DWS:Verdacht auf Greenwashing bei der Deutsche-Bank-Tochter

DWS: DWS-Schriftzug am Firmensitz der Fondsgesellschaft in Frankfurt.

DWS-Schriftzug am Firmensitz der Fondsgesellschaft in Frankfurt.

(Foto: RALPH ORLOWSKI/REUTERS)

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt durchsucht erneut Geschäftsräume der Fondsgesellschaft DWS in Frankfurt. Es ist die zweite Razzia binnen drei Wochen.

Von Meike Schreiber, Frankfurt

Ermittler der Staatsanwaltschaft Frankfurt und Beamte des Bundeskriminalamtes (BKA) haben am Donnerstag erneut die Geschäftsräume der Fondsgesellschaft DWS in Frankfurt durchsucht. Es geht um die andauernden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kapitalanlagebetrugs (hier Greenwashing). Die Frankfurter Staatsanwaltschaft teilte mit, die Behörde vollstrecke damit einen Durchsuchungsbeschluss vom 30. Januar. Die Maßnahme, an der drei Staatsanwälte und 30 BKA-Beamte beteiligt seien, dauerte am Donnerstag noch an. Ein Sprecher der DWS sagte, man werde weiter vollständig mit den Behörden zusammenarbeiten, um diese Untersuchung so schnell wie möglich zu klären. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft bestätigte die nach wie vor bestehende Kooperationsbereitschaft der DWS.

Es ist indes bereits die zweite Visite der Behörden innerhalb von rund drei Wochen. Erst Mitte Januar hatten rund 50 Ermittler der DWS einen Besuch abgestattet. Damals hatte die Staatsanwaltschaft erklärt, die Durchsuchung habe der weiteren Aufklärung der Vorwürfe gedient. Anders als im Januar kamen die Ermittler dieses Mal - just am Tag der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank - allerdings ohne Vorankündigung. Das wirft nun die Frage auf, ob die DWS wirklich so gut kooperiert, wie sie sagt, oder ob es der Justiz eher darum geht, auf dieses Weise eine höhere Strafzahlung "herauszuverhandeln", wie Konzerninsider vermuten.

Der Ursprung der DWS-Affäre liegt bereits drei Jahre zurück. Anfang 2021 hatte Desirée Fixler, die frühere Nachhaltigkeitschefin der DWS zunächst intern bemängelt, die Fondsgesellschaft verkaufe sich zu nachhaltig. Kurz darauf aber ließ die DWS nicht nur ihren Vertrag auslaufen, sondern lancierte zudem ein Memo an die Medien, indem angedeutet wurde, es habe ihr an "Zugkraft" gefehlt. Die Amerikanerin sah ihre Reputation zerstört und wandte sich im Sommer 2021 an das Wall Street Journal. Daraufhin nahmen mehrere US-Behörden und auch die deutsche Finanzaufsicht und die Frankfurter Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Die Fondsgesellschaft hatte schon Ende Mai 2022 erstmals Besuch von Ermittlern bekommen, was den damaligen DWS-Vorstandschef Asoka Wöhrmann schließlich das Amt kostete. Damals durchsuchten Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der Finanzaufsicht Bafin und des BKA nicht nur die Firmenzentralen der DWS, sondern auch des Mutterkonzerns, der Deutschen Bank. Seit einem Jahr wird nicht mehr nur gegen Unbekannt, sondern auch gegen Wöhrmann persönlich ermittelt. Wöhrmann, der inzwischen Chef des Augsburger Immobilienunternehmens Patrizia ist, hat die Vorwürfe stets bestritten, ebenso wie die DWS. Mit Greenwashing ist Etikettenschwindel bei Angaben zu Nachhaltigkeitsaspekten von Investmentfonds gemeint. Stefan Hoops, Wöhrmanns Nachfolger an der Spitze der DWS, hatte zumindest "überschwängliches" Marketing eingestanden und versprochen, die Nachhaltigkeitsprozesse zu verbessern.

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