Jobmangel in der EU Europas Jugend ohne Arbeit

Es sind beklemmende Zahlen: In Spanien und Griechenland hat mehr als ein Drittel der Jugendlichen keinen Job. In Deutschland ist die Lage zwar weniger dramatisch - doch auch hier ist immerhin noch jeder zehnte Jugendliche arbeitslos.

In Madrid demonstrieren junge Menschen für mehr Chancen, in Athen gegen ihre inkompetente Regierung, in London entlädt sich die Wut Hunderter in brutalen Krawallen. Der Frust sitzt tief bei Europas Jugend. Ein Grund: Es gibt zu wenige Jobs für sie. Die Jugendarbeitslosigkeit in vielen EU-Ländern ist massiv gestiegen.

Jung, perspektivlos und enttäuscht von der Politik: Eine Spanierin demonstriert Anfang August in Madrid gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit des Landes. Laut den Zahlen des Statistischen Bundesamtes liegt sie bei fast 46 Prozent.

(Foto: AFP)

Das Statistische Bundesamt legte am Donnerstag beklemmende Zahlen vor. Die Behörde hat die Arbeitslosenquote der 15 bis 24-Jährigen in den Staaten der Union miteinander verglichen.

In Spanien sind fast 46 Prozent der jungen Menschen ohne Job, mehr als doppelt so viel wie 2008. In Griechenland suchen deutlich mehr als 38 Prozent der Jungen Arbeit. In beiden Ländern demonstrierten in den vergangenen Monaten Zehntausende Jugendliche gegen die Wirtschaftspolitik ihrer überschuldeten Regierungen. Auch im Vereinigten Königreich, wo sich zuletzt arme Jugendliche Straßenschlachten mit der Polizei lieferten, liegt die Quote bei 19,6 Prozent - seit 2008 hat sie um fast ein Drittel zugenommen.

Doch die britische Quote ist fast schon repräsentativ: Der Durchschnitt in den EU-Staaten liegt bei 20,5 Prozent - das sind fünf Millionen Jugendliche.

Weniger dramatisch ist die Lage in Deutschland. Hierzulande ist aber immerhin noch jeder zehnte Jugendliche arbeitslos. Im Juni waren 430.000 junge Menschen erwerbslos, das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent. Niedriger als in Deutschland war die Quote nur in den Niederlanden mit 7,1 Prozent und Österreich mit 8,2 Prozent.

Im Gegensatz zu den meisten anderen EU-Staaten liegt die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland heute sogar noch unter dem Niveau von vor der Wirtschaftskrise. Auf dem Tiefpunkt des Abschwungs 2009 betrug sie noch 11,5 Prozent. Für die Verbesserung sind laut Statistischem Bundesamt unter anderem arbeitsmarktpolitische Maßnahmen der Regierung wie der Ausbildungspakt und die Ausbildungsbemühungen der Wirtschaft verantwortlich.

Doch auch wenn die deutschen Zahlen im Vergleich mit den europäischen Nachbarn gut aussehen: Arbeitslosigkeit trifft Jugendliche öfter als den Durchschnitt: Mit 9,1 Prozent liegt die Quote unter den 15 bis 24-Jährigen höher als bei der Gesamtbevölkerung. Zudem sind sie laut Bundesamt zu 36,8 Prozent "atypisch" beschäftigt. Darunter versteht die Behörde befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitarbeit bis zu 20 Stunden, geringfügige Beschäftigungsverhältnisse und Leiharbeit.