Denkmalschutz Klare Grenzen

Die Alte Akademie befindet sich rein kommerziell gesehen in Bestlage an der Fußgängerzone.

(Foto: Robert Haas)

In den Umbau der Alten Akademie kommt Bewegung - mit einem Wettbewerb

Von Alfred Dürr

Knapp zwei Jahre nachdem der österreichische Investor René Benko mit seiner Unternehmensgruppe Signa die geschichtsträchtige Alte Akademie im Zentrum der Innenstadt-Fußgängerzone erworben hat, kommt Bewegung in das geplante Umbauprojekt. Nach schwierigen Verhandlungen zwischen Stadt, bayerischem Landesamt für Denkmalpflege und Signa hat man sich geeinigt, einen Architektenwettbewerb auszuloben. Der Stadtrat soll Mitte November einen entsprechenden Beschluss fassen. Stadt und Landesamt bestehen darauf, dass die wesentlichen Denkmaleigenschaften des Komplexes nicht zerstört werden dürfen.

Das Büro des bekannten englischen Architekten David Chipperfield, das sich mit Museumsbauten und anderen Projekten einen Namengemacht hat, erstellte im Auftrag des Investors eine Studie zur Modernisierung der Alten Akademie. Diese zeigt, so heißt es im städtischen Planungsreferat, dass gute Konzepte möglich seien. Doch beim Eingriff in die bauliche Substanz, die bei einem Projekt dieser Größenordnung bis zum teilweisen Abriss und Neubau reichen kann, setzt die Stadt klare Grenzen.

So muss zum Beispiel der Trakt mit dem typischen Arkadengang, in dem früher das Bekleidungshaus Hettlage war, als bedeutendes Zeugnis der Wiederaufbau-Architektur nach dem Krieg erhalten bleiben. Der Architekt Josef Wiedemann hatte den schlichten, fünfgeschossigen Stahlbeton-Skelettbau in den Jahren 1953 bis 1955 errichtet. Im Innern sollen aber Veränderungen möglich sein.

Unantastbar sind aus denkmalpflegerischer Sicht alle Fassaden entlang der Neuhauser Straße. Die besonderen Dachformen und die Struktur der Höfe sei zwingend zu erhalten, heißt es. Wichtig sind demnach auch die Eingangshalle, die Treppenhäuser und die Räumlichkeiten der ehemaligen Kantine. Flure und Dienstzimmer hingegen seien weniger spektakulär. Der Umbau zu Wohnungen ist möglich, allerdings nur, wenn damit keine Balkone zu den Innenhöfen verbunden sind. Darauf lässt sich der Investor wohl ein. Zumal statt der Balkone nun Loggien geplant werden sollen.

Die Alte Akademie zählt zu den interessantesten Immobilien in der Innenstadt. Rein kommerziell betrachtet geht es um die beste Lage an der Fußgängerzone. Der Komplex soll nach einhelliger Vorstellung im Stadtrat aber mehr sein als ein Konsumtempel. Die Anlage zählt zu den baukünstlerischen und typologischen Schlüsselwerken des späten 16. Jahrhunderts nördlich der Alpen. Von hier gingen die entscheidenden Impulse der Gegenreformation aus. Die Universität hatte an diesem Ort ihren Hauptsitz. Die Staatsbibliothek war im Gebäude untergebracht und mehr als 160 Jahre lang auch die Bayerische Akademie der Wissenschaften. Nach dem Krieg kamen die Büros des Statistische Landesamts in die Alte Akademie.

Nachdem klar war, dass die Behörde auszieht, brachte das bayerische Finanzministerium die Immobilie auf den Markt. Den rückwärtigen Bereich, in dem die Landesbodenkreditanstalt war, kaufte die katholische Kirche. Sie richtet dort ihre Verwaltungszentrale her. Benko erstand 2013 den vorderen Teil. Dem Vernehmen nach für 240 Millionen Euro.