Grenzzschließung Trump würde auch Avocados aussperren

Knapp 90 Prozent aller Avocados in den USA kommen aus Mexiko, beispielsweise aus dieser Sortieranlage in Uruapan im Bundesstaat Michoacán.

(Foto: Carlos Jasso/Reuters)
  • US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich getwittert, dass die Wahrscheinlichkeit dafür aufgrund der hohen Zahl illegaler Einwanderer "sehr hoch" sei.
  • Knapp 90 Prozent der Avocados in den USA kommen aus Mexiko.
  • Die Folgen einer Grenzschließung wären aber weit dramatischer als ein bloßer Mangel an Butterfrucht.
Von Hans von der Hagen

Die Avocado ist eine erstaunliche Frucht. Nicht nur, weil viele sie für außerordentlich gesund halten, sie taugt auch für erbitterte Diskussionen, wenn etwa der hohe Wasserverbrauch des Avocado-Anbaus und - Stichwort: Avocado-Scham - der Transport der Früchte in klimatisierten Behältnissen rund um die Welt thematisiert werden. Wie auch immer solche Diskussionen ausgehen mögen, in jedem Fall erfreut sich die Avocado großer Aufmerksamkeit. Darum ist es nicht verwunderlich, dass nun die Riesenbeere in den Vordergrund rückt, wenn Amerika die Folgen einer drohenden Schließung der Grenze zu Mexiko diskutiert. US-Präsident Donald Trump hatte kürzlich getwittert, dass die Wahrscheinlichkeit dafür aufgrund der hohen Zahl illegaler Einwanderer "sehr hoch" sei. Allerdings ist im Zusammenhang mit der mexikanischen Grenze alles sehr hoch: Sie gilt als eine der frequentiertesten der Welt, darum würde eine Schließung nicht nur illegale Einwanderer treffen, sondern auch unzählige Arbeiter, Studenten, Konsumenten und Touristen.

Und eben Avocados. "Die Vereinigten Staaten werden drei Wochen nach Schließung der Grenze keine Avocado mehr haben", titelt der britische Guardian. Gesagt hatte diesen Satz Steve Barnard, Chef von Mission Produce, dem nach eigenen Angaben weltweit führenden Produzenten der Frucht. Ein schlechterer Zeitpunkt für einen solchen Lieferstopp sei gar nicht denkbar, denn derzeit liefere Mexiko praktisch 100 Prozent der Avocados in den Vereinigten Staaten, erklärte Barnard das drohende Unheil. Die Avocados in Kalifornien seien noch nicht so weit, zudem falle die Ernte dort nur gering aus. Statistiken des US-Landwirtschaftsministeriums bestätigen im Großen und Ganzen, was Barnard sagt: Knapp 90 Prozent der Avocados in den US-Läden kommen aus Mexiko, der kleine Rest stammt aus Ländern wie Peru, Chile oder der Dominikanischen Republik. Die Vereinigten Staaten stehen also vor einer Avocado-Krise, wie sie das Land bislang nicht gesehen hat.

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Doch so plakativ die Avocado auch sein mag, die Folgen einer Grenzschließung wären weit dramatischer als ein bloßer Mangel an Butterfrucht. Die US-Handelskammer spricht gar davon, dass eine Grenzschließung in einem "wirtschaftlichen Debakel" enden würde. Es sei überhaupt nicht nachvollziehbar, warum das Weiße Haus, das "zu Recht" auf seine wirtschaftlichen Erfolge verweise und gerade erst versöhnlichere Töne im Handelsstreit mit China angeschlagen habe, nun einen solchen Schritt gehen könnte. Jeden Tag, so die Handelskammer, würden Waren im Wert von 1,7 Milliarden Dollar die Grenze zu Mexiko überqueren. Der Handel mit Mexiko spielt für die Vereinigten Staaten eine weit größere Rolle als der Handel mit China. 2018 wurden Waren im Wert von 265 Milliarden Dollar nach Mexiko exportiert, der Vergleichswert für China lag bei 121 Milliarden Dollar. 80 Prozent der Mexiko-Exporte werden auf Straße und Schiene transportiert und wären so unmittelbar von einer Grenzschließung betroffen. Die Importe aus Mexiko summieren sich gar auf 300 Milliarden Dollar. Die Industrien beider Länder sind derart eng verwoben, dass die US-Unternehmen auf den steten Nachschub an Produkten aus Mexiko angewiesen sind. Insofern könnte eine Schließung der Grenze Firmen vor existenzielle Probleme stellen, warnt die Handelskammer. Umso mehr, da die Betriebe schon mit den Folgen von Trumps Strafzöllen kämpften.

Womöglich wird das alles aber weniger heiß diskutiert werden als das wirklich große Problem - der fehlende Nachschub an Avocados.

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