Regensburg Wie ein Verein sich den Deutschen Denkmalschutzpreis verdient hat

Die Altstadt von Regensburg mit dem Dom St. Peter spiegelt sich neben der Steinernen Brücke in einer Pfütze. (Archivbild)

(Foto: picture alliance / dpa)

Peter Morsbach ist der Vorsitzende der Altstadtfreunde. Ihm fällt einiges ein, was noch zu verbessern wäre.

Von Andreas Glas, Regensburg

Peter Morsbach nimmt heute den Hintereingang in die Altstadt. Er öffnet eine Metalltür, steigt die steinernen Stufen hinunter in den Villapark und sagt: "Das ist das Regensburg, wie man es sonst nicht sieht." Er steht auf einem Teppich aus rotem und gelbem Laub und schaut auf die Königliche Villa, die mit ihren neugotischen Zinnengiebeln tatsächlich aussieht, als trage sie eine Krone.

Ihren Namen verdankt die Villa Maximilian II. von Bayern, der das Gebäude Mitte des 19. Jahrhunderts als Sommerresidenz bauen ließ, "sozusagen als Absteige", sagt Peter Morsbach, und irgendwie passt das Wort Absteige ganz gut. Weil das Wort ungefähr so lieblos klingt, wie die Stadt den Villapark jahrzehntelang behandelt hat. "Das hat sich geändert", sagt Morsbach, "und das ist auch ein Verdienst der Altstadtfreunde."

Es ist Freitagfrüh, es hängt mal wieder Nebel über Regensburgs Altstadt, aber trübsinnig ist Peter Morsbach, 59, deswegen nicht. Am vergangenen Sonntag haben Morsbach und sein Verein die höchste Auszeichnung bekommen, die sie in Deutschland kriegen können: den Deutschen Preis für Denkmalschutz. "So etwas wie der deutsche Nobelpreis der Denkmalpflege", sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bei der Preisverleihung.

Der Alte Kornmarkt gehört zu seinen Lieblingsplätzen

Überrascht sei er gewesen, als er von der Auszeichnung erfahren habe, sagt Morsbach, der seit zehn Jahren Vorsitzender der Regensburger Altstadtfreunde ist. Der Preis, sagt Morsbach, helfe den Altstadtfreunden, um von den Stadträten noch ernster genommen zu werden - und der Preis ist ein guter Anlass, um sich von Morsbach seine Lieblingsplätze in der Altstadt zeigen zu lassen. Orte, die im Gegensatz zu Dom und Steinerner Brücke zu wenig Aufmerksamkeit bekommen.

Einer dieser Plätze ist eben der Villapark am östlichen Rand der Altstadt. Und würde es die Altstadtfreunde nicht geben, vielleicht gäbe es auch den Park so nicht mehr. Peter Morsbach, blauer Schal, randlose Brille, steht jetzt vor dem Eingang zur Villa, zeigt auf die Gartenanlage und sagt: "Hier müssen Sie sich eine vierspurige Straße vorstellen."

Er meint die Straße, die der Stadtrat in den Sechzigerjahren ernsthaft diskutiert hat, die quer durch die Altstadt geführt hätte - und von den Altstadtfreunden erfolgreich bekämpft wurde. Inzwischen hat die Stadt den Park zwischen Ostengasse und Donauufer hergerichtet, hat die Mauern der Villa und den Stadtgraben saniert, sodass die Touristenführer die Kreuzfahrturlauber neuerdings direkt aus den Schiffen in den Park lotsen. Ein schöneres Eintrittstor in die Stadt könne es nicht geben, findet Altstadtfreund Morsbach.

Seit bald 50 Jahren gibt es den Verein, er ist "die vielleicht älteste noch bestehende Bürgerinitiative Deutschlands", sagt Morsbach, der sich auch nach Jahrzehnten noch leidenschaftlich ärgern kann. Zum Beispiel über die östliche Donaulände, die man besonders gut vom Nordbalkon der Villa überblicken kann. Dort haben im vergangenen Jahr 1044 Kreuzfahrtschiffe angelegt, auch an diesem Freitagmorgen liegen die langen, flachen Kasten am Ufer, sie tragen Namen wie River Ambassador oder Viking Jarl.