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Agrar:Mobiler Schlachtanhänger bleibt bisher Unikat in Hessen

Agrar
Ein Haken liegt auf der Rampe der mobilen Schlachteinheit. Foto: Uwe Zucchi/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Kassel/Friedberg (dpa/lhe) - Nach einer erfolgreichen Testphase ist eine in Hessen entwickelte Schlachtmethode für Rinder alltagstauglich. Die sogenannte teilmobile Schlachtung habe die Erwartungen erfüllt, sagte Andrea Fink-Keßler vom Büro für Agrar und Regionalentwicklung in Kassel: "Jetzt geht es darum, sie wirtschaftlich zu betreiben." Das Prinzip ist, durch einen mobilen Schlachtanhänger stressige Tiertransport zum Schlachthof überflüssig zu machen. Doch bisher gibt es nur ein Exemplar des Anhängers.

Vor rund einem Jahr war das Projekt "Extrawurst" vorgestellt worden. Dabei kommt der Schlachter mit einem eigens entwickelten Schlachtanhänger auf den Hof des Landwirts. Laut EU-Hygieneverordnung müssen Tiere lebend in die Schlachthöfe gebracht werden. Um diese Bedingung zu erfüllen, wird das Rind mit einem Bolzenschussgerät auf dem Hof betäubt und mit einer Seilwinde in den Anhänger gezogen. Dort setzt der Schlachter die tödlichen Schnitte. Juristisch gesehen gilt der Anhänger als Teil des Schlachtbetriebs. Allerdings muss das Rind innerhalb einer Stunde in den Schlachthof gebracht werden.

Finanziert wurde das Projekt von der EU und dem Land Hessen mit 170 000 Euro. Im September endete es. Mit den Erfahrungen aus dem Projekt sei der Anhänger verbessert worden, erklärte Fink-Keßler. Beispielsweise zieht eine neue Winde die betäubten Tiere schneller ins Innere, um die vorgeschriebenen Fristen einzuhalten. Während der Testphase fuhr der Anhänger Höfe in Süd- und Nordhessen an - das sei auf Dauer aber nicht möglich. Jetzt ist er fest in der Wetterau.

"Die Erfahrung mit dem Schlachtmobil sind ausgesprochen gut", sagte Michael Elsaß, Sprecher des Wetteraukreises. Seit Oktober 2019 werde es von einem Direktvermarkter aus Wöllstadt für seine Limousinbullen genutzt. Außerdem habe ein Halter von Wagyurindern aus Niddatal eine erste Testschlachtung durchgeführt.

In Nordhessen gibt es laut Fink-Keßler zwar weiter Interesse an dem Modell, aber fehlt ein Hänger. Das Prototyp war mit knapp 30 000 Euro teuer, sei aber auch günstiger herstellbar. "Eine optimale Lösung wäre, wenn drei bis vier Metzgereien oder Erzeugergemeinschaften sagen: Wir schaffen uns sowas an", erklärte sie. Denn ein Patent auf den Anhänger gebe es nicht und das erworbene Wissen stehe in Form von Leitlinien im Netz zur Verfügung.

Insgesamt sei diese Idee nicht nur in Hessen auf dem Vormarsch. "Da gab es auf europäischer Ebene unglaublich viel Bewegung in den vergangenen zwei Jahren", sagte Fink-Keßler. Jetzt gelte es, die Bemühungen zur EU nach Brüssel zu lenken. Denn noch gebe es mit Behörden vor Ort viele Probleme. Dabei fehlten vernünftige Gründe, sich dem Modell zu verweigern. "Eigentlich geht es darum, den Tierschutz in der Schlachtung zu gewährleisten."

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