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Wolfsburgs Dieter Hecking:Wolfsburg, eine Mentalitätsmannschaft

Dieter Hecking hat da eine Mentalitätsmannschaft aufs Feld gestellt, die sehr zum Missvergnügen der Rivalen bisher keines jener Merkmale erkennen lässt, das man Werksteams gerne nachsagt. Kein Spieler erweckt im Moment den Eindruck, als treibe er Sport in einer Komfortzone (ein Bayer-Leverkusen-Wort), in der es ganz okay ist zu gewinnen, aber auch nicht gar so schlimm, wenn man mal verliert.

Hecking ist ein anderer Trainer als Guardiola oder Favre, die das Spiel bis ins Aller-Innerste verfolgen und 77 Pläne ausbaldowern, bevor sie den 78. Plan in Auftrag geben. Er ist aber auch nicht der biedere Coach, für den ihn viele eine Weile hielten. Er schnürt seinen Spielern ein taktisches Korsett, er lässt sie aber auch atmen. So hat er ein Milieu geschaffen, in dem ein Spieler wie Kevin De Bruyne seine Räume auf dem Feld auch mal eine Weile suchen darf, bevor er mal eben das Spiel entscheidet.

Gedenken des VfL an Malanda

"Junior ist immer bei mir"

De Bruyne erinnert an Hennes Weisweiler: "Ne Ruuude will ich hann!"

Kevin De Bruyne ist der Spieler, den Hecking gebraucht hat, um zum ersten Mal in seinem Trainerleben eine alberne Mütze aufsetzen zu dürfen. Heckings Art ist ja auch deshalb plötzlich titeltauglich, weil seine Art plötzlich mit titeltauglichen Spielern in Berührung kommt. De Bruyne ist ein Gesamtkunstwerk aus Tatkraft, Wucht und spielerischer Klasse, er kann auch einem großen Spiel seinen Willen aufzuzwingen, anders womöglich als Marco Reus, der sich dem Willen von großen Spielen gern mal beugt.

Beim BVB haben sie nach dem Spiel eine heimliche Runde vor sich hingeflucht, sie haben sich noch mal daran erinnert, dass sie mit diesem De Bruyne schon einig waren, bis es Chelseas Trainer José Mourinho einfiel, ihm die Freigabe für den BVB zu verweigern - angeblich, weil er sauer war, dass er den Dortmunder Lewandowski nicht gekriegt hat (der aber bereits den Bayern versprochen war).

So dürfen sich jetzt die Wolfsburger an einem Spieler erfreuen, der an Hennes Weisweilers kategorischen Imperativ erinnert. "Ne Ruuude will ich hann!" - so soll der legendäre Trainer einst den rotblonden Winnie Schäfer gefordert haben, was auf jene leider nie wissenschaftlich erforschte These anspielt, wonach die Rotfärbung des Schopfes mit einer feurigen Färbung des Temperaments einhergeht (siehe auch: Boris Becker, Matthias Sammer). Rotköpfchen und der Wolf, so lautet der Untertitel dieser Final-Geschichte.

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In Berlin zeigte sich eine Elf, die dank Heckings Art und De Bruynes Klasse so intakt wirkt, dass sie offenbar auch mit Schicksalsschlägen wie dem Unfalltod des beliebten Mittelfeldspielers Junior Malanda umgehen kann. Im Gedenken an den im Januar verunglückten Belgier trugen die Wolfsburger ein Finaltrikot, das auf der linken Brust Malandas Rückennummer "19" in einem kleinen grünen Herzen zeigte. "Ich habe in der Halbzeit gesagt: Wenn uns die Kraft ausgeht, dann haben wir noch einen zwölften Mann, der hilft uns heute", erzählte Hecking später. Es klang weder kitschig noch peinlich und auch nicht so, als habe hier einer das Spiel überfrachtet. Es klang einfach nach Dieter Hecking.