Virtual-Reality:Facebook und die Wette auf die Zukunft

Founder of Facebook Mark Zuckerberg attends the presentation of the new Samsung mobile generation

Mark Zuckerberg will die reale Welt durch Augmented Reality (AR) und mit virtueller Realität (VR) mischen.

(Foto: imago/Agencia EFE)

Eine Welt, zusammengemixt aus virtuellen und realen Inhalten - ist das die Zukunft des Internets? Die Tech-Branche glaubt fest daran. Doch noch ist vieles unklar.

Kommentar von Helmut Martin-Jung

Der Coup war gelungen: Während die Teilnehmer von Samsungs Präsentation bei der großen Mobilfunkmesse in Barcelona alle mit ihren klobigen, Taucherbrillen ähnlichen Geräten in eine virtuelle Welt entführt wurden, schlich sich unsichtbar für sie jemand auf die Bühne: Mark Zuckerberg. Der Facebook-Chef war auch damals, 2016, längst nicht mehr unumstritten, doch der Popstar-Status dominierte. Bald schon, verkündete er, würden die Großeltern ihre Enkel quasi live erleben: Mit Virtual-Reality-Brillen vor den Augen. Tschüss, langweilige Bildtelefoniererei, willkommen virtuelle Welt. Fast schon wie das Beamen auf dem Raumschiff Enterprise.

Mittlerweile ist das fünfeinhalb Jahre her, aber zwei Dinge sind geblieben: Die Großeltern sehen ihre entfernt lebenden Enkel nach wie vor zweidimensional, wenn sie denn die Technik überhaupt nutzen. Und Mark Zuckerberg redet immer noch von virtuellen Welten (VR) und davon, die reale Welt durch Augmented Reality (AR), also eine erweiterte Realität, zu bereichern. Was sich allerdings verändert hat: Der Hype um dieses VR/AR-Ding. Er ist noch größer geworden.

Mittlerweile spricht man vom Metaverse, einer Mischung also aus vielen miteinander verbundenen virtuellen und realen Erlebnissen. Von nichts Geringerem als einer Entwicklung, die das Zeug habe zu verändern oder gar zu ersetzen, wie wir das Internet nutzen.

Wenn einem der Tonfall solcher Visionen bekannt vorkommt, kann das an zwei Dingen liegen: Zum einen ist es das Standardverfahren, Investoren Geld aus den Rippen zu leiern. Unter Weltverändern geht da in der Regel nichts. Wenn alles klappt, kann man mit den vielen Millionen oder gar Milliarden tatsächlich etwas entwickeln, das dieses Versprechen zumindest ein bisschen einhält. Und sich selber darin natürlich eine gute Ausgangsposition verschaffen. Zum anderen gab es ja schon mal etwas, das versprach, große Teile des Lebens in eine Art zweites Leben zu verfrachten: Second Life, so hieß die Plattform, die so kläglich einging, wie sie vollmundig gestartet war.

Doch wäre es zu früh, das Metaverse schon abzuschreiben. Manche Dinge brauchen einfach ihre Zeit. Dass das iPhone ein solcher Erfolg wurde, lag auch daran, dass die Zeit dafür reif war. Alle Technologien wie Chips, Akkus, Bildschirme und dann auch das mobile Internet hatten den nötigen Entwicklungsstand erreicht, Apples glückliches Timing, gepaart mit dem Perfektionismus von Steve Jobs - das Ergebnis dieser Mixtur überzeugte die Konsumenten, die ein leicht benutzbares Smartphone heiß ersehnt hatten. Die Frage ist nun, wie schaut es diesbezüglich beim Metaverse aus?

Um eintauchen zu können in die virtuelle Welt braucht es ja technische Hilfsmittel. Die sind allerdings bislang noch eher klobig, die Auflösung lässt auch zu wünschen übrig. Abhilfe versprechen Technologien wie 5G. Der schnelle Funk macht es möglich, die Berechnung der künstlichen Welten von schnellen Computern erledigen zu lassen. Die Brillen bestehen dann im Prinzip bloß noch aus Bildschirmen samt Akku, die über Funk möglichst verzögerungsfrei mit Inhalten versorgt werden.

Werden die Menschen die Brillen auch länger aufsetzen wollen?

Aber werden die Menschen, mal angesehen von beruflichen Anwendungen, die es heute schon gibt, solche Brillen auch länger aufsetzen wollen? Das wird nicht alleine davon abhängen, ob die Technik zufriedenstellend genug funktioniert. Das wird auch davon bestimmt, ob die neuen Welten abseits des natürlich vorhandenen ersten Aha-Erlebnisses so viel Mehrwert bringen wie etwa das Smartphone.

Facebook, Apple, Microsoft, Google und viele andere sind sich dessen sicher. Alleine bei dem sozialen Netzwerk arbeiten inzwischen Tausende daran, und es sollen noch mehr werden. Investoren wetten gigantische Summen auf die Projekte - natürlich in der Hoffnung, dass ihr Pferd bei diesem Rennen am Ende vorne dabei sein wird. Noch aber ist ziemlich unklar, wo eigentlich das Ziel dieses Rennens liegt. Zumindest fraglich ist auch, ob sich die Menschen wünschen, dass das Metaverse von Firmen wie Facebook aufgebaut und beherrscht wird. Und: Wetten kann man auch verlieren.

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