. Auf dieser Basis schildert Böckl seine Gedanken über den Tod Ludwigs II. in seinem neuen Werk, in dem er sich "die spektakulärsten Kriminalfälle aus dem historischen Bayern" vorknöpft. Er greift dabei zwölf Delikte vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert heraus.

Die Auswahl wirkt etwas langweilig, da die Fälle allesamt bekannt und in der Literatur umfassend dargestellt sind. Freilich ist keine dieser Taten letztgültig ausgeleuchtet, es gibt allerhand Variationen in der Interpretation der Hergänge und der Hintergründe. Dazu kommt, dass sich Böckl noch nie gescheut hat, historische Phänomene gegen den Strom zu bewerten. Er pflegt das nicht nur im Falle Ludwigs II. mit großer Leidenschaft. Böckls Buch untermauert zunächst einmal, dass die bayerische Geschichte reich an außergewöhnlichen Kriminalfällen und Kapitalverbrechen ist, welche die Plots moderner Krimis meistens weit in den Schatten stellen. Die populären Ereignisse, auf die sich Böckl konzentriert, bilden aber nur die Spitze eines Eisbergs.