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Isoliertes Emirat Katar:Wenn der kleine Riese Katar ins Taumeln gerät

Downtown Doha with its impressive skyline of skyscrapers as seen from the Museum of Islamic Arts ac

Katar ist dank seiner Bodenschätze sehr reich, das kann man schon an der Silhouette von Doha erkennen.

(Foto: imago/robertharding)

Noch spürt man die Folgen des Streits zwischen Katar und seinen arabischen Nachbarn nur in der Region. Aber auch deutsche Konzerne wie VW und die Deutsche Bank haben Grund zur Sorge.

In den Supermärkten von Doha bildeten sich lange Schlangen, als die Nachricht langsam in die Köpfe sickerte: Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain brechen die Beziehungen zu ihrem kleinen Nachbarn ab. Zugleich schlossen sie Häfen, Flughäfen und Grenzen für katarische Verkehrsmittel. Zwar hat das Außenministerium in Doha versprochen, normale Bürger würden nichts zu spüren bekommen. Auch ließ die Handelskammer wissen, dass Katar Grundnahrungsmittel für ein Jahr besitze - sogenannte strategische Vorräte.

Aber bisher war es so, dass Hunderte Lastwagen jeden Tag Lebensmittel von Saudi-Arabien über die einzige Landgrenze in das von Importen abhängige Emirat brachten, das auf einer Halbinsel im Golf liegt. Etwa 40 Prozent seiner Lebensmitteleinfuhren kommen aus dem Nachbarland, vor allem Milchprodukte. Auch Baumaterial für die riesigen Infrastruktur-Projekte und die Stadien der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 nahmen bisher den gleichen Weg.

Die Anteile an der Deutschen Bank liegen steuervermeidend auf karibischen Inseln

Die Börsenkurse in Doha stürzten am Montag um fast 7,5 Prozent ab, am Dienstag waren die Verluste geringer, aber sie gingen weiter. Katarische Banken haben offenbar Probleme, ihren Zahlungsverkehr mit den Nachbarländern abzuwickeln. Auswirkungen könnte eine längere Blockade des Emirats auch für dessen Investitionen im Ausland haben.

Der Staatsfonds Qatar Investment Authority gehört mit mehr als 300 Milliarden Dollar zu den größten institutionellen Anlegern der Welt. Er hält Anteile an der Schweizer Großbank Credit Suisse, der Londoner Börse, dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore; aber auch an Volkswagen und der Deutschen Bank. 17 Prozent gehören ihm bei VW. Bei der Deutschen Bank hält die Familie von Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani über zwei Investmentgesellschaften acht Prozent. Die Aktienpakete liegen indes nicht etwa im Emirat selbst, sondern in zwei steuervermeidenden Offshore-Investmentgesellschaften auf den Britischen Jungferninseln und den Kaimaninseln.

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Doch aus dem Emirat, das von seinen Nachbarländern weitestgehend isoliert wurde, kommt Widerstand gegen die Vermittlungsangebote.

2014 stiegen die Scheichs als Anleger bei der Deutschen Bank ein

So dürfte es kaum verwundern, dass in der deutschen Wirtschaft die Lage sehr genau beobachtet wird. Unmittelbar dürfte die Situation zwar keine großen Auswirkungen auf die Konzerne haben, mittelfristig aber möglicherweise doch. Im Fall von Deutschlands größtem Geldhaus würde es etwa schwieriger werden, sollten die Katarer ihren Aktienanteil aufstocken wollen.

Als der damalige Vorstandschef Anshu Jain die Scheichs aus Katar 2014 als neue Ankeraktionäre für die stets schwach kapitalisierte Deutsche Bank gewann, da wurden sie mit offenen Armen empfangen. 2016 stockten sie die Anteile dann sogar auf zusammen acht Prozent auf (Kurswert derzeit ungefähr 1,3 Milliarden Euro).

Zudem schicken sie einen eigenen Vertreter in den Aufsichtsrat, was bei einem Anteil von weniger als zehn Prozent ungewöhnlich ist. Wie sie ihren Einfluss ausüben, ist bisher nicht bekannt, sie erscheinen weder auf der Hauptversammlung noch treten sie sonst in Erscheinung. Es heißt aber, sie seien Befürworter des Investmentbankings, also des eher riskanten, aber renditeträchtigen Geschäfts der Bank.