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Modewelt:Die neuen Mode-Dynastien

In der Mode werden gerade dynastische Träume geträumt, und es stellt sich die Frage: Warum vertraut man in den Chefetagen der Industrie darauf, dass angeborene Privilegien intensive Sehnsüchte bei der Kundschaft wecken werden?

Eine Antwort könnte lauten, dass die Mode schon immer auf dieses Paradox gebaut hat. Einerseits ist sie ein Phänomen der bürgerlichen Gesellschaft und trat erst in Erscheinung, als das alte Regime aus Royalismus und Religion schon abgelöst war. Während sich das System Mode konfigurierte, im 19. Jahrhundert, setzte sich die Ansicht durch, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Herkunft, die gleichen Chancen haben sollten (was freilich erst mal nur für Männer galt). Auf der anderen Seite hörte die Mode aber nie auf, sich sehnsüchtig, und manchmal ironisch, auf die vergangene Zeit zu beziehen - und auf deren Insignien: königliche Macht, gottgegebener Reichtum, Adel.

Die Beispiele sind endlos: Das Rot, das die Sohlen der Pumps von Christian Louboutin heute zum Inbegriff von Sex und Luxus macht, war im 17. Jahrhundert der Ausweis des Sonnenkönigs Louis XIV. Im berühmten Porträt des Malers Hyacinthe Rigaud posiert er mit Seidenstrümpfen und zierlichen Schuhen mit rotem Absatz und roter Schleife - ein Herrscher, der im Gegensatz zum Fußvolk nicht "das beliebige Auf und Ab des Rades der Fortuna" illustriert, sondern reine göttliche Vorsehung, wie die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken in ihrem Buch "Angezogen" schreibt.

Oder: Louis Vuitton fing im 19. Jahrhundert als Kofferpacker von Eugénie de Montijo an, der Gattin von Kaiser Napoléon III. Als er 1854 seinen Laden in Paris eröffnete, nannte er das Segeltuch, mit dem er seine Koffer bespannte, "Trianon", so wie die Schlösser in Versailles. Und auch bei Prada ist man stolz auf seine royalen Verbindungen: Die Gebrüder Prada wurden 1919 vom italienischen König Viktor Emanuel III. zu Hoflieferanten ernannt, weswegen bis heute das Wappen des Hauses Savoyen Teil des Prada-Logos ist.

Wappen machen sich in der Mode immer gut, Monogramme sowieso. Die Trägerin, oder der Träger, fühlt sich damit gleich selbst ein bisschen geadelt. Das ist eine Funktion der Mode: die Kunden durch die gesellschaftlichen Hierarchien hindurch symbolisch emporzuheben. Die beiden verschlungenen Cs im Logo des Hauses Chanel weisen nicht zufällig starke Ähnlichkeit zum Monogramm der Katharina von Medici (1519 - 1589) auf. Der italienische Designer Franco Moschino hat sich in den Achtzigerjahren über diese ganze Monogramm-Manie in der Mode lustig gemacht, er verschlang nach demselben Prinzip zwei Fragezeichen ineinander. Jeremy Scott, der heutige Moschino-Chefdesigner, griff dieses Logo wieder auf. Zum Fashion-Monogramm sagt er lakonisch: "Das ist einfach ein Ding, das man macht, um nobel zu wirken."

Nobel wirken ist das Stichwort: Wenn heute die Anzeigen und Laufstege der Mode vom Nachwuchs des modernen Finanzadels bevölkert werden, dann soll das auch nobel wirken. All diese Kinder von Supermodels, von früheren Zehnkampf-Weltrekord-Haltern und Staranwälten oder - wie bei Gigi und Bella Hadid - von Immobilien-Tycoons mit einem echten Prinzen von Nazareth im Stammbaum, haben ihre Plätze im Rampenlicht fast sonnenköniglich mit einer Mischung aus Geld und Geburtsrecht verdient. Und mit ihrem gut besuchten Instagram-Account.

Kim & Co.

Der Kardashiclan