Börsen:Der Terror macht die Märkte nervös

Börsen: Die Frankfurter Börse

Die Frankfurter Börse

(Foto: STAFF/REUTERS)

Die Reaktionen an den Börsen auf die Angriffe in Israel sind zunächst verhalten. Allerdings treiben Versorgungsängste Öl- und Gaspreise nach oben. Die israelische Landeswährung gerät unter Druck.

Der Angriff der radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas auf Israel hat die Anleger an den Aktienmärkten am Montag zwar nervös gemacht, die Reaktionen waren jedoch zunächst verhalten. In Frankfurt gab der deutsche Leitindex Dax bis zum Handelsschluss um 0,7 Prozent nach, auf europäischer Ebene verlor der Euro Stoxx 50 0,8 Prozent. In New York notierte der Leitindex Dow Jones zur Handelsmitte nur leicht im Minus. "Die Welt hat den nächsten Krieg und die Börse einen weiteren Faktor Unsicherheit", sagte Jürgen Molnar, Analyst vom Broker Robo-Markets. "Am Aktienmarkt halten sich die Kursverluste zwar noch in Grenzen. Über den Weg teureren Öls und damit steigender Inflationssorgen und Druck auf den Rentenmarkt muss sich aber wohl oder übel auch die Börse in den kommenden Tagen mit dem Thema beschäftigen."

An der Börse in Tel Aviv erholte sich der TA-35-Index wieder etwas von seinen Verlusten, nachdem er am Sonntag um sieben Prozent eingebrochen war. Inzwischen gab der israelische Schekel weiter nach. Die Zentralbank des Landes will zur Stabilisierung der unter Druck geratenen Währung erstmals ihre Devisenvorräte anzapfen. Fremde Währungen im Wert von bis zu 30 Milliarden Dollar könnten dazu auf dem freien Markt verkauft werden, teilten die Währungshüter am Montag mit. Der stabilisierende Effekt der angekündigten Stützungskäufe verpuffte allerdings. Im Gegenzug steigt der Dollar um bis zu 2,4 Prozent auf 3,9316 Schekel, den höchsten Stand seit mehr als siebeneinhalb Jahren.

Am Ölmarkt verteuerten sich die Nordsee-Rohölsorte Brent und die US-Sorte WTI in der Spitze um jeweils mehr als fünf Prozent auf 89 Dollar beziehungsweise 87,25 Dollar je Barrel (159 Liter). Damit wurden die kräftigen Verluste im Zusammenhang mit dem Treffen des Ölkartells Opec+ am vergangenen Mittwoch größtenteils wieder wettgemacht. Die Anleger versuchten noch, einzuschätzen, welche Auswirkungen die Kämpfe auf die weltweite Ölversorgung hätten, hieß es bei den Analysten. Entscheidend sei dabei, ob andere Länder in der wichtigen Ölförderregion in den Konflikt hineingezogen würden. Die Investoren deckten sich im Gegenzug mit als "sichere Häfen" geltende Anlagen ein: Gold verteuerte sich um 1,1 Prozent auf 1852 Dollar je Feinunze, der Dollar war gefragt, entsprechend gab der Euro um ein halbes Prozent auf 1,0520 Dollar nach. "Wenn irgendwo auf der Welt ein Krieg ausbricht, halten es die Investoren für eine gute Idee, die US-Devise im Portfolio zu haben", sagte Ulrich Leuchtmann, Devisen-Experte bei der Commerzbank.

Europäisches Gas TTF verteuerte sich um knapp 15 Prozent auf 43,95 Euro je Megawattstunde. Am Markt wurde zum einen auf eine Gaspipeline zwischen Finnland und Estland verwiesen, die am Wochenende wegen eines Druckabfalls geschlossen wurde. Ein Leck wird nach Angaben des finnischen Betreibers für möglich gehalten. Obwohl der Vorfall bisher keine Bedrohung der europäischen Gasversorgung darstellt, verdeutlicht er die Anfälligkeit des Versorgungsnetzes. Zum anderen nannten Marktteilnehmer den Angriff der islamistischen Hamas auf Israel als Grund für die Preisaufschläge.

Angesichts von Spekulationen über eine weitere Eskalation des Nahost-Konflikts stiegen Anleger bei Rüstungswerten ein. Die Aktien von Rheinmetall, BAE Systems und Thales kletterten um bis zu sechs Prozent, die Titel des Militärsoftware-Spezialisten Hensoldt zogen zeitweise um 13 Prozent an. Aus den Depots flogen dagegen die Papiere von Airlines. Wegen der Kämpfe in Israel fliegen zahlreiche Fluggesellschaften ihre dortigen Ziele vorerst nicht mehr an. Außerdem droht ein Anstieg der Treibstoffpreise, die ein großer Kostenfaktor sind.

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