Wohnungsmarkt:700 Euro für ein WG-Zimmer

Wohnungsmarkt: Seit dem Sommersemester 2019 sind die Mieten bundesweit um 21 Prozent gestiegen, in den Unistädten sogar um 26 Prozent.

Seit dem Sommersemester 2019 sind die Mieten bundesweit um 21 Prozent gestiegen, in den Unistädten sogar um 26 Prozent.

(Foto: Franziska Gabbert/dpa)

Auch bei Wohngemeinschaften ist der Mietmarkt angespannt. Teilweise warten knapp Zehntausend Studierende auf einen Platz im Wohnheim. Besonders in zwei Städten müssen sie viel zahlen.

Von Alma Dewerny

Die Suche nach einem WG-Zimmer kann für Studierende aufwendiger sein, als für die Klausuren zu lernen. Sie scrollen im Internet durch Angebote, die sie sich ohnehin nicht leisten können. Sie fragen Freunde und posten ihr Anliegen in den sozialen Medien, jedem Hinweis müssen sie folgen - und das dauert. Denn was sie suchen, ist immer schwerer erreichbar: ein bezahlbares Zimmer in einer Wohngemeinschaft.

Seit dem Sommersemester 2019 sind die Mieten bundesweit um 21 Prozent gestiegen, in den Unistädten sogar um 26 Prozent. Dies berichtet das Berliner Beratungs- und Forschungsinstitut Empirica, das Regionaldatenbanken auswertet, um die Wohnungs- und Immobilienmärkte zu untersuchen. Das Unternehmen erstellt zum Beginn jedes Semesters eine Übersicht über die Mietpreise für Zimmer in einer Wohngemeinschaft, basierend auf Mietinseraten. Das Ergebnis: Ein WG-Zimmer kostet im aktuellen Semester 485 Euro im Monat.

Bei WGs können Vermieter den Preis mit jedem neuen Einzug anpassen

Besonders teuer sind WG-Zimmer in den großen Städten. Wer im Sommersemester in Berlin oder Hamburg studiert, zahlt durchschnittlich 598 Euro. Teurer lebt es sich nur in München, der kostspieligsten WG-Stadt. Dort beträgt die Miete für ein unmöbliertes Zimmer durchschnittlich 700 Euro. Ein Weg, in München günstig zu wohnen, ist das Wohnheim über das Studierendenwerk in München - aktuell stehen auf der Warteliste 9233 Menschen.

Verglichen dazu kann einem Leipzig fast schon günstig vorkommen: Dort kostet ein WG-Zimmer 425 Euro. "Berlin ist teuer, Leipzig ist inzwischen beliebt, die Stadt hatte ein niedriges Niveau der Mieten", sagt Christian Oberst vom Institut der deutschen Wirtschaft. Doch seit 2019 sind die Preise in Leipzig für WG-Zimmer um 52 Prozent gestiegen. Am günstigsten sind Nürnberg, Braunschweig und Siegen.

Allgemein ist der Wohnungsmarkt zurzeit angespannt. Die Zinsen sind hoch, die Baupreise steigen. "Menschen, die sich ein Eigenheim kaufen könnten, bleiben in den Mietwohnungen", sagt Oberst. Gleichzeitig werde weniger neu gebaut. Weil die Nachfrage nach Mietwohnungen höher ist, steigen die Preise.

Dabei haben Wohngemeinschaften einen Vorteil für Vermieter: Sie können die Mieten mit jedem neuen Einzug anpassen. "Bei den Studierendenwohnungen gibt es häufig Mieterwechsel, das ist zwar Arbeit für den Vermieter, aber er kann jede Neuvertragsmiete grundsätzlich erhöhen", sagt Oberst. Bei einer Person, die schon seit zehn Jahren in einer Wohnung lebt, sei das nicht so einfach. Da können die Preise nur an den Mietspiegel angepasst werden.

Die Suche nach einem Zimmer verändert sich

Die Suche nach einem Zimmer wird also komplizierter. In immer weniger Unistädten konnte das Forschungsinstitut Inserate auswerten. Bundesweit liefern nur noch 35 Uni-Städte relevant viele WG-Inserate. "Offenbar ist der Markt für WGs eingefroren", schlussfolgert Emperica. Zumindest werden immer seltener Angebote online ausgeschrieben.

Diese Entwicklung beobachtet auch Oberst: "Wer einen großen Bekanntenkreis hat, bekommt schneller ein Zimmer." Der informale Markt nehme zu. Für die Studierenden, die auf der Suche nach einem Zimmer sind, dürfte das keine Überraschung sein. Sie fragen im Zweifel auch im Vorlesungssaal oder in der Schlange im Club: Kennt hier jemand jemanden, der jemanden kennt, der mir ein günstiges WG-Zimmer vermieten kann?

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