Aldi, Netto, & Co. Discounter verschärfen Preiskampf

Aldi senkt die Preise und fast alle machen mit.

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Aldi wird billiger, Netto macht es nach. Während die Kunden glücklich sind, spricht die Konkurrenz von Wertvernichtung. Der harte Wettbewerb trägt zum Preisverfall bei. Manche Ökonomen sind besorgt.

Der Unterbietungswettbewerb im Einzelhandel wird noch extremer: Die Discounter Aldi und Norma senken erneut die Preise einiger Grundnahrungsmittel. Die Ketten sind so einflussreich, dass ihr Preissenkungen Einfluss auf die Inflation im ganzen Land haben.

Ab sofort würden verschiedene Säfte, Margarine, Mayonnaise und Fischprodukte billiger verkauft, hatte Marktführer Aldi mitgeteilt. Wann immer es die Marktsituation zulasse und die Rohstoffpreise sinken, werde dies an die Kunden weitergegeben. Kurz darauf kündigte auch Rivale Norma an, in seinen Läden die Preise für ähnliche Produkte zu senken. Auch Netto zog mit. Zuletzt hatten die Einzelhändler die Preise von Rind-, Hähnchen- und Putenfleisch gedrückt. Angeführt von Aldi haben die Discounter in diesem Jahr bereits mehrfach die Preise gesenkt.

Der zweitgrößte Discounter Lidl hatte dies zuletzt offen kritisiert. Auch Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe hatte sich gegen eine weitere Verschärfung des Preiskampfs gewandt. Rewe-Chef Alain Caparros kritisierte dies als Wertvernichtung. Dennoch sieht der Handelsriese keine Chance, sich den Preissenkungen zu entziehen. "Im Discount gibt es keinen Millimeter Platz. Die Verbraucher reagieren massiv auf Preisunterschiede", sagte Vorstand Manfred Esser. Wer nicht mitziehe, müsse mit Umsatzeinbußen rechnen.

Angst vor Deflation in der Euro-Zone

Der Wettbewerb der Discounter trägt stark dazu bei, dass die Inflation in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit dreieinhalb Jahren gefallen ist. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März nur noch um 1,0 Prozent zum Vorjahr, hatte das Statistische Bundesamt am Freitag mitgeteilt. Das sei der niedrigste Wert seit August 2010. "Der harte Konkurrenzkampf im Lebensmittelhandel dämpft die Preise", erklärte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen.

Damit wächst in der Euro-Zone die Angst vor Deflation. Darunter verstehen Ökonomen einen Preisverfall auf breiter Front, der Investitionen und Konsum ausbremst. Dabei drosseln Verbraucher ihren Konsum, weil sie erwarten, dass die Preise stetig weiter fallen. Das kann die Wirtschaft abwürgen.

In Spanien sind die Preise erstmals seit Jahren sogar wieder gefallen. Das könnte die Europäische Zentralbank (EZB) alarmieren. Sie entscheidet am Donnerstag über die Leitzinsen und den Einsatz weiterer Instrumente, um die Preisstabilität zu sichern. Je niedriger der Leitzins, dest einfacher vergeben Banken theoretisch Kredite, was wieder zu mehr Konsum führen und die Deflation dämpfen soll.

EZB-Präsident Mario Draghi sagte jedoch kürzlich, er sehe für den Euro-Raum eine längere Phase niedriger Inflation, jedoch keinen Preisverfall auf breiter Front. Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte, die Euro-Zone befinde sich nicht in einem Deflations-Zyklus. Er warnte die EZB, sie solle auf die fallende Teuerungsrate nicht überreagieren.