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Schöne Menschen:Adieu, Model-Agent!

Schöne Menschen, schöne Geschichten, schöne Model-Karrieren (v. li. oben im Uhrzeigersinn): Zum Zeitpunkt ihrer Entdeckung war Anok Yai eine einfache Studentin, die als Flüchtling in die USA kam, Nicky Libert ein Bauarbeiter, Jeremy Meeks ein Knacki und Arshad Khan ein Teeverkäufer.

Die Internet-Community befördert immer häufiger Normalos zu Models. Dabei geht es nicht nur ums Aussehen.

Das Internet hat gerade wieder eine rührende Geschichte geschrieben. Die Hauptrolle spielt Anok Yai, eine Biochemie-Studentin, 19, die vor ein paar Wochen in Washington D. C. nur auf ein Konzert gehen wollte. Dort bat sie ein Fotograf um ein paar Streetstyle-Motive. Sie machte mit, er postete wenig später eine der Aufnahmen auf Instagram: Yai schaut darauf relativ teilnahmslos in die Kamera. Auffällig sind die hohen Wangenknochen zur Stupsnase, Afrolocken und eine Figur, die jeden Tag viel Yoga und Pilates verlangt.

Anok Yai

Anok Yai studiert Bio-Chemie.

(Foto: Anok Yai/Instragram)

Das Foto ging viral, wurde zehntausendfach gelikt und geteilt und Yais Aussehen immer wieder mit dem von Alek Wek verglichen, einem sudanesischen Topmodel aus den 90ern. Tatsächlich kam Yai 2000 mit ihrer Familie als Flüchtling aus dem Sudan in die USA. Nun wird auch sie modeln. Die Agentur Next hat Yai unter Vertrag genommen, und sogar die amerikanische Vogue hat schon über sie berichtet. Zu schön, um wahr zu sein!

Arshad Khan war zum Zeitpunkt seiner Entdeckung Teeverkäufer.

(Foto: Jiah Ali/Instagram)

Grundsätzlich wurden die größten Models schon immer zufällig entdeckt; Toni Garrn auf dem Weg zur U-Bahn, Claudia Schiffer in einer Diskothek und Cindy Crawford beim Ferienjobben auf einem Maisfeld. Die Modeindustrie lebt von unverbrauchten Gesichtern. Weshalb sie auch schon länger das Internet nutzt, um Nachwuchs zu rekrutieren. Agenten suchen Models heute so selbstverständlich im Internet wie früher auf der Straße.

Sein Polizeifoto ließ das Internet ausrasten. Jetzt macht er Werbung für Sonnenbrillen

Was Anok Yais Fall dagegen ungewöhnlich macht, ist der Zuspruch, den sie von den vielen Internet-Usern vor Unterzeichnung ihres Vertrags bekommen hat. Die Agentur Next scheint durch den Hype erst auf sie aufmerksam geworden zu sein. Nicht ein Agent hat sie gecastet, sondern Tausende. Ähnlich lief es vergangenes Jahr bei Nicky Libert ab. Der Bauarbeiter ließ sich von zwei Mädchen vor einer Baustelle zu einem Foto hinreißen. Boom! Kurz darauf hielt er seine erste Setcard in der Hand. Arshad Khan verkaufte auf einem Basar in Pakistan Tee, bevor ihm ein Foto, das ihn beim Zubereiten einer Tasse zeigt, ein paar Shootings einbrachte. Und dann wäre da natürlich noch Jeremy Meeks. Sein "Mugshot", also sein Polizeifoto, wurde 2014 von der Behörde in Kalifornien auf Facebook veröffentlicht. Daraufhin rastete das Internet aus. Meeks macht jetzt Werbung für Sonnenbrillen.

Nicky Libert

Nicky Libert ist eigentlich ein Bauarbeiter.

(Foto: SGSiri/Instagram)

Wenn die Netzgemeinde jetzt immer häufiger Nobodys zu Models befördert, klingt das demokratisch. Auf die Laufstege in Mailand und Paris werden sie es trotzdem nie schaffen; weil ihre Gesichter durch den Hype im Netz schon wieder verbraucht sind. Ganz abgesehen davon, dass es in Wahrheit gar nicht nur um das Aussehen dieser Leute geht, sondern auch um ihre Vorgeschichte als Underdog. Meeks war zum Zeitpunkt seiner Entdeckung ein Knacki, Khan ein Teeverkäufer, Libert Bauarbeiter und Anok Yai eine einfache Studentin, die als Flüchtling in die USA kam. Man kennt das Prinzip aus TV-Castingshows, wo die rührende Geschichte im Zweifel mehr zählt als Talent.

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Stahlblaue Augen, markante Gesichtszüge - ein Polizeifoto machte Jeremy Meeks 2015 zum Internet-Hit. Jetzt hat er es in New York auf den Laufsteg geschafft.