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Freiheit der Wissenschaft:Vor Mike Pence mehr Furcht als vor Trump

Biologie: Der Schöpfer ist am Werk

Es gibt seit dem Ende der Wahlnacht viele Wissenschaftler, die sich mehr vor Mike Pence fürchten als vor Donald Trump. Dazu gehören zweifellos auch Biologen. Trumps Vizepräsident ist ein radikaler Leugner der Evolution. Charles Darwins Jahrtausendwerk, ohne dessen Fundament weder die heutige Mikrobiologie noch Genetik noch Biomedizin denkbar sind, ist Pence zufolge nur eine Theorie, für die er keine Belege sieht und neben der gleichberechtigt auch der kreationistische Ansatz des "Intelligent Design" zu stehen habe. Demnach ist bei jeder Entstehung einer neuen Spezies ein Schöpfer am Werk.

Im Repräsentantenhaus hat Pence zu diesem Thema flammende Reden gehalten, als Gouverneur wollte er Intelligent Design in den Lehrplänen Indianas festschreiben. Hinzu kommt, dass Trump dem ausgeschiedenen Präsidentschafts-Mitbewerber Ben Carson eine wichtige politische Rolle zugesagt hat. Der Neurochirurg Carson ist nicht nur Kreationist, er gehört auch der Young-Earth-Bewegung an, die behauptet, die Erde sei als Ganzes vor 10 000 Jahren von Gott erschaffen worden.

Geisteswissenschaften: "Gefährlicher Cocktail"

"Der Effekt wird dramatisch sein", sagt John Krige, Wissenschaftshistoriker an der George School of Technology. "Das wird nicht heute oder morgen sichtbar sein, aber längerfristig." Natürlich wisse niemand, was genau passieren werde, aber die Republikanische Partei wolle staatliche Ausgaben reduzieren. Außerdem habe Trump die antielitäre Stimmung im Land befeuert.

"Kombinieren Sie das und geben Sie noch Fremdenfeindlichkeit hinzu und Sie haben einen gefährlichen Cocktail für die Zukunft staatlicher Forschungsförderung." Die Geisteswissenschaften könnten besonders hart getroffen werden, fürchtet Krige. "Wenn sich der Staat zurückzieht, hat nur noch Forschung eine Chance, die für die Wirtschaft interessant ist." Das sei bei Geschichts- oder Literaturwissenschaften kaum der Fall. Außerdem gelten Republikanern viele Bereiche geisteswissenschaftlicher Forschung als von linker Ideologie getrieben.

Raumfahrt: Nasa in den Tiefen des Alls

Mächtige Männer lieben große Gesten und bedeutende Vermächtnisse. Mit Neid hat wohl jeder US-Präsident seit John F. Kennedy auf dessen erfolgreiche Mondflug-Initiative geblickt. George W. Bush zum Beispiel kündigte ausgiebige Mond- und Marsflüge an. Derart ausschweifende Pläne beflügeln auch Donald Trump, der dabei eine stärkere Beteiligung privater Unternehmen wünscht.

Gleichzeitig möchte er die Nasa von der "Beschränkung befreien", sich um den erdnahen Weltraum zu kümmern. "Die Nasa soll sich primär auf Aktivitäten in den Tiefen des Alls fokussieren, statt auf erdzentrierte Aufgaben", sagte Trump im Oktober. Die Erdbeobachtung aus dem All, ein wesentlicher Pfeiler der Erforschung von Klimafragen, dem Anstieg des Meeresspiegels, der Biosphäre und der planetaren Ökologie dürfte es in den kommenden Jahren deutlich schwerer haben.

© SZ vom 17.11.2016/beu/kaik/pai/weis/zint/fehu

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