Turnen - Berlin:Nach "Fall Frehse": DTB will Änderung bei Traineranstellung

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Berlin
DTB-Präsident Alfons Hölzl spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Rainer Jensen/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

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Berlin (dpa) - Der Deutsche Turner-Bund (DTB) hat als Reaktion auf den Fall der Trainerin Gabriele Frehse einen Strukturwandel gefordert. Bei einer Anhörung vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages schlug DTB-Präsident Alfons Hölzl am Mittwoch in Berlin vor, dass Trainer künftig von den Spitzensportverbänden statt an den Olympiastützpunkten angestellt werden sollen. "Das ist ein ganz konkreter Punkt, den wir aus der jetzigen Situation lernen. Dass man nicht ums Eck marschieren muss und es leichter ist, Entscheidungen zu treffen und umzusetzen", sagte Hölzl im Anschluss der Deutschen Presse-Agentur.

Der Chemnitzer Trainerin Frehse wird unter anderem psychische Gewalt gegen Turnerinnen vorgeworfen. Sie ist beim Olympiastützpunkt Sachsen angestellt und derzeit suspendiert. Der DTB hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe ihre Entlassung gefordert. "Die heutige Sitzung hatte nicht das Ziel, die Vorwürfe um Frau Frehse aufzuklären oder arbeitsrechtliche Fragen zu klären", sagte die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) der dpa.

Nach einer Untersuchung durch eine Frankfurter Kanzlei hatte der DTB "schwerwiegende Pflichtverletzungen" von Frehse festgestellt. Ex-Weltmeisterin Pauline Schäfer und weitere Turnerinnen hatten Frehse vorgeworfen, sie im Training schikaniert, Medikamente ohne ärztliche Verordnung verabreicht und keinen Widerspruch zugelassen zu haben. Frehse hat die Vorwürfe mehrfach bestritten und dem DTB vorgeworfen, ihr Akteneinsicht zu verwehren. Wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt die Chemnitzer Staatsanwaltschaft seit Dezember 2020 gegen die Trainerin und einen Arzt.

Weiterhin möchte der DTB, dass der im Zuge der Leistungssportreform abgeschaffte Sonderkader für verletzte Sportler und Sportlerinnen wieder eingeführt wird. Überdies hat Hölzl vorgeschlagen, die Anzahl der Bundesstützpunkte für das Turnen unter regionalen Aspekten wieder auszubauen, damit vor allem junge Athletinnen und Athleten öfter und länger zu Hause sein können.

Zugleich betonte der DTB-Präsident, dass Gewalt im Sport keinen Platz hat. "Wir lehnen jegliches Training mit Anwendung von Gewalt jeglicher Form, körperliche, psychische oder sexualisierte Gewalt ab. Das Kindeswohl steht für uns ganz zentral im Fokus. Wir müssen das Training deshalb so organisieren, dass Gewalt keine Chance hat", sagte Hölzl.

© dpa-infocom, dpa:210224-99-579275/2

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