Klimapolitik:Baku oder Bonn

Klimapolitik: Die Weltkugel wies den Menschen bei der Klimakonferenz 2017 in Bonn den Weg ins ehemalige Regierungsviertel.

Die Weltkugel wies den Menschen bei der Klimakonferenz 2017 in Bonn den Weg ins ehemalige Regierungsviertel.

(Foto: Jennifer Zumbusch/imago/Future Image)

Eigentlich soll der nächste Klimagipfel in Osteuropa stattfinden. Aber wo? Seit Monaten können sich die Länder nicht einigen. Gelingt ihnen das bis Dienstag nicht, gibt es nur einen Ausweg: Deutschland.

Von Michael Bauchmüller

Städte können Geschichte schreiben bei der Rettung des Weltklimas. Kyoto in Japan etwa, der Geburtsort des gleichnamigen Klima-Protokolls. Kopenhagen als Schauplatz des Scheiterns, Paris mit dem großen Durchbruch. Lima, Kattowitz, Glasgow - oder jetzt Dubai mit seiner COP 28: lauter Wegmarken der internationalen Politik, Schauplätze von Klimagipfeln. Und nächstes Jahr?

Diese Frage treibt gerade eine der fünf Staatengruppen um, in die sich die Vereinten Nationen aufteilen. Denn eigentlich wären 2024 die Osteuropäer dran. Die Aufteilung folgt noch der Welt zu Zeiten des Kalten Krieges. Konnte ja niemand ahnen, dass sich die Staaten des einstigen Warschauer Pakts mal so in die Haare bekommen würden.

Der Streit wogt schon seit einem Jahr. Erst hatte Tschechien mit der Austragung geliebäugelt, dann meldete sich Bulgarien. Doch das größte Land der Gruppe legte sein Veto ein: Russland. Auf keinen Fall dürfe die nächste COP in einem EU-Land stattfinden - schon der europäischen Sanktionen wegen. Stattdessen bewarb sich das ölreiche Aserbaidschan, das hätte Moskau besser gefallen. Doch dagegen protestierte Armenien, wegen des Konflikts um Bergkarabach. Eine Alternative bot es auch an: Eriwan. Das will aber Aserbaidschan nicht. Zuletzt hat sich die Republik Moldau ins Gespräch gebracht - ohne Einigung.

Ein paar Tage bleiben noch, um den Streit zu lösen. Genauer gesagt: bis Dienstag. Dann muss die COP 28 beschließen, wo die COP 29 stattfinden soll. Längst ist schon klar, wo die übernächste Konferenz stattfindet, nämlich in Brasilien. Aber die nächste ist so offen wie noch nie in der 28-jährigen Geschichte globaler Klimagipfel. Man sehe, heißt es aus dem deutschen Außenministerium, der Lösung dieser Frage "optimistisch entgegen". Und ein bisschen Hoffen ist auch dabei.

Denn gelänge das nicht, richten sich alle Augen auf Deutschland. Hier, in Bonn, sitzt das Klimasekretariat der Vereinten Nationen. Findet sich kein Austragungsort, so wollen es die UN-Regeln, fällt das Los automatisch auf das Land des Klimasekretariats. Schon einmal, 2001, musste eine abgebrochene Klimakonferenz in Bonn fortgesetzt werden. Und als 2017 der Inselstaat Fidschi eine COP ausrichten wollten, aber nicht wusste, wohin mit so vielen Menschen, da sprang Bonn ein und baute eine Zeltstadt. Die Rheinauen brauchten danach erst einmal eine Rasenkur.

Und das war noch, bevor die Klimagipfel zum globalen Massenevent wurden. 2017 waren in Bonn 23 000 Teilnehmer registriert, schon die brachten die Stadt an Grenzen. In Dubai sind es viermal so viele. Obendrein bleiben nicht mal elf Monate für die Vorbereitung. Aber so schnell habe man das 2017 auch geschafft, sagt Jan-Michael Uhlig, Veranstaltungschef beim Bonner World Conference Center. "Natürlich stehen wir in Bonn parat", sagt er. Mit der Teilnehmerzahl müsse man sehen.

Doch so weit muss es nicht kommen. In der Nacht zu Freitag veröffentlichten die Präsidenten Armeniens und Aserbaidschans eine gemeinsame Erklärung. Es gebe eine historische Chance auf Frieden, schrieben sie, als Erstes tauschen sie nun Gefangene aus. Und als "Geste des guten Willens" will Armenien seine Kandidatur für den Klimagipfel zurückziehen - man unterstütze jetzt Aserbaidschan. Dessen Chancen wachsen damit. Sind die anderen Osteuropäer einverstanden, heißt die nächste Gipfelstadt Baku. Wenn nicht, Bonn.

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