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Corona-Pandemie:Curevac verbündet sich mit Bayer

FILE PHOTO: Employee Philipp Hoffmann, of German biopharmaceutical company CureVac, demonstrates research workflow on a vaccine for the coronavirus (COVID-19) disease at a laboratory in Tuebingen

Ein Mitarbeiter von der Pharmafirma Curevac zeigt, wie am Impfstoff geforscht wird.

(Foto: Andreas Gebert/Reuters)

Bis zu 300 Millionen Dosen Impfstoff will Curevac in diesem Jahr noch produzieren - und hat noch nicht mal eine Zulassung. Um das alles zu schaffen, holt sich das Unternehmen Hilfe von Bayer.

Von Elisabeth Dostert

Das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac hat sich mit dem Agrochemie- und Pharmakonzern Bayer verbündet, um seinen Corona-Impfstoff zur Zulassung zu bringen und weltweit zu vertreiben. Das teilten die beiden Unternehmen am Donnerstag mit. Man wolle die Stärken bündeln, um nach Erhalt der Zulassung "mehrere Hundert Millionen Dosen zur Verfügung" stellen zu können. In diesem Jahr wolle Curevac bis zu 300 Millionen Dosen produzieren, im nächsten bis zu 600 Millionen, so ein Sprecher der Firma.

Anders als die Produkte des Mainzer Konkurrenten Biontech und des US-Konzerns Moderna hat der Impfstoff von Curevac noch keine Zulassung in der EU. Seit Mitte Dezember läuft die klinische Studie 2b/3 mit weltweit mehr als 35 000 Probanden. Mit ersten Ergebnissen der Studie werde Ende des ersten Quartals gerechnet, so ein Sprecher. Wenn diese positiv ausfallen, "was wir natürlich hoffen", würde Curevac die bedingte Zulassung in der EU beantragen, "vielleicht schon Ende des ersten Quartals". Diese könnte dann im zweiten Quartal erfolgen. Curevac wolle sich auf "Europa fokussieren". Im Umkehrschluss heißt das, dass Curevac zunächst keinen Zulassungsantrag in den USA stellen will. Mittelfristig sehe das Unternehmen auch die USA als Markt.

Die Aktienkurse von Curevac und Bayer reagierten mit Kursgewinnen auf die jüngste Nachricht. Seit dem Börsengang von Curevac im August 2020 hat der Aktienkurs an der Deutschen Börse um 60 Prozent auf 72,80 Euro zum Jahresschluss zugelegt. Bayer verlor 2020 rund 33 Prozent auf 48,16 Euro zum Jahresschluss, das Papier leidet nach wie vor unter der Übernahme des US-Konzerns Monsanto und den damit verbundenen Klagen wegen des Pestizids Glyphosat.

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Die Aktienkurse von Bayer reagierten mit Kursgewinnen auf die jüngste Nachricht.

Es seien Gespräche mit verschiedenen Unternehmen geführt worden. "Wir haben dann festgestellt, dass wir gut zueinanderpassen", so ein Sprecher. Zu finanziellen Einzelheiten der Vereinbarung mit Bayer wollte er sich nicht äußern. Bayer werde Curevac bei klinischen Studien unterstützen, in regulatorischen Fragen und im Vertrieb, aber keine Komponenten für den Impfstoff herstellen. Bayer prüfe intensiv Möglichkeiten einer Produktion. Gemessen am Umsatz mit Arzneimitteln zählt Bayer nicht zu den Top 10 der weltgrößten Pharmaunternehmen. Zu den Therapiegebieten des Konzern zählen Onkologie, Gynäkologie, Herz-Kreislauf, Hämatologie und Augenheilkunde, aber keine Impfstoffe.

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Auch die Aktienkurse von Curevac reagierten positiv.

Der Konkurrent Biontech aus Mainz hat schon sehr viel früher Partnerschaften geschlossen, lange bevor der Kandidat BNT162b2 in die klinische Phase ging. Bereits im März verbündete sich Biontech mit dem US-Konzern Pfizer für die Entwicklung, Produktion und den weltweiten Vertrieb mit Ausnahme Chinas, dort tat sich Biontech mit Fosun Pharma zusammen. Vergleichsweise junge Firmen wie Biontech arbeiten häufig mit Pharmakonzernen zusammen, deren Finanzkraft höher ist, die viel Erfahrung mit klinischen Studien haben und über ein weltweites Netz für Produktion, Logistik und Vertrieb verfügen. Biontech wurde erst 2008 gegründet, schreibt hohe Verluste, und der Corona-Impfstoff Comirnaty ist das erste Produkt auf dem Markt.

Pfizer ist einer der größten Pharmakonzerne der Welt. Viele der großen Adressen haben längst Partnerschaften geschlossen, etwa Astra Zeneca mit der Universität Oxford. Oder sie verfolgen allein oder gemeinsam mit anderen Großen eigene Impfstoffprojekte, etwa Sanofi und Glaxosmithkline oder Johnson & Johnson.

Im September hatte Biontech für die Impfstoffproduktion ein Werk des Schweizer Konzerns Novartis in Marburg erworben. Es soll im Februar in Betrieb gehen. Mit Marburg verfügen Biontech und Pfizer nach eigenen Angaben über Kapazitäten für 1,3 Milliarden Dosen in diesem Jahr. Um sie weiter zu erhöhen, verhandelt Biontech nach früheren Angaben mit Unternehmen, die auf bestimmte Produktionsschritte oder die Abfüllung spezialisiert sind. Die Firma hat bereits fünf Firmen beauftragt, die bestimmte Leistungen erbringen.

Sowohl Biontech als auch Curevac haben Liefervereinbarungen mit der EU. Bei Biontech hat die EU 300 Millionen Dosen bestellt. In Marktkreisen heißt es, das Mainzer Unternehmen habe der EU eine halbe Milliarde Dosen angeboten, die EU das Angebot aber abgelehnt. Pro Dosis, heißt es in Marktkreisen, sei ein Preis von 15,50 Euro vereinbart worden. Eine Anzahlung sei unverzüglich erfolgt.

Curevac hat mit der EU die Lieferung von 225 Millionen Dosen fest vereinbart und eine Option auf weitere 180 Millionen Dosen. Auch Curevac hat bereits Aufträge für Herstellung und Abfüllung vergeben. Wie das Unternehmen im November mitteilte, wird der deutsche Konzern Wacker am Standort Amsterdam die mRNA-Wirkstoffsubstanz für den Impfstoff CVnCoV herstellen. Mehr als 100 Millionen Dosen Impfstoff sollen dort jährlich hergestellt werden. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen Fareva wird für Curevac den Impfstoff abfüllen, hieß es Anfang Dezember. Dem Sprecher zufolge will Curevac sein Produktionsnetzwerk weiter ausbauen.

Gemeinsam mit Tesla plant Curevac auch den Bau von mobilen Produktionseinheiten, sogenannte mRNA-Drucker. Schon 2015 knüpfte Curevac Kontakte zum Autozulieferer Grohmann Engineering aus Prüm in der Eifel. Nach der Übernahme durch Tesla blies deren Chef Elon Musk das Projekt erst einmal ab, um sich dann doch von den Curevac-Managern von den Minifabriken überzeugen zu lassen. Über Prototypen sind sie bislang nicht hinausgekommen.

© SZ
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