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Deutsche Bank:Warum Trumps Schulden bei der Deutschen Bank ein Problem sind

Model plane builder Otto Dieffenbach III makes his remote control plane resembling U.S. Presidential candidate Donald Trump release fake money as it flies over the beach in Carlsbad, California

Jemand hat ein Modellflugzeug gebaut, das aussieht wie Donald Trump. Manche US-Banken wollten seine Geschäfte angeblich nicht mehr finanzieren.

(Foto: REUTERS)

Das Institut soll Donald Trump Milliarden geliehen haben. Außerdem verhandelt es gerade mit der US-Regierung um sehr viel Geld. Ein Interessenkonflikt für den zukünftigen US-Präsidenten?

Von Claus Hulverscheidt und Meike Schreiber, New York/Frankfurt

Gut möglich, dass Marcus Schenck, der Finanzvorstand der Deutschen Bank, ein wenig erleichtert war, nachdem er diese Fachkonferenz am Montag unfallfrei hinter sich gebracht hatte. Es ging ja durchaus um die vielen Probleme, in denen sein Haus dieser Tage steckt, um das Geschäftsmodell, die Folgen des britischen EU-Austritts, die Digitalisierung. Aber ein naheliegendes Thema war in der Fragerunde erstaunlicherweise ausgelassen worden: Donald Trumps Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl. Schenck ließ jede Gelegenheit verstreichen, ein paar Dinge anzumerken, zurechtzurücken. Auch im Anschluss wehrte er alle Fragen ab: kein Kommentar!

Dabei beflügelt derzeit keine Frage so sehr die Fantasie der Finanzwelt wie die, welche Beziehung Deutschlands größtes Geldhaus eigentlich zum nächsten US-Präsidenten pflegt - und was beider Nähe nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für Trump bedeutet.

Schon seit vielen Jahren ist die Deutsche Bank einer von Trumps größten Geldgebern. Nach einem Bericht des Wall Street Journals hat das Institut dem Immobilienmagnaten seit 1998 etwa 2,5 Milliarden Dollar geliehen. Allein für den Umbau des altehrwürdigen Washingtoner Postgebäudes in ein Hotel erhielt er zuletzt 170 Millionen Dollar, für die Anlage eines Golfplatzes in Miami weitere 125 Millionen. Derzeit soll der Unternehmer bei der Bank noch mit 350 Millionen Dollar in der Kreide stehen. Die meisten US-Häuser hingegen, von Goldman Sachs über Citigroup bis Morgan Stanley, sollen Trump längst den Rücken gekehrt haben - nach zahllosen Rechtsstreitigkeiten und geplatzten Geschäften.

"Ja, Trump ist unser Kunde"

Offiziell lehnt die Deutsche Bank jede Stellungnahme zu ihrem prominenten Geschäftspartner ab. Unter der Hand heißt es zumindest: "Ja, Trump ist unser Kunde." Zu Art und Umfang der Geschäftsbeziehungen will man allerdings auch in Unternehmenskreisen nichts sagen, auch nicht zu Gerüchten, wonach sich die Investmentbanker des Finanzhauses schon seit Langem weigern, Geschäfte mit dem unsteten Geschäftsmann abzuschließen - während die Kollegen in der Vermögensverwaltung bis heute treu an ihm festhalten.

Aus Sicht von Richard Painter, Jura-Professor an der Universität von Minnesota, ist Trumps enge Beziehung zur Deutschen Bank ein "Riesenproblem" für den künftigen Präsidenten. "Niemand weiß genau, wie viel Geld er welchem Finanzhaus schuldet. Und deshalb weiß auch niemand genau, wie stark er von wem abhängig ist", sagt Painter. "Da kann man schon fragen, ob er und seine Minister sich mit der nötigen Konsequenz um die Regulierung der Finanzindustrie kümmern können."

Sollte sich die Bank doch noch schnell mit Obama einigen?

Die Frage ist mit Blick auf die Deutsche Bank vor allem deshalb brisant, weil das Geldhaus derzeit mit der noch amtierenden Regierung von Präsident Barack Obama über die Höhe einer Geldstrafe für den Verkauf drittklassiger Hypothekenpapiere an ahnungslose US-Kunden feilscht. Das Justizministerium unter Leitung von Loretta Lynch war im September mit einer Forderung von 14 Milliarden Dollar in die Vergleichsverhandlungen gegangen.

