Autodesign Fahr zur Hölle

Krzysztof Szews aus dem Mini-Design-Team beim Entwurf des Crossover-Modells Paceman.

(Foto: Enes Kucevic; BMW Group)

Vom Objekt der Begierde zur hässlichen Blechkiste: Die Krise des Autos ist auch die seiner Ästhetik. An den Designern liegt das nicht, aber an ganz vielen anderen Dingen.

Von Gerhard Matzig

Wir wollten ja eigentlich mehr Kurven bauen", erinnert sich Wolf Prix, "damit die Rampe in der Münchner BMW-Welt dynamischer wird. Aber die Manager hatten Angst."

"Angst?"

"Vor Unfällen. Bei BMW dachte man, wenn die Kunden, die in München ihr Auto abholen, nach der ganzen Show drumherum endlich den Zündschlüssel in die Hand kriegen, dann sind die dermaßen aufgewühlt, dass sie nicht mehr geradeaus fahren können. Zu schweigen von Kurven."

Die Show also.

Prix lacht am Telefon. Er ist Chef des weltweit erfolgreichen Architekturbüros Coop Himmelb(l)au. Die Himmelblauen haben vor sieben Jahren die spektakuläre BMW-Welt erbaut. 70 000 Quadratmeter voller Restaurants, Museum, Technologiepark - und Autoübergabestation samt Und-hier-nun-Ihr-Schlüssel-Show. Das Ensemble im Münchner Norden besteht aus Stahl, Glas und jenem veloziferischen Traum, der das 20. Jahrhundert illuminiert. Ein Leuchten ist das, als stamme es von gigantischen Xenonscheinwerfern.

Audi sucht nach seiner Form

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Die Liebe zum Auto ist erkaltet

Beziehungsweise: Ein Leuchten war es. Denn der Traum handelt vom Auto als Kulturträger und Objekt der Begierde. Das ist vorbei. Die BMW-Welt wollte ein, vielleicht sogar der letzte Tempel dieser Liebe zum Automobil sein. Er wurde allerdings erbaut, bevor die Liebe dann auch schon wieder am Erkalten war nach einem Jahrhundert der Raserei, der Sehnsucht nach dem Horizont, der Freude am großen Unterwegssein auf Straßen, die aus dem immobilisierten Gefangensein in Vorort-Doppelhaushälften ein aufregendes Roadmovie machen können. Theoretisch.

Es ist der alte, aber erst in der Moderne kraft ihrer individualisierten Mobilitätsversprechen greifbar gewordene Traum von Freiheit. Zugleich ist dies der Motor nicht nur einer ganzen Industrie, sondern insbesondere auch der von Deutschland. Doch dann brachen die Umsätze ein, europaweit. Im August vor einem Jahr ging die Zahl der Verkäufe auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor einem Vierteljahrhundert zurück.

Fahrend auf der Stelle treten

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Kunstwerk Oldtimer

Auch die Autohäuser in Deutschland, die sich bald mit der Online-Konkurrenz herumschlagen müssen, verdienen möglicherweise bald mehr Geld mit Reifenwechsel und Luftfilteraustausch als mit dem Verkauf der durch allerlei Rabattaktionen künstlich gepushten Neuwagen. Alte Autos dagegen, Old- wie Youngtimer, sind begehrte Sammlerstücke. Nostalgie allein kann nicht der Grund für diesen boomenden Markt sein. Alte Autos werden gesammelt und geliebt wie alte Kunst. Warum? Weil sie Kunst sind, die man lieben kann. Neue Autos dagegen . . . aber genau darum geht es ja.

Welche Bedeutung kann ein Auto haben, mit dem man unentwegt im Stau der kollabierenden Infrastruktur steht? Welches Image besitzt das Auto, dessen Fürsprecher beim ADAC zu Lügen und gefälschten Zahlen wie zu Viagra greifen müssen, um ihrer alten Liebe noch etwas erotisierende Attraktivität abzugewinnen? Was bedeutet es, wenn die Fahrschulen melden, dass sich immer weniger Menschen für den Erwerb des Führerscheins interessieren? Und wie könnte man junge Städter für ein Auto begeistern, das sie schon längst nicht mehr besitzen müssen in der Sharing-Ökonomie?