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Wolfsburgs Dieter Hecking:Ein Titeltrainer? Der?

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Dieter Hecking: Kann sich auch über sich selbst amüsieren

(Foto: AFP)
  • Der "King" bringt den Pokal: Vielen galt Wolfsburgs Dieter Hecking einst als biederer Coach, mit 50 Jahren feiert er nun seinen ersten Titel.
  • Was ihn ausmacht: Die Kunst, einfach Dieter Hecking zu sein.
  • Auch wenn er beim 3:1 gegen Borussia Dortmund nicht auf dem Platz stand, hat Hecking jedes Tor vorbereitet.

Der Mann, der als Dieter Hecking angekündigt wurde, betrat also den Saal, er nahm dort vorne auf dem Podium Platz, wo nach den Spielen immer die Trainer sitzen. Die Ähnlichkeit mit Dieter Hecking war auffällig, Gesicht und Größe passten. Dieser Dieter Hecking war gut gemacht, selbst seine Stimme klang der des originalen Hecking zum Verwechseln ähnlich, aber zwei Details passten nicht. Die Mütze. Und das Shirt. Würde Dieter Hecking, dieser trockene Typ, so ein albernes Ding aufsetzen, mit der Aufschrift "King"? Und würde er in so ein Pokalsiegertrikot schlüpfen, zur Show und oder weil es gute Bilder gibt?

Wie man inzwischen weiß, lautet die Antwort: Warum eigentlich nicht?

Dieter Hecking sah verkleidet aus, als er sich nach dem Pokalsieg seines VfL Wolfsburg vor die Presse setzte, das fühle sich "wahnsinnig bekloppt an", sagte er, fest entschlossen, sich über sich selbst zu amüsieren. "Ich habe immer gesagt: Mit 50 will ich meinen ersten Titel gewonnen haben, und noch bin ich ja 50." Bis zum 12. September ist er es noch. Dann wird er 51.

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Heckings größte Trainerleistung: Hecking zu sein

Hecking liegt im Plan, aber es ist ein Plan, den er mehr so privat gefasst hat. Er hat das zwar auch immer wieder öffentlich gesagt, gerne in der dritten Person, ein Dieter Hecking wolle auch mal was gewinnen, sagte er dann. Die Öffentlichkeit hat das aber nur am Rande wahrgenommen, Hecking, das ist doch der Trainer, der mal in Nürnberg, Hannover und Aachen war, sicher kein Schlechter, aber Titel? Der?

Ja, der. Dieter Hecking hat nachweislich kein Tor geschossen beim 3:1 des VfL Wolfsburg gegen Borussia Dortmund, aber auf seine Art hat er jedes dieser Tore vorbereitet. Vereinfacht gesagt, besteht Heckings Trainerleistung darin, Hecking zu sein. Man würde diesen Trainer sehr gerne authentisch nennen, wenn "authentisch" nicht so ein scheußliches Modewort wäre, das man als Adjektiv ebenso strikt ablehnen muss wie "nachhaltig". Wobei: Nachhaltig ist Hecking wahrscheinlich auch.

Dieter Hecking sei "in sich stimmig", sagt ein junger deutscher Trainer, der unter Hecking hospitiert hat. Spieler merken schnell, ob's ihr Trainer nötig hat, ob er etwas darstellen will, was er nicht ist, ob er Siege auf sich bezieht oder ob er teilen kann. Sie registrieren auch genau, wenn ein Trainer sich traut, einen spektakulären PR-Transfer wie den des Weltmeisters André Schürrle auf die eigene, unspektakuläre Art zu behandeln. Hecking findet halt, dass Daniel Caligiuri dem Team zurzeit mehr hilft, und weil er das findet, lässt er den Weltmeister draußen.

Wer immer bisher mit Hecking gearbeitet hat, lobt seine Menschen- und Mannschaftsführung, und auch wenn das theoretische Begriffe sind, so hat ein Blick auf den Rasen doch genügt, um sich ein Bild davon zu machen.

Dort unten spielte eine Elf, die überhaupt nicht dadurch zu kränken war, dass der BVB schon nach fünf Minuten durch Aubameyang in Führung ging. Es war auch nicht zu erkennen, dass es die Elf groß gestört hätte, als Dortmunds Reus später fast das 2:0 erzielt hätte. Die Wolfsburger spielten einfach auf völlig selbstverständliche Weise weiter, sie spielten direkt, klar und mit erheblicher Energie, sie sahen überhaupt nicht ein, warum sie das Zutrauen in ihre Qualitäten verlieren sollten.

VfL in der Einzelkritik

De Bruyne überwindet die Schönspielerei

Naldos selbstbewusstem Freistoß folgte Luiz Gustavos selbstbewusster Nachschuss zum 1:1 (22.). Es folgte Kevin De Bruynes selbstbewusster Schuss zum 2:1 (33.). Kurz darauf köpfelte Bas Dost selbstbewusst zum 3:1 (38.) ein, nach einer Flanke von Ivan Perisic, die auch recht selbstbewusst aussah.