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Supermarkt-Einkauf:Kein Händler legt die Verwendung des Geldes offen

In einer Umfrage der Süddeutschen Zeitung unter allen großen deutschen Einzelhändlern ließen beispielsweise die Unternehmen Lidl und Karstadt die Frage, wohin das Geld aus dem Verkauf der Plastiktüten gehe, unbeantwortet. Auch Galeria Kaufhof gab lediglich an, im Laufe des Jahres "einen fünfstelligen Betrag an ein internationales Umweltprojekt zum Meeresschutz" spenden zu wollen. Um welches Projekt es sich dabei genau handle, wollte man beim Konzern nicht sagen.

Aldi Nord hingegen, das wie Aldi Süd vor wenigen Tagen bekannt gab, künftig nur noch Mehrweg-Tragetaschen zu verkaufen, bestätigt, dass das Unternehmen sich zwar gesellschaftlich engagiere, für die Sauberkeit der Ozeane sich bislang aber nicht einsetze. Auch die Erlöse aus dem Verkauf der Plastiktüten würden nicht gespendet. Aldi Süd tut zumindest Letzteres: Jedes Jahr sollen künftig 100 000 Euro an die Manuel Neuer Kids Foundation fließen. Das bestätigt auch ein Sprecher der Stiftung. Mit dem Geld soll ein Kinder- und Jugendhaus in München errichtet werden.

Auch der Modehändler H&M spendet die Plastiktüten-Erlöse nicht an ein Umwelt-, sondern an ein Kinderhilfsprojekt. Unicef Deutschland habe ein Jahr nach dem Start der freiwilligen Selbstverpflichtung 100 000 Euro von dem Konzern erhalten, so ein Sprecher. Und er betont: "Bei diesem Betrag handelte es sich um Erlöse aus kostenpflichtigen Plastiktüten."

Zwar im Sinne des Schutzes der Meere, dafür aber nicht in Verbindung mit der freiwilligen Selbstverpflichtung der Händler steht die Spende des Konkurrenten C&A: Der Modehändler, der seit April 2016 20 Cent pro Tüte in seinen Filialen verlangt, spendete im vergangenen Jahr einmalig 50 000 Euro für das Projekt "Meere ohne Plastik" des Naturschutzbundes (Nabu). Abhängig von der Anzahl der verkauften Tüten war diese Spende jedoch nicht, wie ein Nabu-Sprecher sagt. "Ein solches Modell lehnt der Nabu grundsätzlich ab."

Ohnehin scheint der Betrag viel zu gering, als dass er an den Verkauf der Tüten gekoppelt sein könnte: Der Lebensmitteleinzelhändler Rewe etwa, der gar keine Einwegplastiktüten mehr ausgibt, spendete 2016 den zehnfachen Betrag für Nabu-Projekte zum Thema "Saubere Meere, Flüsse und Seen". An die Erlöse aus Plastiktüten gebunden ist auch dieser Betrag nicht.

Anders bei Konkurrent Edeka: Das Unternehmen wirbt bereits seit 2015 dafür, statt der Einwegplastiktüte eine stabilere Mehrwegtasche aus recyceltem Polyethylen zu verwenden. 25 Cent aus jedem Euro, den der Kunde pro Tasche zahlt, gehen an das Projekt "Geisternetze" des WWF, das sich zum Ziel setzt, die Ostsee von gesunkenen Fischernetzen zu befreien, die den Lebensraum der Tiere beeinträchtigen. Was mit den übrigen 75 Cent passiert, gibt das Unternehmen nicht preis.

Genau wie der Lebensmittelhändler Edeka gibt auch Netto in der Umfrage der SZ an, sich "mit WWF als Partner" für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen einsetzen zu wollen. WWF bestätigt, dass eine Partnerschaft mit dem Unternehmen bestehe und Netto Alternativen zur Einwegplastiktüte anbiete. "Der WWF erhält aus dem Verkauf dieser Mehrwegbehältnisse oder anderer Einwegtaschen keine Spenden", sagt ein Sprecher jedoch. Wohin bei Netto das Geld aus dem Verkauf der Plastiktüten geht, bleibt ungeklärt.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass kein Händler die Einnahmen aus dem Verkauf von Plastiktüten in vollem Umfang an Umweltprojekte spendet - und keiner die Verwendung des Geldes gänzlich offenlegt. Viele pflegen zwar Kooperationen mit Umwelt- und Hilfsorganisationen. Von diesen verzeichnet jedoch keine seit Inkrafttreten der freiwilligen Selbstverpflichtung ein erhöhtes Spendenaufkommen. Jährlich einen festen Betrag für einen guten Zweck zu spenden, ist zwar ehrenwert, aber viele Verbraucher wüssten schon gern, wohin die etwa 375 Millionen Euro fließen, die sie schließlich aus Umweltschutzgründen zahlen. Sonst verkommt die Teilnahme an der Selbstverpflichtung zu einem Marketing-Instrument.

Mehr Gewissheit, was mit ihrem Geld passiert, hätten sie wohl gehabt, wäre es anstatt der vom HDE favorisierten freiwilligen Selbstverpflichtung im Sommer vergangenen Jahres tatsächlich zu einer gesetzlich vorgeschriebenen Plastiktütengebühr gekommen. Ein Teil der Einnahmen hätte dann an den Staat gehen können, der diese wiederum zweckgebunden für Umweltprojekte hätte ausgeben können.

Denkbar wäre auch gewesen, von Seiten des HDE einen Fonds aufzusetzen, in den automatisch ein Teilbetrag auf dem Verkauf der Tüten fließt. Aus diesem hätten ebenfalls gezielt Projekte finanziert werden können, die sich auf die Reduktion des Plastikmülls in den Ozeanen spezialisieren. Das ist jedoch nie passiert.

Stattdessen entscheidet jeder Händler für sich, was er mit dem Geld anstellen will. Es in den Tiefen der eigenen Unternehmensbilanzen verschwinden zu lassen, ist im Sinne der Natur sicherlich die schlechteste Option. Aber glücklicherweise gibt es ja eine Vielzahl an Projekten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Ozeane und deren Bewohner zu schützen. Die Konzerne müssten sich nur eines aussuchen.

© SZ vom 03.08.2017
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