David Malpass:Dieser Mann soll für Trump die Weltbank attackieren

David Malpass: David Malpass, 62, steht offenbar kurz vor seiner Nominierung für den Chefposten der Weltbank.

David Malpass, 62, steht offenbar kurz vor seiner Nominierung für den Chefposten der Weltbank.

(Foto: Tom Williams/AP)
  • US-Medien zufolge will Präsident Trump am Mittwoch den Weltbank-Kritiker David Malpass als Chef der Weltbank nominieren.
  • Es wäre nicht die erste Personalie, bei der der Trump einen seiner Günstlinge einsetzt und eine etablierte Institution von innen heraus angreift.

Von Claus Hulverscheidt, New York

Zu den wenigen internationalen Institutionen, die die Regentschaft des Donald Trump bisher unbeschädigt überstanden haben, zählt ausgerechnet die Weltbank, deren Zentrale keine fünf Gehminuten vom Weißen Haus entfernt an Washingtons Pennsylvania Avenue liegt. Doch mit der Ruhe könnte es nun vorbei sein, denn der US-Präsident ist offenbar entschlossen, den Rücktritt des bisherigen Amtschefs Jim Yong Kim zu nutzen, um die nächste altehrwürdige Organisation von innen heraus zu attackieren: Berichten amerikanischer Medien zufolge will er am Mittwoch David Malpass als Nachfolger Kims nominieren. Der 62-Jährige ist derzeit noch Staatssekretär im Finanzministerium - und ein Kritiker der Weltbank.

Trump hat schon mehrfach missliebige Institutionen dadurch geschwächt, dass er Menschen an ihre Spitzen bugsierte, die Vorbehalte gegen diese Behörden haben oder sie gar abschaffen wollen. Dazu zählten etwa Scott Pruitt und Mick Mulvaney, die das Umweltamt EPA und die Verbraucherschutzbehörde CFPB übernahmen. Malpass passt in diese Reihe, denn er hat die Weltbank wiederholt als "übergriffig" und ihre Verfahren als "eingefahren" kritisiert. Generell gehe der Multilateralismus, also die Verlagerung nationaler Kompetenzen auf internationale Organisationen, "viel zu weit". Auch gebe es bei der Weltbank und anderen Förderbanken einen "sich selbst erfüllenden Mechanismus", alle paar Jahre von den Anteilseignern eine Kapitalerhöhung zu fordern, die dann mit der nächsten Ausweitung der Aufgaben einhergehe. Damit müsse Schluss sein.

Malpass gehört zudem zu jenen Spitzenbeamten der Regierung Trump, die den Aufstieg Chinas zur globalen Supermacht unbedingt stoppen wollen - auch mit Hilfe von Zöllen und anderen Sanktionen. Der Weltbank warf der gelernte Physiker und Ökonom in diesem Zusammenhang vor, zu viel Geld an aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien oder eben die Volksrepublik zu verleihen, die gar keine Entwicklungshilfe mehr benötigten. "Es hat keinen Sinn, dass die USA Geld aufnehmen oder dafür bürgen, das dann an China verliehen wird - ein Land, das andere Ressourcen und Zugang zu den Kapitalmärkten hat", klagte Malpass Ende 2017. Der Staatssekretär, der im Finanzministerium für den Bereich Internationales zuständig ist, gehörte bislang auch zum Regierungsteam, das mit China seit mehr als einem Jahr über Zölle, Exportüberschüsse, Patentfragen und den Diebstahl geistigen Eigentums streitet.

Die Weltbank, der 189 Staaten angehören, vergibt Kredite an Länder, die sich hohe Investitionen etwa in die Infrastruktur und die soziale Absicherung nicht leisten können. Allein 2018 belief sich die Summe der neuen Darlehen auf umgerechnet mehr als 55 Milliarden Euro. Der Weltbankpräsident wird vom 25-köpfigen Direktorium gewählt, in dem sieben Staaten, darunter Deutschland, einen festen Sitz haben. Die übrigen Mitglieder sind in Gruppen zusammengefasst und teilen sich je einen Direktor. Theoretisch kann jedes Land einen Kandidaten nominieren, de facto aber gibt es eine informelle Absprache zwischen den USA und der EU: Stets führt ein Amerikaner die Weltbank und ein Europäer den Internationalen Währungsfonds. Zwar hat es wiederholt Versuche gegeben, dieses Kartell zu sprengen. Im Zweifel jedoch hielten Amerikaner und Europäer zusammen.

Kritiker behaupten, er habe mit Konjunkturprognosen wiederholt danebengelegen

Es spricht wenig dafür, dass sich daran etwas ändern wird - trotz der Vorbehalte, die es in Berlin, Paris und andernorts gegen Trumps Kandidaten geben mag. Die Bundesregierung wollte sich zunächst nicht zu dem Personalvorschlag äußern. In US-Medien hieß es jedoch, Finanzminister Steven Mnuchin habe in der Angelegenheit bereits bei zahlreichen Kollegen im Ausland vorgefühlt und sehr viel Zustimmung für den Vorschlag erfahren.

Malpass, der bereits unter den Präsidenten Ronald Reagan und George Bush senior für die Regierung tätig war, kann auch auf eine längere Karriere in der Wirtschaft zurückblicken. So war er unter anderem Chefvolkswirt der Investmentbank Bear Stearns, die 2008 im Zuge der Finanzkrise von der US-Regierung zur Fusion mit JP Morgan Chase gezwungen wurde. Malpass fiel seinerzeit dadurch auf, dass er die Risiken am Immobilienmarkt lange kleinredete und mit Konjunkturprognosen wiederholt kräftig danebenlag. Kritikern galt er als Inbegriff eines Ökonomen, der im Zweifel nicht auf wirtschaftlicher, sondern auf parteipolitischer Basis urteilt. Im Mai 2016 stieß er als Wirtschaftsberater zum Wahlkampfteam des damaligen Präsidentschaftskandidaten Trump. Seither sind die beiden eng miteinander verbandelt.

Sollte Trump Malpass tatsächlich nominieren, müsste er sich auf Kritik von Entwicklungshilfegruppen einstellen, zumal er zugleich darauf dringt, dass sich die Weltbank stärker um die Förderung des Wirtschaftswachstums in armen Ländern kümmert - und damit um Geschäftschancen für US-Firmen. "David Malpass ist ein Trump-Getreuer, dem vielfach wirtschaftliche Kunstfehler unterlaufen sind", sagte Justin Sandefur vom Zentrum für Globale Entwicklung dem Wall Street Journal. Die Frage sei nun, ob es die übrigen Mitgliedsstaaten der Weltbank zuließen, "dass die Regierung Trump eine internationale Schlüsselinstitution unterminiert".

© SZ vom 06.02.2019/vwu
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