Apple:China ist iPhone-müde

Apple: Teilnehmer bei der Vorstellung der neuen iPhone-Generation in der Apple-Zentrale in Cupertino, Kalifornien.

Teilnehmer bei der Vorstellung der neuen iPhone-Generation in der Apple-Zentrale in Cupertino, Kalifornien.

(Foto: Justin Sullivan/Getty Images via AFP)

Das iPhone 15 verkauft sich offenbar nicht so gut wie das Vorgängermodell. Das liegt auch an überraschender Konkurrenz.

Von Helmut Martin-Jung, München

Die übliche Show, die üblichen Superlative - natürlich war Apple bei der Vorstellung des jüngsten iPhones der Meinung, das iPhone 15 sei das Beste, das man jemals entwickelt habe. Doch die Käufer sind nicht mehr so leicht zu überzeugen wie früher. Früher machten Smartphones noch große Verkaufssprünge von einer zur nächsten Generation. Aber diese Schritte werden von Jahr zu Jahr kleiner. Dies ist aber nur ein Grund, warum Apples jüngstes iPhone sich ganz offenbar weniger gut verkauft als erwartet.

Ein anderer Grund liegt an einem Konkurrenten und einem speziellen Markt: China. Der chinesische Hersteller Huawei, stark ausgebremst durch die amerikanischen Sanktionen, hat etwas geschafft, was man dem Unternehmen eigentlich nicht zugetraut hatte. In Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partner hat das Unternehmen eigene Funkchips für das 5-G-Mobilfunknetz entwickelt, nachdem die Regierung in Washington die Lieferung solcher Chips aus den USA untersagt hatte. Dass Huaweis Smartphone-Flaggschiff Mate 60 Pro nun einen 5-G-Chip an Bord hat, rief sogar den amerikanischen Sicherheitsberater auf den Plan.

In China kommen zwei Dinge zusammen

Wie Huawei das auch immer geschafft hat - die chinesischen Kunden scheinen es zu honorieren und greifen offenbar bevorzugt zum heimischen Produkt. Die Marktforscher von Counterpoint schätzen, dass die Verkaufszahlen des iPhone 15 auf dem chinesischen Markt in den ersten 17 Tagen nach Verkaufsstart um 4,5 Prozent niedriger liegen als im gleichen Zeitraum nach dem Verkaufsstart des Vorgängermodells iPhone 14. Ein anderer Analyst rechnet sogar mit einem zweistelligen Rückgang der Verkaufszahlen in China. Immerhin: In den USA, dem vor China wichtigsten Markt von Apple, läuft das Geschäft mit der neuen iPhone-Generation gut.

In China kommen dagegen zwei Dinge zusammen: Zum einen erholt sich das Land noch immer von dem Abschwung, den die Pandemie ausgelöst hatte. Zum anderen trifft nun auch Apple auf Widerstand bei der chinesischen Führung. Die hatte es Regierungsangestellten "aus Sicherheitsgründen" untersagt, iPhones zu benutzen. Apple-CEO Tim Cook zögerte nicht lange und reiste nach China, wo ihm Handelsminister Wang Wentao versicherte, dass China Apple weiterhin willkommen heiße.

Apple selbst veröffentlicht keine Zahlen zu den Verkäufen. Neben den Schätzungen von Marktforschungsunternehmen deutet aber auch der jüngste Quartalsbericht der Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) darauf hin, dass es derzeit weniger gut läuft. TSMC ist der größte Chiphersteller der Welt und fertigt auch die von Apple entwickelten Chips. Das Unternehmen verbuchte einen deutlichen Umsatzrückgang und führt das auch auf eine geringere Nachfrage nach Produkten der Consumer-Elektronik zurück. Nun ist Apple nicht der einzige Hersteller von Consumer-Elektronik.

Ganz generell gibt es einen Trend, Smartphones länger zu nutzen als früher. Zum einen aus Nachhaltigkeitsgründen, zum anderen - und zahlenmäßig vermutlich bedeutsamer - weil man die teuren Gerätschaften nicht schon nach einem oder zwei Jahren ersetzen will. Schließlich sind neuere Smartphones ihren Vorgängern technisch nur noch kleine Schritte voraus, da sparen sich viele angesichts der Inflation die Ausgaben für Handys.

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