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Winter-Trainingslager:Bayern in Katar? Weil's halt so schön warm ist

FC Bayern München  - Trainingslager

So war's im vergangenen Jahr: Matthias Sammer und Ahmed Al-Harami, ein Fußballfunktionär aus Katar.

(Foto: dpa)
  • Der FC Bayern plant sein Winter-Trainingslager: Erneut soll es nach Katar gehen. Dem Land werden Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.
  • Die Entscheidung versucht der Verein taktisch gewieft zu kommunizieren.

Von Saskia Aleythe, Zagreb

28 Tage Leere. Wer sich den Terminplan des FC Bayern auf der vereinseigenen Homepage anguckt, kann leicht auf komische Gedanken kommen. Zwischen dem 19.12. und dem 16.01. klafft eine Lücke, wo doch sonst jedes nichtöffentliche Training mit Uhrzeit vermerkt ist. Vier Wochen besinnliches Faulenzen beim FC Bayern? Winterschlaf? Mia san müde? Natürlich nicht.

Der FC Bayern wird wie gewohnt in den ersten Januarwochen ein Wintertrainingslager absolvieren, bei der Verkündung von Termin und Ort pflegt der Verein dieser Tage allerdings noch eine ausgetüftelte Verzögerungstaktik. Dass das Team wie schon in den vergangenen Jahren wieder nach Katar reist, scheint aber beschlossen zu sein. "Stand heute geht es wieder in die Wärme, nach Katar", sagte Karl-Heinz Rummenigge am Dienstagabend vor der Champions-League-Partie gegen Dinamo Zagreb. Eine endgültige Entscheidung solle Ende der Woche bekannt gemacht werden. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren die Planungen zu diesem Zeitpunkt längst eingetütet und offiziell verkündet.

Katar. Also doch wieder in jenes Land, dessen Umgang mit Menschenrechten so umstritten ist.

Seit 2011 reist der FC Bayern ins Camp nach Doha, seit 2011 schon finden das bei weitem nicht alle richtig. Ethische Verfehlungen im Emirat sind dokumentiert, Menschenrechts-Organisationen beanstanden unter anderem die Ausbeutung von Gastarbeitern beim Bau der Stadien für die WM 2022 in Katar. Doch der FC Bayern sah sich bisher nicht in der Verantwortung, politische Haltung zu beziehen. Im Dezember 2014 sagte Rummenigge: "Bayern München ist nicht verantwortlich für Katar. Natürlich lesen wir auch, dass dort gewisse Dinge passieren, die uns in Deutschland allen nicht gefallen. Aber ich glaube, das ist eine Aufgabe der Politik und nicht die des Sports beziehungsweise des Fußballs." Franz Beckenbauer verkündete einmal, er hätte noch nie einen Sklaven in Katar gesehen.

Guardiola ist WM-Botschafter für Katar

Die WM 2022 wird aber nicht nur wegen des Stadionbaus debattiert. Katar steht immer noch im Verdacht, sich dieses Großereignis erkauft zu haben. Dass derzeit ein Reinigungstrupp aus Ermittlern durch die Fifa fegt, der auch die WM-Vergabe abschließend als korrupten Vorgang einstufen könnte - auch dies führt beim FC Bayern wohl zur zurückhaltenden Bekanntmachung des Trainingslagers.

Die Entscheidung pro Katar wird beim FC Bayern wohl schon lange gefallen sein, nicht nur weil Trainer Pep Guardiola WM-Botschafter für das Land ist (er unterstützte auch die katarische WM-Bewerbung mit öffentlichen Auftritten). "Ich denke, das ist das Beste, was man im Wintertrainingslager antreffen kann", sagt Rummenigge zur Anlage in Doha. Finanziell hat sich das für die Bayern in den Vorjahren vor allem gelohnt, weil Volkswagen den Ausflug sponserte - in diesem Jahr wird der angeschlagene Konzern wohl davon absehen. Immer wieder loben sie beim FC Bayern aber das Wetter in Katar, Temperaturen um 22 Grad im Januar lieben sie, optimal zum Trainieren. Sie schätzen die kurzen Wege von der Hotelanlage zu den Sportplätzen, in wenigen Minuten ist man vom Zimmer auf dem Rasen. Die Katarer sind ja so gastfreundlich.

Von daher ist es eigentlich schon undenkbar, dass der FC Bayern jemals wieder in einem anderen Land die Rückrundenvorbereitung bestreiten kann. Allerdings: 22 seiner 25 deutschen Meisterschaften hat der FC Bayern gewonnen, ohne ein Trainingslager in Doha absolviert zu haben. Diesmal würde es vielleicht sogar mit 28 Tagen Nichtstun im Winter klappen.

© SZ.de/jbe/jab
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