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Apple an der Börse:Jobs' Tod bewegt auch den Aktienkurs

Unter der Ägide von Steve Jobs verdreißigfachte sich Apples Börsenwert - die Nachricht seines Todes lastete nun zumindest zwischenzeitlich auf dem Aktienkurs. Marktanalysten bezweifeln, dass der Konzern seinen kreativen Vorsprung vor der asiatischen Konkurrenz halten kann.

Kaum ein Unternehmenschef verkörperte die Philosophie des eigenen Konzerns wie Steve Jobs. An den Börsen bringt die Nachricht vom Tod der Business-Legende viele Anleger dazu, ihre Apple-Aktien abzustoßen. In Frankfurt verlor die Aktie am Morgen zunächst mehr als drei Prozent, erholte sich dann allerdings wieder und stand zwischenzeitlich sogar im Plus.

Als Unternehmenschef hatte Jobs Apple vom Pleitekandidaten schrittweise zu einem der führenden Technologiekonzerne der Welt gemacht. Seit seiner Rückkehr ins Unternehmen 1996 verteuerte sich die Aktie fast um das Dreißigfache, im August überholte der Apfel-Konzern sogar kurzzeitig den Ölmulti ExxonMobil als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt.

Manche Analysten sehen nun das Ende des Kurs-Höhenfluges gekommen. Richard Muller von Reuters rechnet damit, dass der Aktienwert wegen Jobs' Tod auf 350 Dollar sinken wird. So tief stand er seit drei Monaten nicht mehr. Derzeit liegt er bei mehr als 378 Dollar.

Schon am Dienstag hatte die Aktie deutlich nachgegeben: Jobs' Nachfolger Tim Cook hatte das verbesserte iPhone 4 am Unternehmenssitz in Cupertino vorgestellt - eine Show, die zuvor immer Jobs höchstpersönlich zelebriert hatte. Viele Fans hatten auf mehr gehofft - etwa ein komplett neues Modell, ein iPhone 5, statt nur einiger neuer Features für das iPhone 4.

Für kühl kalkulierende Börsenkenner ist der Tod des Apple-Gründers der zweite Rückschlag für Apple innerhalb einer Woche. Die Wall-Street-Analysten von Sanford Bernstein geben bekannt: Mit der iPhone-Vorstellung habe das Unternehmen schon enttäuscht, der Tod seines Gründers erhöhe nun den Druck auf den Konzern. Ohne Jobs dürfte Apple seinen Wettbewerbsvorteil vor der asiatischen Konkurrenz verlieren.

Vor allem Samsung sitzt Apple im Nacken. Die Südkoreaner haben mit ihrem Galaxy-Smartphone und dem gleichnamigen Tablet zwei der bisher wenigen ernstzunehmenden Alternativen zu iPhone und iPad auf den Markt gebracht. Beide Unternehmen überziehen sich gegenseitig mit Patentklagen. In den kommenden Monaten könnte auch Amazons neues Billig-Tablet Kindle Fire dem Jobs-Nachfolger Cook zusetzen.

Viele bezweifeln, dass Apple ohne Jobs weiterführen kann, was den Konzern im letzten Jahrzehnt auszeichnete: die hohe Frequenz, in der er Produkte herausbrachte, die Quantensprüngen gleichkamen, wie iPod und iPhone. Ein koreanischer Marktanalyst bringt es auf den Punkt: "Es war Jobs' Apple, nicht Apples Jobs."

© sueddeutsche.de/Reuters/jab/hgn/gba

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