Immobilien:Immer weniger Menschen planen zu kaufen

Immobilien: Nur noch knapp 12 Prozent der Befragten konnten sich im vergangenen Jahr vorstellen, eine Immobilie zu erwerben.

Nur noch knapp 12 Prozent der Befragten konnten sich im vergangenen Jahr vorstellen, eine Immobilie zu erwerben.

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die Zahl der Deutschen, die sich eine Immobilie zulegen wollen, ging 2023 stark zurück. Und das trotz hoher Mieten und niedrigerer Kaufpreise. Eine neue Studie zeigt Überraschendes.

Von Leonard Scharfenberg, München

Auf Englisch klingt gleich alles besser. Die Wohngemeinschaft wird in der neuen Europa-Studie des Makler-Franchiseunternehmens Remax so beispielsweise zum "Co-Living". Eine schicke, moderne Lösung gegen Rekordmieten und Einsamkeit. Mehr als die Hälfte der Befragten können sich das vorstellen, die meisten von ihnen wenig überraschend aus Kostengründen.

Knapp 23.000 Menschen im berufsfähigen Alter aus 23 europäischen Ländern hat das Unternehmen für den neuesten Wohnimmobilien-Trendreport befragen lassen. Wie viele Menschen sich tatsächlich im vergangenen Jahr dafür entschieden haben, eine Wohngemeinschaft zu gründen, zeigt die Studie nicht. Dafür gibt es genaue Zahlen zur Kaufbereitschaft der Deutschen: Die hat sich 2023 trotz steigender Mietpreise und besserer Angebote im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert. Nur noch knapp 12 Prozent der Befragten konnten sich im vergangenen Jahr vorstellen, eine Immobilie zu erwerben. Unter den Menschen, die noch keine Immobilie besitzen, ist die Kaufbereitschaft sogar noch stärker gesunken. Die größte Herausforderung für potenzielle Käuferinnen und Käufer bleibt der Mangel an bezahlbaren Angeboten.

"Der beste Markt, den man sich vorstellen kann"

Europaweit plant zumindest jeder Fünfte, in den kommenden zwei Jahren eine Immobilie zu kaufen. Und selbst in Ländern mit Hyperinflation wie der Türkei sei die Bereitschaft höher, darauf weißt Samina Julevic, Deutschlandchefin von Remax, hin. "Wer gerade kaufen möchte, hat jetzt eigentlich den besten Markt, den er sich vorstellen kann", sagt sie. Seit dem dritten Quartal 2023 merke man allerdings auch, dass "der Markt wieder anzieht".

Julevic vermutet, dass sich die nach jahrelangem Anstieg zuletzt stark gefallenen Kaufpreise nun einpendeln werden. Mit einem erneuten Preisanstieg rechnet Sie bis Mitte des kommenden Jahres ebenso wenig wie mit einem weiteren Verfall. Die Immobilienpreise seien "jetzt auf dem Niveau, wo sie eigentlich hingehören".

Junge Menschen kaufen fürs Investment

Überrascht sei Julevic vor allem vom steigenden Anteil der Frauen an den Wohneigentümerinnen und -eigentümern. Sie machen mittlerweile 47 Prozent aus. Fast vier Prozentpunkte mehr als noch 2022. Die Altersstruktur der Befragten mit Eigentum zeigt dagegen weniger überraschend: Unter den Befragten mit Wohneigentum ist der Anteil der 46 bis 55 Jährigen am Höchsten, dicht gefolgt von der nächstälteren Kohorte.

Interessant wird die Altersfrage dagegen bei den Gründen für einen möglichen Immobilienkauf. Auf Platz Eins der Kaufgründe bleibt ungeschlagen und über alle abgebildeten Generationen hinweg der Eigenbedarf. Heraus stachen die Angaben der Unter-25-Jährigen Kaufwilligen: Beinahe doppelt so häufig wie die 35- bis 44-Jährigen nannten sie Mieteinnahmen oder die "Diversifizierung ihres Portfolios" als wichtigste Beweggründe.

Julevic führt das nicht zuletzt auf Social-Media-Trends zurück. Beispielsweise auf TikTok gibt es eine große Anzahl an sogenannten "Finfluencern", also Finanz-influencern, die mehr oder weniger seriöse Anlagetipps abgeben. Investitionen in Immobilien seien dort gerade hoch im Kurs.

Deutschland ist Vorletzter bei der Eigentümerquote

Die zweite überraschende Erkenntnis der Umfrage sieht die Deutschlandchefin von Remax eher negativ: "Wir hätten uns gewünscht, dass die Eigentümerquote höher ist", sagt Julevic. Nach Pandemie und Niedrigzinszeiten, habe man eigentlich "das Gefühl gehabt, es tut sich jetzt was". Dieses Gefühl hat wohl getäuscht: Deutschland ist hier nach der Schweiz noch immer Schlusslicht im europäischen Vergleich: Nur etwa 42% der Haushalte besitzen ihre Wohnung oder ihr Haus.

Für alle Kaufbereiten, bei denen es finanziell bislang nicht zum Eigenheim reicht, hat Remax einen anderen Modebegriff dabei. Neben Co-Living spricht Julevic auch in höchsten Tönen vom Co-Owning. Gemeint sind Immobilien, nicht selten Ferienhäuser, die sich etwa mehrere Familien zusammen leisten. Belastbare Zahlen für den vermuteten Trend gebe es zwar bisher nicht, aber immerhin: Auch dieses Modell kann sich mehr als die Hälfte der Befragten vorstellen.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusImmobilien
:Wohnungsmangel verschärft sich

Die Immobilienbranche steckt in der Krise fest. "Wer baut, geht bankrott", warnt der Dachverband und verlangt mehr Geld vom Staat. Bauministerin Geywitz stellt Forderungen an Länder und Kommunen.

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: