Shrinkflation:Edeka geht gegen Mogelpackungen vor? Nur in der Theorie.

Shrinkflation: Foodwatch fordert die Bundesregierung auf, eine Kennzeichnungspflicht für die sogenannte Shrinkflation einzuführen.

Foodwatch fordert die Bundesregierung auf, eine Kennzeichnungspflicht für die sogenannte Shrinkflation einzuführen.

(Foto: André Hirtz/IMAGO/Funke Foto Services)

Weniger Inhalt, höherer Preis: In der Edeka-Zentrale liegen Warnhinweise auf versteckte Preiserhöhungen bereit. Doch die möchte in den Filialen keiner anbringen.

Von Michael Kläsgen

In der Zentrale von Edeka liegen sie parat: Aufkleber und Etiketten, mit denen der Lebensmittelkonzern seine Kunden an den Regalen vor Shrinkflation warnen könnte. Shrinkflation, das ist eine Wortschöpfung aus shrink und inflation. Damit wird ein für Kundinnen und Kunden besonders ärgerliches Phänomen beschrieben: Der Verpackungsinhalt schrumpft (shrink), der Preis bleibt gleich oder steigt (inflation). Und zwar so, dass der Verbraucher das kaum merkt.

Eines dieser Warnhinweisschilder ist kreisrund, groß wie der Deckel einer Konservendose und mit knallig roter Schrift versehen. Darauf steht: "Das Produkt wurde vom Hersteller im Inhalt reduziert und der Preis erhöht." Zwar legt der Händler faktisch den Preis fest. Aber für Edeka sind die Hersteller die Übeltäter, also etwa Nestlé, Mondelez oder Unilever. Auf Instagram hat der kreisrunde Preis-Pranger Zehntausende Likes. "Sollte jeder Supermarkt so haben", steht oben drüber. Hat aber so gut wie keiner.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch fragte Mitte November stichprobenhaft bei 50 Edeka-Filialen in ganz Deutschland nach, ob sie ihre Kunden am Regal über Shrinkflation informieren. Das Ergebnis: "Kein einziger Supermarkt bejahte dies, der Großteil der Märkte wusste nicht einmal etwas vom Vorhaben der Zentrale", sagte eine Foodwatch-Sprecherin. Acht Märkte hätten die Vorlage grundsätzlich abgelehnt.

Eine reine "Image-Kampagne"?

Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung räumte Edeka ein, leider nicht zu wissen, wer von den selbständigen Kaufleuten diese Vorlagen aufgegriffen hat. Edeka sei ein genossenschaftlicher Verbund, der von etwa 3500 selbständigen Kaufleuten getragen werde. Diese könnten selbst über alle unternehmerischen Fragen entscheiden. Eine Auswahl von 50 Supermärkten sei aus Edekas Sicht nicht repräsentativ.

Edeka hatte im September erstmals öffentlich erklärt, an den Regalen vor versteckten Preiserhöhungen warnen zu wollen. Carrefour in Frankreich tut das seit Längerem. Armin Valet von der Hamburger Verbraucherzentrale, die seit Jahren die "Mogelpackung des Monats" vorstellt, vermutete schon damals eine reine "Image-Kampagne" Edekas. Foodwatch-Experte Manuel Wiemann sieht die Vermutung jetzt bestätigt und spricht von einem "reinen PR-Stunt".

Aber stimmt das? Laut Edeka hat der zum Konzern gehörende Discounter Netto Marken-Discount Hinweise auf Shrinkflation bereits in vielen Netto-Filialen in verschiedenen Regionen getestet und positives Feedback von den Kunden bekommen. Allerdings machen weder Edeka noch Netto Angaben zur Anzahl der Filialen oder Dauer der Nutzung. Und pikant: Auf der Hamburger Mogelpackungsliste werden derzeit vier Lebensmittel-Eigenmarken von Edeka aufgeführt.

Foodwatch fordert die Bundesregierung auf, eine Kennzeichnungspflicht für Shrinkflation einzuführen. Die Organisation hat dazu eine Petition initiiert. Zehntausende sollen sie bereits unterschrieben haben. Laut einer Umfrage seien so gut wie alle Bundesbürger dafür, versteckte Preiserhöhungen zu kennzeichnen.

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