Netz-Tests:Kein Internet hinter diesem Hügel

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Netz-Tests: Ohne Masten kein Internet: Wer Internet über Mobilfunk auch in entlegenen Region will, muss dort auch Mobilfunkmasten aufstellen.

Ohne Masten kein Internet: Wer Internet über Mobilfunk auch in entlegenen Region will, muss dort auch Mobilfunkmasten aufstellen.

(Foto: Christoph Hardt/Imago/Panama Pictures)

Das mobile Netz in Deutschland wird stetig besser, aber es gibt noch immer viele unterversorgte Regionen. Das beste Netz bietet die Deutsche Telekom.

Von Helmut Martin-Jung, München

Zehntausende von Kilometern mit dem Auto, zu Fuß, im Zug, Daten von Millionen Handynutzern - vor allem die Tester im Auftrag der Zeitschrift Connect, aber auch die des Magazins Chip treiben einen großen Aufwand, um zu ermitteln, welcher Mobilfunkanbieter den besten Job macht. Sieger ist in beiden Tests auch in diesem Jahr die Deutsche Telekom, doch die Konkurrenz bestehend aus Vodafone und Telefónica/O2 kommt dem ehemaligen Staatsmonopolisten näher und näher.

Das ist auch deshalb eine gute Nachricht, weil die Unternehmen trotz aller Krisen ihre Netze weiter ausgebaut haben, vor allem Telefónica hat im Datennetz gut zugelegt. Nach den von Chip ermittelten Zahlen deckt Telefónica inzwischen 96,75 Prozent der Landesfläche mit 4-G-Datenfunk ab, das ist nur noch ein kleiner Unterschied zu Vodafone (97,56 Prozent) und Telekom (98,74Prozent). Abdeckung ist allerdings nicht gleich Abdeckung. In nahezu allen Disziplinen - getestet wurden Sprach- und Datenverbindungen über 4 G sowie Datenverbindungen über 5-G - liegt die Telekom vorne. Die Sprachqualität bei dem Bonner Unternehmen ist in der Regel am besten, das Netz der Telekom bietet auch die meisten 5-G-Zugänge in Deutschland an und die Datenrate ist dabei auch am höchsten.

Bei Telefónica, das sich bei den meisten Kriterien mit der Bronzemedaille zufriedengeben muss, hapert es beispielsweise noch bei Gesprächen in Fernzügen oder bei Datenverbindungen in Kleinstädten, bei denen oft geringere Durchsatzraten erreicht werden als bei den Konkurrenten Vodafone und Telekom. In Großstädten dagegen geben sich die drei Wettbewerber so gut wie nichts mehr. Hier bekommt man auch die schnellsten 5-G-Verbindungen, weil dort kurzwellige Frequenzen zum Einsatz kommen, die mehr Daten übertragen können, aber nicht so weit reichen. Anders auf dem Land: Dort verwenden die Anbieter meist langwelligere Frequenzen, die eine größere Reichweite haben.

Im Gebirge und im Wald braucht es mehr Masten

Auch die helfen aber nur wenig in Regionen, in denen die Beschaffenheit der Landschaft es schwer macht, jeden Winkel auszuleuchten. Sogenannte weiße Flecken findet man daher oft in gebirgigen oder hügeligen Regionen oder in Wäldern, etwa im Berchtesgadener Land, auf der Schwäbischen Alb oder im Ebersberger Forst bei München. Hier müssten sehr viele Masten aufgestellt werden, um die gesamte Fläche zu versorgen. Als weiße Flecken bezeichnet man Gebiete, die allenfalls mit Sprachverbindungen und sehr rudimentärem Internet über 2G angebunden sind, zu erkennen am "E" im Display.

Die Bundesnetzagentur hat den Anbietern unter anderem dafür Auflagen mitgegeben, doch die werden diese wohl nicht erfüllen. 500 weiße Flecken sollten sie bis Ende 2022 beseitigen. Verlangt wird dabei ein Datendurchsatz von 100 Megabit pro Sekunde, damit ein weißer Fleck als getilgt gilt - die Anbieter finden das ziemlich hoch. Schließlich zahlen sie ohnehin drauf, denn die Gebiete sind vor allem deshalb unterversorgt, weil es dort nur wenige Nutzer und ergo nur wenig zu verdienen gibt. Zum anderen klagen die Firmen aber auch darüber, dass es mit Genehmigungen viel zu lange dauert und es oft schwer ist, Standorte für Mobilfunkmasten zu finden. Auch bei der Bahn könnte man schon weiter sein, hier ist der Bund im Verzug mit der Freigabe von Frequenzen, die sich gut eignen würden, um größere Strecken und einige weiße Flecken abzudecken.

Apropos Frequenzvergabe: Eigentlich läuft bald die Zeit ab, für die die Rechte einer langwelligen Funkfrequenz (800 Megahertz) vergeben wurden. Die Bundesnetzagentur hat angedeutet, dass man sich vorstellen könne, die Nutzungsdauer zu verlängern und nicht eine neuerliche Versteigerung vorzunehmen. Das käme den Mobilfunkunternehmen entgegen: Eine Versteigerung, so argumentieren sie, würde ihnen Geld entziehen, das sie für den weiteren Ausbau der Netze benötigten.

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