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VfL Wolfsburg - FSV Mainz:Die Mainzer Auferstehung

Doch abgesehen von Diego war dieses Spiel in der ersten halben Stunde alles andere als ein Spiel, in dem es nach einer halben Stunde 3:0 stehen muss. Die Treffer waren kein Resultat von fußballerischer Überlegenheit, sondern eine Mischung aus unfasslichen individuellen Schnitzern und Geistesblitzen von Dzeko & Diego. Bis zum ersten Wolfsburger Tor hatte Mainz durchaus mitgehalten - und die Mannschaft von Thomas Tuchel dachte auch nach dieser kuriosen Sieben-Minuten-Phase mit drei Gegentreffern gar nicht daran, dieses Ziel zu vergessen.

Ab Minute 31 erarbeiteten sich die Gäste peu á peu ein Übergewicht - und folgerichtig kam der FSV auch noch einmal heran: Morten Rasmussen erzielte nach einem Eckball das 1:3 (39.), und keine zwei Minuten nach dem Seitenwechsel traf Elkin Soto zum Anschlusstreffer. Die Einwechslung von André Schürrle sorgte für weiteren Schwung, und nach einer knappen Stunde war es eben jener André Schürrle, der die imponierende Mainzer Aufholjagd vorerst mit dem 3:3-Ausgleich krönte: Mit einem raffinierten Aufsetzer überwand er Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio - ein schwieriger, aber nicht gänzlich unhaltbarer Ball.

Diego wiederum hatte offenbar genug vernascht, getrickst, gepasst und getroffen und verlegte sich fortan aufs Herumstehen im Irgendwo - außerdem machte er eine Schwalbe, für die er zu Recht Gelb sah. Er war aber nicht der einzige Wolfsburger, der nicht verstehen konnte, wie der VfL dieses 3:0 hatte aus der Hand geben können. Anders als seine Spieler unternahm ihr Trainer Steve Mclaren zumindest einen Versuch zum Gegensteuern: Er nahm die beiden offensiven Außenspieler in seinem 4-2-3-1-System heraus, brachte unter anderem Grafite und stellte auf ein 4-4-2-Modell mit Raute um. Das kam eigentlich einer kleinen Revolution gleich, denn McLaren mag diese taktische Ausrichtung eigentlich überhaupt nicht - Diego liebt sie dagegen umso mehr. Die Konsequenz: Kurz nach der Umstellung hatte Dzeko die erste Wolfsburger Chance seit dem Treffer zum - ja, so stand es tatsächlich mal - 3:0.

Weil Unentschieden weder für McLaren noch für Tuchel besonders erstrebenswert zu sein scheinen, verlegte sich in den letzten 20 Minuten der Partie keiner aufs Toreverhindern. Beide Mannschaften hatten noch gute Gelegenheiten, doch auf der einen Seite wurde Grafites Schuss abgefälscht und auf der anderen Seite eine scharfe Hereingabe für Schürrle im letzten Moment geklärt.

Doch wenige Minuten vor dem Abpiff erhielten die Wolfsburger die Strafe für ihre zu passive und zu sehr auf Diego & Dzeko konzentrierte Spielweise - die Mainzer belohnten sich für ihre unglaubliche Moral. Zabavnik passte zu dem kurz zuvor eingewechselten Adam Szalai, der drehte sich im Strafraum kurz um seinen Gegenspieler - und erzielte das 4:3 für die Mainzer.

Sollten Spiele mit Diego in Zukunft imemr so unterhaltsam sein, hätte nicht nur Thomas Tuchel noch ein drittes gutes Argument für den Wechsel des Brasilianers.

© sueddeutsche.de/dabi
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