Denkmalschutz Die Götter kommen ins Depot

Augustusbrunnen Augsburg Augustusbrunnen in Augsburg m 17.07.2014 mit Flußgöttern. Foto: Stefan Puchner

(Foto: Stefan Puchner)

Die Feierlichkeiten nach dem WM-Sieg haben dem Augustusbrunnen in Augsburg schwer zugesetzt. Jetzt werden die Renaissancefiguren durch Kopien ersetzt.

Von Hans Kratzer

Am Abend des 13. Juli 2014 hat sich die Fußballnation Deutschland einem nationalen Taumel hingegeben. Der Triumph im WM-Finale zog allerdings auch ärgerliche Folgen nach sich, was jedoch kaum bemerkt wurde.

Zum Beispiel kletterten siegestrunkene Fans in jener Sommernacht grölend auf die großen Augsburger Prachtbrunnen, die nach den antiken Helden Herkules, Merkur und Augustus benannt sind. Die schweren Tritte der "Besatzer" haben vor allem dem 400 Jahre alten Augustusbrunnen auf dem Rathausplatz erheblich zugesetzt, ja sie haben den betagten Bronzefiguren sogar den letzten Rest gegeben.

Nun dürfen sich die mannshohen Statuen in einem Depot des Maximilianmuseums zur Ruhe setzen. Vorher aber werden sie noch in einem aufwendigen Verfahren in den Werkstätten des Landesamts für Denkmalpflege kopiert, damit die Augsburger Brunnenherrlichkeiten für viele weitere Jahrhunderte fortleben können, - sofern sie in der nahen Zukunft nicht noch mehr Weltmeisterschaftsfeiern erdulden müssen.

Das andere Land

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Dabei ist der Ruhm des Fußballs lediglich flüchtig. Der Glanz der Augsburger Renaissance-Brunnen aber war ursprünglich für die Ewigkeit geschaffen. "Das sind Höhepunkte des Kunstschaffens der Renaissance", sagt die Restauratorin Kerstin Brendel, die sich im Denkmalamt in München mit der Sanierung von Metallobjekten beschäftigt. Die dortige Werkstatt wurde 1992 eingerichtet. Die Putten der Münchner Mariensäule waren die ersten Patienten, die hier behandelt wurden.

Der Bronzefraß verschonte auch nicht die Figur des Marc Aurel

Der 1593 eingeweihte Augustusbrunnen ist ein Meisterwerk des aus Amsterdam stammenden Bildhauers Hubert Gerhard, der sein Können vermutlich in Italien vervollkommnet hat. Florenz und Venedig waren seinerzeit Hochburgen der Bronzegießerei, die schon in der Antike eine großartige Blüte erlebt hatte. Im Reiterstandbild des Marc Aurel in Rom kommt diese Meisterschaft überragend zum Ausdruck.

Aber so wenig der Bronzefraß die Figur des Marc Aurel verschonte, so wenig tut er es mit den Augsburger Brunnenfiguren. Nicht nur wegen der Fußballfans wurde es höchste Zeit zu handeln. "Korrosionsvorgänge auf Bronze sind sehr kompliziert", weiß Kerstin Brendel, die dieses Phänomen zusammen mit ihren Kollegen im Labor erforscht.

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Die Augustusfigur jedenfalls muss im frischen Zustand einen enormen Glanz ausgestrahlt haben. "Zwei Goldschmiede haben sie ein Jahr lang ziseliert", sagt Brendel. Aber gegen Staub, Hausbrand und sauren Regen ist auf Dauer kein Kraut gewachsen, irgendwann wird das Metall salzig und die Oberfläche grün, ein untrügliches Zeichen für Korrosion.