Geschönte Verbrauchsangaben Deutsche zahlen 5,5 Milliarden Euro zusätzlich für Benzin und Diesel

Immerhin: Wenn es geparkt ist, verbrauchen alle Autos null Liter.

(Foto: Getty Images)
  • Wirbt ein Auto mit einem Benzinverbrauch von fünf Litern, müsse man tatsächlich mit deutlich mehr als sieben Litern kalkulieren, haben Umweltorganisationen berechnet.
  • Deutsche Fahrer haben daher im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Euro zusätzlich für Benzin oder Diesel ausgegeben, wenn man den angegeben Wert mit dem tatsächlichen Verbrauch vergleicht.
Von Markus Balser, Berlin

Die Folgen des Abgasskandals lösen bei Verbrauchern in Europa einer Studie zufolge enorme Kosten aus. 149,6 Milliarden Euro haben geschönte Angaben beim Kraftstoffverbrauch europäische Kunden seit Beginn des Jahrtausends gekostet. Das ergeben Berechnungen der Umweltorganisationen Transport and Environment (T&E) sowie des NABU Deutschland. Allein im vergangenen Jahr beliefen sich die Kosten demnach auf 23,4 Milliarden Euro.

Im gleichen Zeitraum hätten die Fahrzeuge zusätzliche 264 Millionen Tonnen Kohlendioxid freigesetzt - mehr als die jährlichen Emissionen der Niederlande, teilen die beiden Organisationen mit.

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Die Organisationen haben die finanziellen Auswirkungen eines bekannten Effekts untersucht: Die Unterschiede zwischen Katalogwert und echtem Verbrauch hatten in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Der reale Spritverbrauch liegt bei Autos in Europa jüngsten Studien zufolge mittlerweile durchschnittlich um 42 Prozent höher als versprochen. Noch im Jahr 2000 lag der Wert bei durchschnittlich neun Prozent.

Das International Council on Clean Transportation (ICCT), das auch an der Aufdeckung des VW-Dieselskandals mitgewirkt hat, hatte dies aus Daten für etwa 1,1 Millionen Fahrzeuge aus acht europäischen Ländern ermittelt. Ein Auto mit einem angegebenen Verbrauch von fünf Litern Benzin verbrauche in Wahrheit deutlich über sieben Liter, rechnet der NABU vor. "Was jeder Autofahrer schon lange beim Tanken geahnt hat, ist nun mit Zahlen hinterlegt", sagt Dietmar Oeliger, Leiter für Verkehrspolitik bei der Organisation.

Der neuen Studie zufolge stehen deutsche Fahrer mit Mehrausgaben seit 2000 von 36 Milliarden Euro an der Spitze. Es folgen Briten (24,1 Milliarden Euro), Franzosen (20,5 Milliarden Euro), Italiener (16,4 Milliarden Euro) und Spanier (12 Milliarden Euro). Allein im vergangenen Jahr zahlten deutsche Fahrer 5,5 Milliarden Euro zusätzlich an Benzin oder Diesel.

Bald gilt eine schärfere Messmethode

Bekannt ist, dass mancher Hersteller, bevor er den Verbrauch misst, allerhand Aktivitäten zur Optimierung entfaltet. So können etwa Ausstattungsteile aus den Autos entfernt werden um Gewicht zu sparen. Illegal war dies nach bisherigen Testmethoden nicht. Von September an gelten für neue Autos verschärfte Zulassungsverfahren. Der alte Test (NEFZ) wird durch das so genannte WLTP-Verfahren abgelöst.

Auch bei diesem neuen Test wird zwar auf dem Prüfstand gemessen. Er soll dennoch realistischere Daten liefern. Der neue Test prüft die Fahrzeuge über einen längeren Zeitraum und bei höheren Geschwindigkeiten und schnelleren Beschleunigungen. Hersteller müssen die Autos mit Extras wie einer Klimaanlage testen. Die Bundesregierung hatte weitere Tests eingeführt, die den Verbrauch bereits zugelassener Fahrzeuge auf der Straße nachmessen.

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