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Yahoo-Chefin Carol Bartz:"AOL kann man vernachlässigen"

SZ: Nun versucht es Yahoo alleine, ohne Suchgeschäft. Was will Yahoo sein?

Bartz: Wir sind ein digitales Medienhaus für hochwertige Inhalte. Das Netz ist nur eine Technologie, aber die Leute interessieren sich für die Inhalte, die sie dort finden: für Nachrichten, Neuigkeiten über ihre Freunde, Filme, die sie schauen. Es dreht sich immer um Inhalte, und die stellen wir bereit. Facebook ist die soziale Seite des Netzes, Google steht für die Suche - Yahoo für die Inhalte.

SZ: Sie haben den Rivalen AOL vergessen, der ja auch auf Medienhaus macht.

Bartz: Kann man vernachlässigen.

SZ: Wenn AOL und Yahoo schon eine ähnliche Strategie fahren, könnten sich beide nicht gleich zusammenschließen?

Bartz: Das müssen Sie Leute fragen, die mit solchen Ideen herumspinnen. Über so etwas spekuliere ich noch nicht mal.

SZ: Junge Leute brauchen von den drei genannten Seiten nur Facebook.

Bartz: Da ist was Wahres dran - weil die Jugendlichen keine Arbeit haben und nicht wissen müssen, was auf der Welt vor sich geht. Das ändert sich mit dem Alter. In den USA sind wir in allen Altersgruppen gut vertreten. Wir haben 630 Millionen Nutzer - immer noch mehr als Facebook.

SZ: Mark Zuckerberg, der Gründer von Facebook, ist gerade mal 26 Jahre alt, seine Kollegen von Foursquare, Groupon und bald auch Google sind in den Dreißigern. Regieren ab jetzt die Jungen das Netz?

Bartz: Unfug. In den achtziger Jahren bei Sun waren die Gründer auch Mitte 20. Das ist doch nichts Neues. Es gibt in jeder Firma einen Platz für jedes Alter.

SZ: Alle interessieren sich nur noch für die jungen Web-Firmen: Foursquare, Twitter, Groupon - die werden mit Milliarden von Dollar bewertet. Finden Sie das nicht auch etwas übertrieben?

Bartz: Mit Sicherheit befinden wir uns mitten in einer neuen Internetblase. Ich sage Ihnen: Die Welt ist ein einziger Kreislauf. Es geht immer um Physik, um Schwingungen. Man weiß nur nicht, wie hoch etwas steigt oder wie tief es fällt - und wie lange oder kurz es dauert. Dinge werden hochgekocht, sind heiß und kühlen dann wieder ab. Heiß, kalt, heiß, kalt - ein Kreis. Ich habe zu lange gelebt, um das nicht mit Sicherheit sagen zu können.

SZ: Was macht denn gerade junge Firmen so heiß?

Bartz: Die Leute interessieren sich dafür, es gibt diesen Herdendrang. Sie wollen damit Geld verdienen. Ein bisschen Gier ist wohl auch im Spiel.

SZ: Wie wollen Sie Yahoo wieder ins Gespräch bringen?

Bartz: Wir waren ja nie uninteressant. Die Frage, wer modisch ist und wer nicht, spielt letztlich keine Rolle. Es gibt eine Menge guter deutscher Unternehmen. Wer fällt Ihnen ein? BMW, Mercedes, Bosch? Erzählen Sie denen mal, dass ihre Firma gerade nicht "heiß" ist, damit erklären Sie deren gesamte Arbeit für wertlos. Das ist doch einfach nur beschränkt.

SZ: Ihr Vertrag bei Yahoo läuft bis 2013. Wenn wir uns in drei Jahren wiedersehen, sind Sie 65 Jahre alt. Ist Yahoo dann noch eigenständig - mit Ihnen als Vorstandschefin?

Bartz: Yahoo wird auch 2014 noch unabhängig sein und sehr, sehr erfolgreich, glauben Sie mir. Ob ich das Unternehmen dann führe oder jemand anders - das ist eine ganz andere Frage.