Obwohl sich Konzernchef John Cryan persönlich in die Gespräche einschaltete, reduzierten die Beamten diese Zahl auch in einer zweiten Runde nur unwesentlich. Für die Bank jedoch wäre jede zweistellige oder hohe einstellige Milliardensumme ein ernstes finanzielles Problem. Hinter den Kulissen wurde deshalb bereits geraunt, ob Cryan die seit zwei Monaten andauernden Gespräche nicht einfach weiter in die Länge ziehen und abwarten sollte, bis Ende Januar sein Geschäftspartner Trump und dessen Minister die Arbeit aufnehmen. Schließlich könnte das ja möglicherweise helfen.

Die Bank selbst und auch die meisten Beobachter sind jedoch skeptisch, ob das tatsächlich eine sinnvolle Strategie wäre. "Wir wollen dieses Thema auf jeden Fall vor dem Regierungswechsel abschließen" heißt es in Unternehmenskreisen, schließlich sei völlig ungewiss, ob die Dinge unter Trump wirklich einfacher würden. "Je mehr die Medien über die Möglichkeit eines Deals zwischen Trump und der Deutschen Bank berichten, desto größer wird die Gefahr, dass die Strafe am Ende hoch ausfällt - und sei es nur, weil Trump unter Beweis stellen muss, dass es eben keinen Interessenkonflikt gibt", sagt ein Insider.

Die Aktie der Deutschen Bank hat seit Trumps Wahlsieg zugelegt

Eine Meinung, der sich auch unabhängige Beobachter anschließen. "Für Trump könnte es ein Problem werden, wenn seine Regierung einer Zahl zustimmen würde, die dramatisch unter der liegt, die Loretta Lynch aufgerufen hat", sagt Jura-Professor Painter. Und die Analysten der britischen Barclays Bank glauben gar, dass es für die Deutsche Bank und andere betroffene Institute deutlich günstiger sein könnte, sich noch mit der Regierung Obama zu einigen. Schließlich schieden viele leitende Mitarbeiter des Justizministeriums demnächst aus der Regierung aus. Sie könnten deshalb, so das Argument, um eines letzten Erfolgs willen bereit sein, sich rasch mit den betroffenen Geldhäusern zu verständigen - selbst um den Preis einer deutlich niedrigeren Strafzahlung.

Tatsächlich hat die Aktie der Deutschen Bank, die zuvor binnen Jahresfrist um fast die Hälfte eingebrochen war, seit Trumps Wahlsieg mehr als 20 Prozent an Wert zugelegt. Dahinter steckt allerdings, vermuten Experten, weniger die Hoffnung auf eine niedrigere Geldstrafe als die Aussicht auf eine generelle Lockerung der Bankenregeln. Ob es dazu kommt und wie stark ausländische Institute davon profitieren würden, ist allerdings noch völlig ungewiss.

Der Präsident darf Kredite haben - mit einer Ausnahme

So ungewiss wie die Antwort auf die Frage, ob und wie Trump den Interessenkonflikt, in dem er steckt, lösen wird.

Painter glaubt, dass der künftige Präsident sein gesamtes Firmenimperium verkaufen oder an die Börse bringen müsste, um über jeden Verdacht erhaben zu sein. "Dann könnte er alle Kredite ablösen und sich den Rest des Geldes in die Tasche stecken", sagt der Jura-Professor und verweist auf eine Gesetzeslücke: "Würde Trump Finanz- oder Justizminister, müsste er sich von seinen Immobilienfirmen trennen. Nur für den Präsidenten und den Vizepräsidenten gibt es keine solche Bestimmung." Mit einer Ausnahme: Der US-Staatschef darf keine Schulden bei einem Kreditinstitut haben, das einer ausländischen Regierung gehört.

Sollte die Deutsche Bank also einmal in Schieflage geraten und von der Bundesregierung vorübergehend verstaatlicht werden, hätte der Präsident Trump ein veritables Problem.

© SZ vom 15.11.2016/mahu

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